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Krefeld: Die besten Vorleser und ihre Bücher

Krefeld : Die besten Vorleser und ihre Bücher

Harry Potter und Pippi Langstrumpf bleiben im Regal. Die magischen Helden und starken Mädchen sind heute kämpfende Katzen und erblindete Teenager. Beim Vorlesewettbewerb stellten 18 Schüler ihre Lieblingslektüre vor.

Patrick Süskind lädt die Leser ein in jene Zeit, "als ich noch auf Bäume kletterte", und macht sie bekannt mit der "Geschichte von Herrn Sommer", einem merkwürdigen Zeitgenossen, der bei jedem Wetter im Tempo eines Gehetzten und mit leerem Rucksack wandert - von Dorf zu Dorf und durch die Alpträume eines kleinen Jungen. Der seltsame Herr Sommer war nicht die einzige Figur, die den Zuhörern in der Mediothek gestern Nachmittag wohlige Schauer leichten Grusels den Rücken herunterjagten. Geister, Dämonen und magische, sprechende Tiere standen ganz oben auf der Liste der liebsten Bücher junger Krefelder Leser.

Beim Stadt-Vorlesewettbewerb traten die besten Vorleser von 18 Krefelder Schulen an. Für die Jury war die Entscheidung nicht einfach. Sie bewertete, wer seinen Text am besten las, betonte, ausgewählt hatte und ihn kurz und knackig vorstellen konnte. Nach einem Stechen stand nach fast drei Stunden die Siegerin fest: Joline Marie Leppkes. Sie tritt nun für Krefeld beim Regionalwettbewerb an, der voraussichtlich im März in Duisburg stattfindet.

Platz 2: Pauline Drees mit "Liliane Susewind - Giraffen übersieht man nicht". Foto: Schaulandt Oliver

Seit 1959 richtet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Zusammenarbeit mit Schulen, Buchhandlungen, Bibliotheken und Kulturinstituten den Vorlesewettbewerb aus. Es ist der größte bundesweite Wettbewerb, an dem sich jährlich 600.000 Sechstklässler beteiligen. 7000 Schulen haben in den vergangenen Wochen ihre besten Vorleser ermittelt, in Krefeld haben sich 18 beteiligt. Die Schirmherrschaft hat traditionell der Bundespräsident. Mit ihrem Lieblingsbuch treten die Kinder zunächst jeweils in ihren Schulen an, die besten lesen dann beim Stadtentscheid vor. Welche Bücher sie wählen, ist ein Indikator für die Zeit. Es sind Geschichten zwischen W-Lan und Trostkakao, zwischen kämpfenden Katzen und aus dem Himmel stürzenden Göttern, die in Mülltonnen landen. Harry Potter hat allerdings einen Bart. Und Pippi Langstrumpf keine Zugkraft. Gefragt sind bei den Zwölfjährigen magische Helden, die an Dämonen-Akademien studieren, sich selbstbewusst in der Wildnis durchschlagen oder mit der Klavierlehrerin um die Fis-Taste kämpfen. Oder starke Mädchen, die sich in Krisen bewähren müssen. Leonie ist so eine Heldin. Sie ist 15 und zum ersten Mal verliebt, als ein Unfall ihr Leben aus der Bahn wirf: Sie erblindet. Eine sehr berührende Geschichte las Angelique Stolzenberg in "Der verlorene Blick".

Doch meist ging es heiter zu, und mancher im Publikum holte sich einen Tipp fürs nächste Wunschbuch. Ein Favorit ist sicher eines, das erst am 26. Februar erscheint. Carsten Mennenöh, der den Krefeld-Wettbewerb organisiert hat, wählte als "fremden Text", den die Regeln für ein Stechen vorsehen, "Die Trabbeldrillinge" von Anja Janotta. Weil eineiige Drillinge höchst selten sind, sind Franka, Vicky und Bella Celebrities - und so berühmt, dass ihre Mutter mit ihnen aufs platte Land flüchtet. Es ist der Anfang einer Abenteuerserie. Nicht nur die Mädchen im Publikum lachten.

(RP)