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Die Krefelderin Iris Mauderer hat bei der Weltmeisterschaft im Schlittenhund-Sport zum ersten Mal in ihrer Karriere den Sprinttitel mit dem Sechser-Schlitten geholt.

Iris Mauderer : Weltmeisterin mit dem Schlittenhundgespann

Die Krefelderin Iris Mauderer hat bei der Weltmeisterschaft im Schlittenhund-Sport zum ersten Mal in ihrer Karriere den Sprinttitel mit dem Sechser-Schlitten geholt. Jetzt plant sie den Aufstieg in die Königsklasse ihrer Sportart.

Das zweite Halbjahr 2018 war für Iris Mauderer ein gebrauchtes Jahr. Massive Rückenschmerzen, die sich als Bandscheibenvorfall herausstellten, hatten die gebürtige Krefelderin zu einem langwierigen Krankenhausaufenthalt gezwungen. Damit war die vergangene Saison in ihrer Sportart, dem Schlittenhunde-Rennen, gelaufen – unmittelbar nach den Saisonhöhepunkten – wie etwa die Europameisterschaft, bei der sie den Titel gewann. Parallel dazu musste auch ihr Lebensgefährte ins Krankenhaus, kämpfte dort wochenlang um sein Leben – mit Erfolg. Doch die lange Zeit des Leidens fand für die 45-Jährige jetzt ein triumphales Ende: Im italienischen Millegrobbe feierte sie den bislang größten Erfolg ihrer seit mehr als 30 Jahre andauernden Karriere: den Gewinn des Weltmeistertitels im Schlittenhunde-Rennen in der Sechs-Hunde-Sprintkategorie. Diese Weltmeisterschaft hatte der Weltverband Federation Internationale Sportive de Traineau à chiens (FISTC) in dem italienischen Wintersportort, der als eine der Hochburgen bei den Schlittenhundfahrern gilt, ausgerichtet.

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Die gebürtige Krefelderin, die in Waldfeucht im Kreis Heinsberg ein Zuhause und einen perfekten Trainingsstandort für sich und ihre vielen Huskies gefunden hat, fuhr an den drei Renntagen den Wettkampf ihres Lebens. Angeführt von ihrem Leithund Koebes, dessen Vater Apache als einer der besten Schlittenhunde der Welt galt, furchte Mauderer bereits am ersten Renntag mit knapp einer Minute Vorsprung durch den tiefen Schnee und wehrte die Angriffe der beiden Franzosen Pierre Chappe und Jocelyn Combazard und der Französin in einem verbissenen Rennen erfolgreich ab. Pierre Chappe griff derart engagiert an, dass einem seiner Vierbeiner sprichwörtlich die Puste ausging und er am dritten Renntag nur noch mit fünf Hunden starten konnte. Da die drittplatzierte Französin Jocelyn Combazard bereits am zweiten Renntag 5:18 Minuten in Rückstand geriet, hätte Mauderer entspannt den Gesamtsieg auf der zwölf Kilometer langen Rennstrecke nach Hause fahren können. Doch stattdessen jagte sie ihr Gespann mit gut 40 Stundenkilometern über die Piste und gewann auch dieses Rennen mit deutlichem Vorsprung.

Mit dem Erfolg in Italien hat Mauderer, die mit neun Jahren zum ersten Mal ein Schlittenhundgespann führte, ihrer langen Wettkampfkarriere das i-Tüpfelchen aufgesetzt. Nach einem Dutzend Titeln bei Deutschen Meisterschaften, drei Vize-Europa- und zwei Vize-Weltmeistertiteln und dem Gewinn der Europameisterschaft im Vierergespann folgte nun der erste Weltmeistertitel – mit sechs Hunden. Dabei ist sie weiterhin ein Exot unter den Mushern, wie der Fachbegriff für die Lenker von Schlittenhundgespannen lautet: Nur etwa zehn Prozent Frauen betreiben den Sport, ansonsten haben hier die Männer eindeutig das Sagen. „Die Offene Kategorie wird zwar seit Jahren von männlichen Konkurrenten dominiert, weil sie mehr Kraft haben, aber ich bin überzeugt davon, dass mein Feeling zu meinen Vierbeinern und meine Technik im Schlittenfahren dies kompensieren. Bereits in den vergangenen Jahrzehnten bestand meine internationale Konkurrenz hauptsächlich aus Männern, und das hat auch funktioniert“, sagt die 45-Jährige, die in einem Krefelder Fitnessstudio arbeitet.

 Iris Mauderer ist Weltmeisterin im Schlittenhundefahren
Iris Mauderer ist Weltmeisterin im Schlittenhundefahren Foto: Massimo Mazzasogni

Iris Mauderer plant nun im kommenden Jahr den Aufstieg in die Acht-Hunde-Klasse und im Jahr 2021 den Angriff auf den Weltmeistertitel in der Königsdisziplin, der Kategorie Offen, mit zwölf Siberian Huskies. Die stammen zum Großteil aus eigener Zucht: In wenigen Tagen erwartet Iris Mauderer voraussichtlich 13 Welpen von ihren beiden finnischen Hündinnen Fiene und Emma.

Dass sie in einem nicht gerade schneeverwöhnten Gebiet lebt und trainiert, erachtet sie dabei nicht als Nachteil. „Die meisten Sportler trainieren bis Dezember im Trainingswagen, also auf Rädern und ohne Schnee. Mein Sponsor Polaris stellt mir jedes Jahr ein neues Quad zur Verfügung, mit dem ich meine Hunde im Windpark von Waldfeucht trainiere. Mein Trainingsgebiet in Waldfeucht halte ich ebenfalls für Weltklasse – besser könnte es nicht sein. Lediglich ein paar Hügel könnte die Gemeinde noch einbauen“, sagt sie mit einem Schmunzeln.