Krefeld: Die bunte Welt der Barbara Freundlieb

Krefeld: Die bunte Welt der Barbara Freundlieb

Seit einem Jahr ist Barbara Freundlieb Mitglied der GKK. Ab heute Abend stellt sie sich im Kunstspektrum mit einem Querschnitt ihrer Arbeiten vor. Ihre Bilder sind virtuos, poetisch und lassen die Naturwissenschaftlerin erkennen.

Wenn die Wasserfarben das Papier des Zeichenblocks wellten, war Barbara Freundlieb schon bedient. Zu Schulzeiten hat sie Malen gehasst. Lieber waren ihr filigrane Zeichnungen mit Bleistift. Aber um den Weg der Künstlerin einzuschlagen, reichte ihre Begeisterung nicht. Also hat sie sich für ein Biologiestudium eingeschrieben, 1988 an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität promoviert und ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin ans Forschungszentrum Jülich gegangen. Doch der Wunsch, sich künstlerisch ausdrücken zu können, forderte immer mehr Raum. Als sie sich nach der Familienzeit beruflich neu aufstellte, hat sie sich entschieden: Seit 1997 belegte sie Intensivkurse an diversen Kunstakademien. Sie illustrierte Schulbücher und Gedichtbände und entwickelte sich stetig weiter. Sie gehört zur Künstlergemeinschaft Atelier Pausenhof an der Marktstraße.

Im vergangenen Jahr hat die Gemeinschaft Krefelder Künstler (GKK) die 55-Jährige aufgenommen. Im Kunstspektrum an der St.-Anton-Straße stellt sie sich ab heute mit Arbeiten aus den vergangenen fünf Jahren vor. Es ist ein Querschnitt, der Freundlieb als Zeichnerin zeigt, den Humor der Kinderbuchillustratorin spiegelt und eine Malerin entdecken lässt, in deren Bildern sich auch die Handschrift der Naturwissenschaftlerin findet.

Beispiel Bild No.1611. Nur ihre frühen Arbeiten hat Barbara Freundlieb mit Titeln versehen, seit einigen Jahren werden sie fast immer nur nummeriert. "Titel lenken den Betrachter. Er sucht dann in Bildern, was der Name vorgibt, und ist enttäuscht, wenn er es nicht findet. Ich habe als Künstlerin mein Ziel erreicht, wenn Betrachter etwas entdecken." In No. 1611 sind es ganz offensichtlich Zellstrukturen. An bunte Nuclei erinnern die Farbkumulationen auf weißem Untergrund. In der oberen Etage sind Quallen virtuos auf die Leinwand gebracht. Der gallertartige Körper hat eine eigenartige Schönheit, die in der wissenschaftlichen Bezeichnung "Medusa" mitklingt. Ihre Tentakel schlängeln sich in feinen Farbfäden, verbinden sich zu Nestern, die ein Geheimnis bergen könnten.

Wenn sich die Fantasie vor ihren Bildern verselbstständigt, ist Barbara Freundlieb zufrieden. Ihr geht es beim Malen oft ähnlich. Immer wieder tritt sie von der Staffelei zurück, schaut, was auf der Leinwand passiert, lässt Zufälle wie Laufspuren der Farbe zu. Wenn sie Großformate malt, hat sie immer nur einen Teil des Bildes im Blick. Dann hilft der Abstand, das Ganze zu begreifen. Nicht immer malt sie nur aus dem Bauch heraus mit breitem Pinsel frei auf der Leinwand. Oft findet sie Inspiration in der Natur, schießt mit dem Handy ein Foto als Erinnerungsstütze, entwirft dann eine Skizze, von der sie sich beim Malen allerdings wieder löst. Solche Skizzen zeigt sie ebenfalls in der Ausstellung. Es sind kleine Etüden, Fingerübungen, in denen sie mit dem Bleistift ohne abzusetzen Formen und Figuren erfasst. Die 1:1-Wiedergabe ist nicht Freundliebs Sujet. Ihre Bilder sind Erinnerungen an Landschaften, die sich manchmal bunt und überbordend, manchmal ganz poetisch in der Wahrnehmung des Betrachters aufbauen. Wie in "Hombroich" - ihrem ersten Großformat: Baumstämme und Wasserspiegelungen lassen sich erahnen. Bei jeden Schritt näher ans Bild, scheinen sich die gewohnten Strukturen aufzulösen. Das Auge verliert seinen Fixpunkt. Die Fantasie beim Schauen ist gefragt. Dass Freundlieb sich durchaus auch festlegt in den Aussagen ihrer Bilder, zeigt der Zyklus "Begegnungen". Angeregt durch den französischen Journalist Yann Arthus-Bertrand, der für seinen Dokumentarfilm "Human" 2000 Menschen aus 60 Ländern interviewt hat und ihre Geschichten in Verbindung mit hochauflösenden Landschaftsaufnahmen verbindet, hat die Krefelderin angeregt zu Porträts von bekannten und unbekannten Zeitgenossen. In den Zügen eines jüdischen Intellektuellen oder eines selbstbewussten indigenen Afrikaners lassen sich Lebensgeschichten lesen - ebenso in einem Porträt von Loriot.

Zur bunten Welt der Barbara Freundlieb gehören auch filigrane Tuscheporträts auf Seiten aus medizinischen Fachbüchern und immer wieder auch witzige kleine Skulpturen, die eine aus der Kindheit herübergerettete Freude an Eigenarten offenlegen.

Vernissage heute, 20 Uhr, Kunstspektrum der GKK, St.-Anton-Straße 90. Zu sehen bis zum 10. Februar. Öffnungszeiten: mo. und do, 16 bis 20 Uhr, sa. 11 bis 14 Uhr.

(RP)