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Krefeld: Die Angeklagte war im Haus des Mordopfers

Krefeld : Die Angeklagte war im Haus des Mordopfers

Die Aussage der 53-Jährigen führte die Polizei auf die Spur von zwei Verdächtigen im Mordfall Werner L.

Das Landgericht Krefeld hat den Prozess wegen Raubmordes an dem Rentner Hans Werner L. fortgesetzt, der im Oktober in seiner Wohnung getötet worden war. Die Staatsanwaltschaft hat fünf Personen wegen Mordes in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge angeklagt. Weitere Polizeibeamte wurden jetzt als Zeugen vernommen. Nach ihren Aussagen hat die Angeklagte Iwona G. sie auf die Spur von zwei Verdächtigen geführt.

Im Januar hatten die Beamten die 53-Jährige abgeholt und zu der Krefelder Hauptwache gebracht. Die Frau hatte sich bereit erklärt, Angaben zu machen, schilderte ein Zeuge: "Allerdings legte sie wert darauf, dass das auch von der Staatsanwaltschaft honoriert wird." Als man ihr das Fahndungsplakat zeigte, habe sie gesagt, dass sie etwas über den Mord sagen wolle. Sie könne zwar nicht lesen, wisse aber, worum es auf dem Plakat gehe. Sie selber habe damit keinesfalls etwas zu tun, gab die Krefelderin zunächst an. Sie kenne das Opfer nicht einmal vom Sehen und sei auch nie in dessen Wohnung gewesen. Sie wisse aber, dass zwei Brüder beteiligt waren, die sie von einem Kiosk kenne.

Die Angeklagte führte die Polizeibeamten zu ihrer Wohnung auf der Marktstraße. Das sei schon ein wertvoller Hinweis gewesen, schilderte der Ermittler. Es habe zwar Spuren mehrerer Beteiligter am Tatort gegeben, die hatte man zuvor aber nicht alle zuordnen können. Das sei erst durch die Angaben der 53-Jährigen möglich gewesen. Auf die Frage, woher sie wusste, dass die Brüder am Tatort waren, sagte sie, die hätten es ihr erzählt. Erst später räumte sie ein, ebenfalls in dem Haus des späteren Opfers gewesen zu sein. Die Brüder hätten sie gefragt, ob sie helfen könnte, in das Gebäude zu gelangen. Es gehe darum, Schulden bei einem polnischen Landsmann einzutreiben. Sie habe nicht weiter nachgefragt aber auch kein Geld für ihre Hilfe erhalten. Sie wisse auch nicht, ob es überhaupt an dem Tattag war, als sie im Erdgeschoss der Wohnung klingelte, um von einer Mieterin in den Hausflur gelassen zu werden. Auch die beiden Brüder und ein weiterer Mann seien dort gewesen. Sie selber beteuerte, sofort wieder gegangen zu sein. Geld habe sie für ihre Hilfe nicht erhalten.

Der Tod des Rentners Hans Werner L. im Oktober 2016 war besonders grausam gewesen. Die Täter hatten den 79-jährigen Krefelder erst geknebelt, dann dessen Kopf mehrfach mit Klebeband umwickelt. Lediglich an der Nasenöffnung habe es eine kleine Aussparung gegeben, stellten die Ermittler später fest. Zu klein, um zu atmen und zu klein, um zu überleben. Stattdessen eher geeignet, den Todeskampf zu verlängern.

(RP)