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Heino Trusheim: Die Angst der Comedians vor dem Mikro

Heino Trusheim : Die Angst der Comedians vor dem Mikro

Einmal im Monat wird die Kulturfabrik zur Bühne für Stars und Newcomer der rheinischen Stand-Up-Szene. Auch heute.

Heute Abend wird die Kufa-Bühne wieder zum Experimentierfeld. Das Prinzip ist klar: Zehn bis zwölf Stand-Up-Comedians, jeder hat sieben Minuten, dazu ein Moderator. Stars und Newcomer der rheinischen Stand-up-Comedyszene teilen sich beim "I Love Stand Up - Open Mic" in der Kulturfabrik zwei Stunden lang das Mikro und testen neue Gags. Das Set-up ist pur: ein Mikro, ein Hocker, ein Stativ. Die Performance: keine Puppen, keine Instrumente, keine Verkleidungen. Ein Gespräch von Philipp Ketteler, Marketingverantwortlicher der Kulturfabrik, mit Moderator und Organisator Heino Trusheim.

Seit 2015 veranstaltest Du das I Love Stand Up - Open Mic in der Kufa, und das mit großem Erfolg. Damit hat es für Dich persönlich aber nicht angefangen. Seit wann machst Du Stand Up?

Heino Trusheim Mein erster "guter" Auftritt war 2001.

Wie kamst Du dazu?

Trusheim Ich war 31 und wollte eigentlich Schauspieler oder Liedermacher werden, was beides aufgrund fehlenden Talents außerhalb jedweder Realität stand. Zu der Zeit kellnerte ich im Buddy Holly Restaurant und der Gastroleiter meinte irgendwann: "Mach doch Stand Up Comedy!"

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Wann kam Dir die Idee zu I Love Stand Up?

Trusheim Irgendwann meinte der Komiker und Autor Oliver Polak zu mir: "Ich weiß wie dein Comedy Label heißt: I Love Stand Up." Ich hörte den Namen und ich wusste sofort, das ist der richtige Name für den nächsten Comedy-Konzern. Weil er genau ausdrückt, wie ich und alle, die bei I Love Stand Up arbeiten, zu Stand Up Comedy stehen: Wir lieben es. Wenn die Gagen kommen.

Beschreibe doch bitte kurz das Format.

Trusheim Das Format nennt sich Open Mic. Das habe ich nicht erfunden, das gibt es schon lange auf der ganzen Welt. Zehn Comedians testen zwei Stunden lang neue Gags. Jeder hat sieben Minuten. Das Publikum weiß nicht, wie der Auftritt des Comedians wird, er selber weiß es auch nicht. Es herrscht auf beiden Seiten eine gewisse Spannung. Man könnte auch sagen: Angst.

Damit hast Du in Hamburg angefangen?

Trusheim Ja, in einer kleinen Bar in Hamburg, wir hatten fünf Comedians und acht Zuschauer. An guten Tagen.

Und dann kam Krefeld?

Trusheim Genau.

Warum Krefeld?

Trusheim Weil ich in Moers aufgewachsen bin und Krefeld mit zu meiner Heimat gehört. In der Kufa war ich öfter aufgetreten, und ich hatte mit den zuständigen Personen von der Kufa länger schon über eine regelmäßige Show geredet.

Dann haben wir Nägel mit Köpfen gemacht und die erste Show mit 90 Zuschauern hingelegt. Machst Du noch weitere I Love Stand Up Shows in anderen Städten?

Trusheim Nein.

Die meisten Shows hier sind ausverkauft.

Trusheim, Ja, das ist fantastisch. Wir hatten von Anfang an gut besuchte Shows und seit gut einem Jahr ist sie eigentlich jedes Mal ausverkauft.

Ich habe gehört, dass schon häufiger Gäste nach Hause gehen mussten, weil die Shows restlos ausverkauft waren.

Trusheim Ja, das tut mir jedes Mal total leid. Ich komme mir immer vor wie der Türsteher einer Nobeldisco: Du nicht. Du auch nicht. Du... auch nicht. Aber es geht leider nicht anders.

Wird es Zeit für das nächste Level?

Trusheim Ich habe mit den Leuten von der Kufa schon länger darüber gesprochen, den nächsten Step zu einer großen Show zu gehen. Mit dem Publikum übrigens auch. Jahrelang. Die dachten irgendwann: Ja, verdammt, wann denn endlich? Aber alles braucht seine Zeit. Man darf nicht vergessen: In das Open Mic passen 130 Zuschauer in die große Halle 450. Und wir wollen unserem Namen Ehre machen.

Wie wird es mit I Love Stand Up weitergehen? Was ist geplant?

Trusheim Das Ziel von I Love Stand Up war und ist, das Niveau und die Ethik von Stand Up Comedy in Deutschland auf das der amerikanischen und englischen Comedians zu heben. Auf diesem Weg befinden wir uns. Wenn das weiter so gut läuft, werden wir für das nächste ,Best of' die Lanxess-Arena und das Berliner Olympiastadion mieten, machen eine Simultanshow und lassen die Kanzlerin per Gleitschirm einfliegen. Ist nur 'ne Idee... Aber das Open Mic geht auf alle Fälle unverändert weiter: immer am zweiten Dienstag jeden Monats.

TERMIN: HEUTE UND JEDEN ZWEITEN DIENSTAG IM MONAT, JEWEILS AB 19 UHR IN DER KULTURFABRIK, DIESSEMER STRASSE 13.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hatte es geheißen, Philipp Ketteler sei Vorstand der Kulturfabrik. Das war nicht korrekt, vielmehr ist er Marketingverantwortlicher der Kulturfabrik. Wir haben den Artikel korrigiert.

(RP)