Krefeld: Die Kettensäge regiert im Hülser Bruch

Krefeld: Die Kettensäge regiert im Hülser Bruch

Anwohner Harald Stemmle ist besorgt: "Der Wald wurde durch permanentes Abholzen sehr nachteilig verändert."

Eine Schneise, die sich wie ein zweiter Weg neben dem Heinrich-Mertens-Weg im Hülser Bruch in den Wald gräbt. Ganze Flächen, wo kein einziger Baum mehr zu sehen ist. Tiefe Spurrillen, in denen das Wasser steht. Abgeholzte Baumstämme ragen aus dem Boden. Daneben liegen immer wieder Scheiben von Stammstücken. Dazu ein Gewirr aus dünneren und dickeren abgesägten Ästen. Es sieht aus, als wäre ein Wirbelsturm durch das Hülser Bruch gefegt. Allerdings sind dies keine Sturmschäden von Tief Friederike, sondern Forst-Maßnahmen, die im Rahmen des Eschesterbens ergriffen werden mussten, wie die Pressestelle der Stadt mitteilt.

Diese Maßnahmen lassen allerdings mittlerweile viele Bürger fragend die Augenbrauen hochziehen. Einer davon ist Harald Stemmle. Der Hülser ist mehrmals in der Woche als Fußgänger und Radfahrer im Bruch unterwegs und genießt das Glück, den Wald vor der Haustüre zu haben. Allerdings wird der immer weniger. "Seit 2016 hat sich das Hülser Bruch durch ein permanentes Abholzen sehr nachteilig verändert bzw. verändert sich immer noch. Ob man vom Hölschen Dyk zum Hülser Berg geht oder über den Planker Dyk, Vobis und Langen Dyk Richtung Flünnertzdyk oder zur Nieper Straße oder Steeger Dyk, überall wird mit großem Gerät gerodet, was das Zeug hält", sagt Stemmle. Die großen Lücken, die in dem zusammenhängenden Waldgebiet entstanden sind, beunruhigen ihn sehr. Dass die Bäume alle krank sind, kann er nicht glauben, auch wenn das Eschensterben aufgrund eines Pilzbefalles um sich greift. "Neben den Eschen werden auch zahlreiche Pappelhybride gefällt. Sie wurden nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Ziel gepflanzt, viel Holz zu liefern, und haben nun ihr Lebensende erreicht", informiert indes die städtische Pressestelle. Dort wird von einer Naturverjüngung im Sinne einer Naturwald-Gemeinde gesprochen und man kündigt weitere Forst-Maßnahmen im Hülser Bruch, dem Stadtwald und im Forstwald an.

Wobei sich mancher Bürger fragt, ob eine Verjüngung so aussehen muss. "Es ist ja nicht nur, dass gefällt wird. Es ist die Art und Weise wie mit dem Wald umgegangen wird. Das schwere Gerät hinterlässt massive Spuren. Hinterher sieht es aus wie Kraut und Rüben. Mit Ökologie hat das in meinen Augen nichts zu tun", bemerkt Stemmle. Er stellt sich die Frage, wofür die Stadt Krefeld eigentlich Rückepferde unterhält. Von Aufforstungen sieht er momentan auch sehr wenig und so verdunkelt sich sein Blick regelmäßig, wenn er im Hülser Bruch unterwegs ist.

(RP)