Krefeld: Die gar fürchterliche Hülser Grusel-Gala

Krefeld : Die gar fürchterliche Hülser Grusel-Gala

Der Sechserrat hat traditionell im Anschluss an die Proklamation von Prinz Christian I. und Prinzessin Helene I. sein Gala-Programm präsentiert. Das werden auch die Besucher der drei folgenden, ausverkauften Gala-Sitzungen erleben.

Die Stimmung ist düster, der Saal ist festlich geschmückt, von der Decke hängen Spinnweben, eine Wand wird von einem verstaubten Bücherregal eingenommen. Auf einer Empore sitzen sich zwei Skeletts gegenüber, zwischen ihnen ein Sarg, aus dem weißer Nebel quillt. Der Sechserrat der Katholischen Jugend in Hüls hat sich wieder größte Mühe gegeben, das diesjährige Motto "Grusel-Gala" für ihre Karnevalssitzungen voll auszuschöpfen.

Erster Programmpunkt ist ein Sketch, aufgeführt von zwölf Sechserratsmitgliedern: Man stelle sich vor, auf der Hülser Burg eröffne eine neue Gemeinschaftspraxis, die alsbald von den Hülsern besucht wird. Die Akteure besingen den Missstand um die marode: "Eine neue Brücke muss hierhin, alles andere macht keinen Sinn. Eine Brücke muss begehbar sein, ganz egal ob aus Holz oder Stein". Außerdem sorgen sich die Hülser um ihr Burgfest - findet es jemals wieder statt?

Präsident David Drink führt gekonnt und gelegentlich augenzwinkernd durchs Programm. Ein Höhepunkt sind wieder die "Tratschtanten". Als alte Frauen verkleidet denken sich Lukas Hülbusch, Bernhard Schauws, Armin Kaufmann und Udo Rungelrath seit 33 Jahren Sketche auf "Hölsch Plott" aus. Diesmal nehmen sie an einem gelenkschonenden Wassergymnastikkurs teil. Getreu ihrem Namen tratschen sie dabei ausgiebigst über Hülser Geschehnisse. Eine der Frauen tritt sogar im Burkini auf, den sie ein paar Tage zuvor bei Ebay preisgünstig ersteigert hatte. Gleich danach betritt Stefan Schleupen als Clown Luvati samt einer Gruppe Horror-Clowns die Bühne. Eine "beschissenere Stimmung" sei momentan nur in der Geschäftsstelle des HSV zu finden, mutmaßt der Komiker.

Dann steht der Herrentanz an. Sie treten gleich in drei verschiedenen Kostümen auf: als Mumien, Werwölfe und zuletzt im Zeichen des Phantoms der Oper. Tänzerisch beweisen sie Kreativität und eine gewisse Spektrumsbreite. Fast so gut wie die Damen, die als Schaufensterpuppen mit dem ersten Glockenschlag um Mitternacht zum Leben erwachen und eine grandiose Show abliefern. Das Publikum ist gut durchmischt - alt und jung amüsieren sich gemeinsam. Man erkennt unschwer, dass auch die jungen Hülser den Karneval lieben. Danielle Reinders (20) macht beim Damentanz mit und hat im Dekoteam geholfen: "Wir fangen Mitte des Jahres an, uns zu treffen und überlegen, wie wir unseren Auftritt gestalten können, welche Lieder wir verwenden, welche Kostüme". Dann wird geprobt stets mit dem Ziel, den Hülsern zu Karneval eine Freude zu bereiten.

Gegen Ende wirkt der Präsident beim Bühnenprogramm mit und spielt zusammen mit Außenminister Peter Hoebertz "David, den Kabauter" und den Struwwelpeter, die sich auf eine Reise begeben, um die hübschesten Frauen der Welt zu finden. Oh Wunder: Am Ende werden sie nirgends anders als in Hüls fündig.

Eine eher klassische Büttenrede hält der Breetlookman Stefan Erlenwein. In lauchgrünem Hosenanzug und passender Kopfbedeckung stellt er sich für das Wahljahr 2017 als Kandidat der Partei BfD- "Breetlook für Deutschland", vor. Er verlangt Mut zur Zufriedenheit statt Mut zur Wahrheit. In Zukunft soll es heißen "Breetlook first. We make Germany breet again".

Im großen Finale tanzen schließlich die Leichen im Keller des Rathauses, und für das Örtchen Hüls interessiert man sich jetzt auch im orientalischen Raum. Ein Scheich kommt zu Besuch um sich von der Schönheit von Hüls zu überzeugen und in Immobilien zu investieren. Darauf ein dreifaches Breetlook!

(RP)