Die Krefelder Christophorusschule unterrichtet Kranke

Christophorusschule: Wo krebskranke Kinder zur Schule gehen

Die städtische Christophorusschule unterrichtet junge Patienten, die länger als vier Wochen im Krankenhaus sind.

(RP) Wenn Schüler sich darauf freuen, nach den Ferien „endlich wieder in die Schule gehen zu dürfen“, sagt das etwas über die Schule aus – und über ihre Lehrer. Die Pädagogen der Christophorusschule am Krefelder Helios-Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin stehen vielfältigen Herausforderungen gegenüber, aber auch besonders dankbaren Schülern und Eltern. Die Schule ist eine städtische Schule für somatisch und psychisch kranke Schüler, die voraussichtlich vier Wochen und länger im Krankenhaus verbringen müssen.

An diesem Teilstandort der Schule sind die meisten Schüler onkologisch erkrankt. Alle haben – neben einer voraussichtlichen Aufenthaltsdauer von mindestens vier Wochen – eines gemeinsam: den Spaß am Lernen - selbst, wenn der Anfang häufig von Verunsicherung und Widerständen geprägt ist.

„Erwachsene zeigen oft kein Verständnis dafür, dass die Schulpflicht auch für erkrankte Kinder gilt. Die Kinder sagen manchmal: ‚Ich habe doch schon eine Schule‘. Aber später wollen unsere Schüler dann oft gar nicht mehr weg“, berichtet Schulleiterin Monika Nordmann. Sie hat ihren Dienst an der Christophorusschule im Jahr 1977 aufgenommen.

Die Überlebenschancen nach der Diagnose Krebs haben sich durch Fortschritte in der Medizin in diesen rund 40 Jahren erheblich verbessert. Doch die Therapie ist zeitintensiv und kann sich auf die Immunabwehr des Körpers auswirken, weshalb der Besuch einer „normalen“ Schule meist nicht mehr möglich ist. Für die Kinder bedeutet die Trennung von ihren Klassenkameraden häufig das Gefühl sozialer Isolation in einer ohnehin schwierigen Lebensphase, berichtet Nordmann. Deshalb lernen die Schüler der Christophorusschule die Ablenkung vom Krankenhausalltag schnell zu schätzen: „Wenn ein Schüler eine Stunde mit Potenzrechnung beschäftigt ist, kann er sich eine Stunde wenigstens gedanklich von seiner Krankheit erholen“, erklärt Silke Lethen, Lehrerin an der Christophorusschule.

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Außer der Abwechslung bieten die Lehrer den Kindern in der Zeit der Erkrankung, die ohnehin mit großen Verunsicherungen verbunden ist, noch etwas anderes: Stabilität. „Wir haben uns im Kollegium bewusst für das Bezugslehrersystem entschieden. Das heißt, bei uns bekommt jeder Schüler nur einen Lehrer, der in Einzel- und Kleingruppenunterricht vorwiegend die Kernfächer Deutsch, Mathematik und Englisch unterrichtet“, erklärt Nordmann.

Die Lehrer können sich der Unterstützung des multiprofessionellen Teams am Helios-Klinikum sicher sein. In wöchentlichen Teamsitzungen beraten Ärzte, Psychologen und Pädagogen gemeinsam, wie die jungen Patienten im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten am besten aufgefangen werden können.

Den Kindern und Jugendlichen fällt es oft schwer, die liebgewonnene Christophorusschule wieder zu verlassen. Die Pädagogen bereiten den Wechsel in die Heimatschulen sorgfältig vor und erarbeiten Lösungen für die damit verbundenen Ängste. Einige ihrer Schützlinge bleiben den Pädagogen auch nach dem Schulwechsel erhalten: „Viele ehemalige Schüler kommen in der Nachbetreuungsphase regelmäßig bei uns vorbei und bleiben so ein Stück weit hier verwurzelt“, weiß Lethen zu berichten.

Es kommt vor, dass die Christophorusschule die letzte schulische Station im Leben eines jungen Menschen ist. Aber auch dann eröffnet das Bezugslehrersystem den Pädagogen besondere Möglichkeiten, wie Schulleiterin Monika Nordmann weiß: „Wir ermöglichen manchmal auch Dinge, einfach weil sie den Kindern gut tun. Wenn ein Schüler unheilbar krank ist, was glücklicherweise selten vorkommt, ermutigen wir ihn beispielsweise dazu, ein Fotobuch zu gestalten. Dabei können nebenbei  Lehrplaninhalte einfließen. Gleichzeitig geben wir dem Kind die Möglichkeit, etwas Nachhaltiges zu schaffen, das wir den Eltern hinterher geben können.“

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