109 Jahre Krefelder Tradition enden: Die Bäckerei Krocker schließt

109 Jahre Krefelder Tradition enden: Die Bäckerei Krocker schließt

Im Jahre 1909 eröffnete Hermann Janssen seine Bäckerei auf der Martinstraße im Südbezirk. Seine Enkelin Resi Krocker betreibt das Geschäft bis heute. Am Samstag geht die 83-Jährige in Ruhestand.

Von ihren Stammkunden wird Resi Krocker liebevoll "Oma" genannt. Und auch umgekehrt sind ihr die Menschen, die regelmäßig in ihre Bäckerei kommen sehr wichtig. Das lange Stehen fällt der 83-Jährigen allerdings zusehends schwer und so entschloss sie sich schweren Herzen, das Geschäft nun zu schließen. Am morgigen Samstag öffnet die Bäckerei Krocker auf der Martinstraße im Krefelder Südbezirk letztmals. Dann wird es für die treuen Kunden, die vorbei schauen, ein Gläschen Sekt, eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen geben.

Für die Geschäftsinhaberin geht dann ein Lebensabschnitt zu Ende, der tatsächlich ihr ganzes Leben andauert. Das Geschäft wurde im Jahre 1909 von ihrem Großvater eröffnet. Hermann Janssen verkaufte noch allerlei Dinge, wie es damals in Bäckereien üblich war. Die Backwaren bedeuteten lange vor dem Aufkommen von Supermärkten nur einen Teil des Sortiments. Den ersten Weltkrieg mit den resultierenden Versorgungsengpässen überstand der Laden ebenso, wie den folgenden zweiten Weltkrieg. Diesen erlebte die Geschäftsinhaberin bereits selbst mit. "Als die Amerikaner kamen, haben sie uns aus dem Haus geworfen. Wir durften nicht in der Wohnung bleiben. Nur die Backstube und das Ladenlokal durften wir betreiben. Wir mussten das Brot außen herum über die Straße in den Laden bringen", erinnert sie sich. Die private Küche der Wohnräume liegt hinter dem Verkaufsraum und vor der Backstube.

So sah es im Ladenlokal Anfang der 60er aus. Es erinnerte eher an einen Gemischtwarenladen. Das Aufkommen von Supermärkten änderte das. Foto: Fam. Krocker
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Der Vater hatte gute Verbindungen zu örtlichen Mühlen, so konnte er auch in der Zeit des Mangels nach dem Krieg Mehl für Brot bekommen. Im Aufschwung wuchs auch der Laden, der im Krieg wie durch ein Wunder unversehrt geblieben war, stetig. Viele unterschiedliche Waren fanden wieder Platz in der Auslage. "Wir haben Zucker, Marmelade oder Fett in großen Eimern gehabt und abgewogen", berichtet die zukünftige Ruheständlerin.

Die Bäckerei Krocker kurz nach der Gründung 1909, damals noch unter dem Namen Janssen. Links der Gründer mit seiner Familie. Foto: Fam. Krocker (2)

Mit dem Aufkommen von Supermärkten beschränkte sich das Sortiment mehr und mehr auf Backwaren. Der Sohn Holger wurde ebenfalls Bäckermeister und lernte beim Vater. Im Jahr 1996 eröffnete er eine eigene Bäckerei auf der Forstwaldstraße, von der aus er das elterliche Geschäft mit Backwaren beliefert. Seine Frau ist Konditorin. Ein Zufall, der in der Familie Tradition hat. "Ich wollte nie einen Bäcker heiraten", berichtet Resi Krocker lachend. "Am Ende wurde es doch einer. Bei meiner Mutter war es bereits so. Und auch mein Sohn hat eine Konditorin abbekommen. Es ist fast ein netter Familienfluch", fährt sie mit einem Schmunzeln fort. Die Enkelkinder schlagen andere Wege ein. Ob sie den Stab übernehmen steht noch in den Sternen. "Sie sollen aber auch nicht unbedingt Bäcker werden. Meine Kinder sollen ihren Weg gehen. Ich hatte die Chance auch und wollte selbst den Beruf ergreifen", erzählt Sohn Holger. Er führt die Tradition zunächst an anderem Ort, eben auf der Forstwaldstraße, fort. Und vielleicht heiraten die Kinder ja auch noch Bäcker oder Bäckerinnen. Der "Familienfluch" der Heirat im Beruf besteht ja bislang. Möglich ist also, dass noch eine lange Tradition folgt.

(RP)
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