Krefeld: Die Hülser Feuerwehr-Politikerin

Krefeld: Die Hülser Feuerwehr-Politikerin

Christin Küppers-Valk ist Bezirksvertreterin und freiwillige Feuerwehrfrau in Hüls - und als Zugezogene mittlerweile zur echten Hülserin geworden.

Hüls ist eine Welt für sich. Das weiß jeder Krefelder und die Bürger des Stadtteils sind durchaus stolz darauf. Für Außenstehende ist es kein leichtes Unterfangen, von den Bewohnern als "echter Hülser" wahrgenommen zu werden. Eine, dieses Kunststück geschafft hat, ist Christin Küppers-Valk. Die 29-Jährige ist vor gut acht Jahren hierher gezogen und mittlerweile voll integriert. "Natürlich bekomme ich noch immer vorgehalten, dass ich keine echte Hülserin sei, aber das ist heute doch eher im Spaß", sagt die sympathische junge Frau lachend. Auch im Karneval ist sie aktiv. "Beim ersten mal habe ich einen Fehler gemacht und "Helau" gerufen. Das tu ich nie wieder. Heute stehe ich mit Holzschuhen und Tuch am Breetlooksdienstag bereit", fügt sie, weiter lachend, hinzu.

Wenn sie durch den Ort geht, dann wird sie von fast jedem Passanten gegrüßt und grüßt zurück. Es scheint, dass sie jeden einzelnen Hülser persönlich kennt. Hier und da hält sie für einen Plausch an. Beim Einen oder Andren ist sie auch im Rest Krefelds als Bezirksvertreterin bekannt. Sie trat in jungen Jahren in die SPD ein und war im Krefelder Vorstand der Jusos, der Jugendorganisation der Partei. Nach der Schule machte sie bei Bayer eine Lehre als Chemikantin. Das war im Jahr 2005. Sofort engagierte sie sich in der Jugendauszubildendenvertretung und wurde später Betriebsrätin. Über die Gewerkschaft wurde sie zu einem Praktikum an den Krefelder Bundestagsabgeordneten Bernd Scheelen vermittelt. Der diente ihr als Pate und sie durfte ihn eine Woche lang begleiten. "Seitdem weiß ich, wie intensiv die Arbeit als Abgeordneter ist. Beispielsweise Diätendiskussionen sehe ich seitdem mit anderen Augen", erzählt sie. Sie durfte mit eigenem Ausweis in den Bundestag, sich dort frei bewegen und den ganzen Alltag des erfahrenen Politikers verfolgen. Für sie war danach klar: Sie wollte sich auch für die Belange der Bürger einsetzen. Nicht auf Bundes-, aber zumindest auf kommunaler Ebene. So kandidierte sie für die Bezirksvertretung, in der sie seit Kurzem sitzt. Doch nicht nur hier setzt sie sich für die Belange der Bürger ein. Seit rund sechs Jahren ist sie auch in der freiwilligen Feuerwehr aktiv. Hier liegt der Frauenanteil mittlerweile in Krefeld bei rund 15 Prozent, Tendenz steigend.

"Ich habe damals in Leverkusen gearbeitet. Dabei habe ich mehrfach Unfälle gesehen und die Menschen fuhren einfach daran vorbei, ohne zu helfen. Das fand ich schockierend", erzählt sie. Also ging sie zur freiwilligen Feuerwehr und genoss es vom ersten Tag. "Dort herrscht eine tolle Kameradschaft. Es ist egal, welches Geschlecht, Alter, Ethnie oder Religion man hat, bei der Feuerwehr sind wir ein Team. Und es ist ein tolles Gefühl, Menschen zu helfen", sagt die junge Politikerin.

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Die Montur sei wie eine zweite Haut, ein Schutzpanzer. "Irgendwie wird man zum Superheld. Das ist schwierig zu beschreiben. Ein kleines Mädchen war einmal ganz fasziniert, dass eine Frau in der Ausrüstung steckte und hat mir danach mehrfach Bilder gemalt. Das war sehr schön", berichtet sie mit leuchtenden Augen. Doch es gibt auch Schattenseiten. Angriffe auf Rettungskräfte nehmen zu. Auch sie erlebte das bereits. Erklären kann sie es sich nicht. "Wir versuchen doch nur, den Menschen zu helfen. Ich verstehe nicht, wieso man so etwas tut", stellt sie fest. Immerhin ist sie mittlerweile seltener betroffen, da sie seit einiger Zeit vordringlich im Innendienst arbeitet.

Christin Küppers-Valk ist ein Mensch, der sehr daran interessiert ist, seinen Anteil zu leisten, die Welt ein Stück besser zu machen. Sie betrachtet die Welt mit wachen Augen und verkörpert den neuen Typus des Politikers. Sie orientiert sich nicht an Parteiraison, sondern an der Sache. Dabei punktet sie mit Authentizität und Ausstrahlung. Auch als Model in der Formel 1 arbeitete sie bereits. "Das möchte ich aber keinesfalls mehr machen. Die Reduzierung auf Äußerlichkeiten gefällt mir gar nicht", stellt sie klar. Für die Hülser ist das eine gute Nachricht, denn so bleibt mehr Zeit für Bezirksvertretung und Feuerwehr und damit die Menschen im Ort.

(RP)