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Die Kriminalpolizei Krefeld hat einen Ermittlungsfehler im Autohändler-Mord aufgedeckt

Krefelder Kommissar rettet Unschuldigen : Krefeld-Mörder wird nach Belgien ausgeliefert

Mordermittler Gerd Hoppmann hat bei der Aufklärung eines Verbrechens einen unschuldig Inhaftierten gerettet. Der wahre Mörder soll jetzt nach Belgien ausgeliefert werden, wo er wegen eines weiteren Mordes angeklagt ist.

Vor  zwölf Jahren war in Krefeld-Oppum der Autohändler Askin Uludag (29) erschossen worden. Fred W. (45) bekam dafür am 18. August 2009 eine lebenslange Haftstrafe. Die Aufklärung dieses Verbrechens nahm einen ebenso spektakulären wie skandalösen Verlauf: Nach akribischen Ermittlungen der Krefelder Mordermittler um Gerd Hoppmann wurde W. ein weiterer Mord, den er fünf Monate vorher in Antwerpen begangen hatte, nachgewiesen. Dort war schon Kevin Huypens (damals 18), der Sohn des Opfers Steve Huypens (39), unschuldig als „Vatermörder“ verhaftet worden. Ein Stück Krefelder Kriminalgeschichte: Hoppmann überführte nicht nur die Duisburger  Gerichtsmedizin einer falschen Todesursache beim Mord an Askin Uludag, sondern präsentierte der Polizei in Antwerpen auch den wahren Mörder von Antwerpen und die Tatwaffe. Kevin Huypens kam als unschuldig entlastet sofort frei.

Nach einer jahrelangen Auslieferungs-Posse wird Fred. W. jetzt nach Belgien ausgeliefert. Dies hat jetzt, sieben  Jahre nach dem ersten Auslieferungsantrag, der 2. Strafsenat des Oberlandesgerichts in Hamm entschieden, nachdem sich 2019 auf Betreiben des Grünen-Abgeordneten Stefan Engstfeld auch der Landtag NRW mit dem Fall befasst hatte.

Autohändler Askin Uludag wurde im Mai 2008 in Krefeld erschossen. Foto: K.U.

In Antwerpen erwartet Fred W., der auch als Bankräuber unterwegs war und sich auf Mallorca versteckt hatte, eine weitere Verurteilung zu lebenslanger Haft.

Und genau das waren die Probleme bei der Auslieferung. Denn die Senatsrichter in Hamm wollten eben das nicht zulassen, knüpften die Auslieferung W.s  auch an Bedingungen. Zweimal lebenslänglich ginge nicht, und man wollte die Garantie haben, dass Fred W. nach dem Urteil in Antwerpen wieder  in deutsche Haft kommt. Jetzt wird mit großer Spannung im Mai 2020 das Urteil des Gerichtshofes in Antwerpen erwartet.

Die dramatische Wende im Krefelder Mordfall begann damit, dass am Tatort in Oppum eine Patronenhülse gefunden wurde. Doch die Gerichtsmedizin Duisburg erklärte, das Opfer sei erschlagen worden. Gerd Hoppmann ließ diese Patronenhülse keine Ruhe, er ließ den in der Türkei beigesetzten Autohändler exhumieren.

2007 wurde der Autohändler Steve Huypens bei Antwerpen erschossen. Foto: K.H.

Türkische Gerichtsmediziner fanden  tatsächlich das, was Hoppmann immer vermutet hatte, als er im abgestellten und verlassenen Fluchtauto von W. die Waffe zur Patronenhülse gefunden hatte: Im Kopf des Toten steckte eine Kugel! Sie passte. Der Mörder hatte seinem Opfer die Pistole in den Mund gesteckt und abgedrückt.

Kevin Huypens kam als vermeintlicher Vatermörder  in Haft. Foto: K.H.

Die Duisburger Gerichtsmedizin und die belgische Polizei waren blamiert – mit der gleichen Waffe war auch Steve Huypens erschossen worden. Hoppmann lieferte auch das passende Gutachten, weil das seine Kollegen in Antwerpen nicht auf die Reihe bekamen – und im Gefängnis saß damals noch der unschuldige Sohn aufgrund des skandalösen Haftbefehls.

Barkeeper Kevin Huypens sagt: „Herr Hoppmann hat mein Leben gerettet. Ich würde heute noch im Gefängnis sitzen. Die Polizei hat mir die Tat und ein Motiv angedichtet, die Justiz hat mitgemacht. Ich werde nicht zum Prozess gehen. Bis heute habe ich keine Entschuldigung, keine Haftentschädigung bekommen. Ich danke der Krefelder Polizei aus tiefstem Herzen.“

Fast wäre Fred W. der Auslieferung entkommen. Denn ein Mitgefangener, der Dreifachmörder Yanqing T. (53) aus Düsseldorf wollte ihn vor drei Jahren beim Hofgang mit einer Keramik-Scheibe erstechen, weil W. Fluchtpläne des Chinesen verraten hatte. Der Mordanschlag unter Mördern misslang. W. überlebte schwer verletzt.