Session 2018: Die Band, die nur an Karneval spielt

Session 2018: Die Band, die nur an Karneval spielt

Fred Kellner - so heißt nicht ein einzelner Künstler, sondern jedes Mitglied der Truppe. Alle Jahre wieder machen die Kellners Revue in der Kulturfabrik. Jetzt werden sie 30. Annäherungen an ein Phänomen.

Fred Kellner feiert Bühnenjubiläum - 30 Jahre, das heißt schon was. Für diejenigen, die diese sonderbare Band schon kennen, die traditionell um Karneval in Krefeld aufschlägt, sei gesagt, auch diesmal ist fast alles wie immer. Für Neulinge in der Show-Welt Fred Kellners eine kurze Charakterisierung des Phänomens:

Fred Kellner gibt es nicht nur einmal. Nein, es gibt ihn so oft, wie die Band Mitglieder hat. Die Soul- und Funkband rund um den Bassisten Ralf Günther (übrigens Mitgründer der Produktionsfirma Brainpool) machte sich von Anbeginn in den 1980er Jahren an einen Spaß daraus, mit dem einprägsamen Namen "Fred Kellner" zu spielen. Alle Bandmitglieder tragen bei Auftritten das gleiche Pseudonym, werden bei den im 70er Stil funkelnden Shows mit viel Brimborium immer wieder angesagt, als käme gleich der absolute Höhepunkt des Abends.

Gleichfalls ein Markenzeichen der Band: Sie existiert wirklich nur rund um Karneval, wenngleich sie keine großen Schnittpunkte mit karnevalistischen Inhalten hat. Dann wären da die Bläsersektion "The Horny Horns", die drei Geigerinnen "The SuperSonic Silver Strings" und die famosen "Soulsisters" (die Schwestern Anke und Susanne Engelke). An diesem Abend in der Kufa war der Band eine der beiden Soulsisters abhandengekommen. Nur Susanne Engelke heizte in souliger Stimmung mit. Dafür warteten die Kellners mit den "Wonderwomen der Soulmusik" auf - zwei farbige Sängerinnen, die mit ihren Stimmen den Sound der Band noch zusätzlich würzten. Das Publikum ging bei jeder Nummer mit. Selbst dem fürs Showrepertoire eher ungewöhnlichen "Lady Marmalade" verpasste die Truppe den typischen Bandsound - und wurde dafür gefeiert.

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War das Konzert an Altweiber nun eher eine Altweiberparty oder doch ein Hochfest des Soul und Funk? Nun, wohl je nach Perspektive. Genügend kostümierte Karnevalisten gab es an dem Abend schon in der Kulturfabrik, wobei auch einige Kostümmuffel ihren Weg in die Location gefunden hatten - wahre Fans von Fred Kellner, denen es mehr um die Musik als um das Drumherum ging? Überfüllt war die Kufa nicht, sollte es im Anschluss an das Konzert doch noch eine Party mit 70er Funk/Soul/Disco steigen.

Recht schön skurril ist das Ganze indes schon. Wobei die musikalische Qualität ohne jeden Zweifel für ein absolut ernsthaftes Niveau spricht. Die Klassiker aus dem Spektrum zwischen Soul und Funk glänzen vor spritzigem Sound. Hier spielt eine Band, die sich mehr oder minder blind vertrauen kann, souverän und routiniert. Das breite Lächeln wirkt professionell, genauso professionell wie die auf den Punkt gespielten Songs.

Am Ende stand vor allem eines fest: Es war ein souliger Abend, bei dem im Publikum alle sehr viel Spaß hatten.

(RP)