Krefeld: Diagnose: Gebrochenes Herz

Krefeld: Diagnose: Gebrochenes Herz

Die Symptome gleichen denen eines Herzinfarkt: Schmerzen in der Brust, die bis in den Arm strahlen, Übelkeit und Angst. Doch bei etwa zwei Prozent der Patienten ist es kein Infarkt, sondern das so genannte Broken-Heart-Syndrom.

Es ist Thema in Hollywood-Schnulzen, Song-Texten oder Liebesromanen: das gebrochene Herz. Doch auch die Kardiologen am Helios Klinikum Krefeld beschäftigen sich mit diesem Phänomen. Seit wenigen Jahren ist eine Funktionsstörung des Herzens bekannt, die als "Broken-Heart-Syndrom" bezeichnet wird. Anfänglich ähneln alle Symptome denen eines Herzinfarkts – doch es ist keiner.

Es war bereits Abend, als sich der Besuch verabschiedete. Ingeborg Weiss machte sich einen Tee und wollte zu Bett gehen. Als sie den ersten Schluck trank, spürte sie einen stechenden Schmerz in der Magengegend. Ihr wurde übel, sie bekam Rückenschmerzen. Ihr Mann wollte den Notarzt rufen, doch die 83-Jährige hielt ihn ab: "Der Tee war nur zu heiß. Extra wegen mir den Notarzt rufen, das ist nicht nötig."

Alle Gefäße intakt

Ein fataler Fehler. Nach einer unruhigen Nacht wachte Ingeborg Weiss völlig kraftlos und mit Schmerzen im Brustbereich auf. Sie musste zum Arzt. Weil die Rentnerin über die typischen Symptome wie Schmerzen in der Brust mit Ausstrahlung in die Arme und Angst klagte, stellten die Ärzte dringenden Verdacht auf einen Herzinfarkt. Sofort wurde eine Herzkatheteruntersuchung gemacht. Das Ergebnis überraschte: Verstopfte Herzkranzgefäße – normalerweise Auslöser für einen Herzinfarkt – konnten bei ihr nicht feststellt werden. Im Gegenteil: Alle Gefäße waren intakt und gut durchblutet, es gab weder Engstellen noch Ablagerungen. Trotzdem pumpte der gesamte Bereich der Herzspitze nicht mehr.

"Uns war schnell klar, dass es sich hier um das "Broken-Heart-Syndrom", auch Stress- oder Tako-Tsubo-Kardiomyopathie genannt, handelt. Dieses Phänomen tritt bei ein bis zwei Prozent aller vermeintlichen Herzinfarkte auf", sagt Dr. Friedhelm Späh, Leitender Oberarzt der Medizinischen Klinik I. "Die Symptome gleichen denen eines Herzinfarktes und treten oft nach starker Aufregung oder bei extremem, oft emotionalem Stress auf."

Nach der Menopause

Ursache ist eine Verkrampfung der Gefäße, bedingt durch eine erhöhte Konzentration von Stresshormonen im Blut und einen Mangel an Östrogenen, etwa nach der Menopause. Dadurch werden die Muskelfasern geschockt und arbeiten nicht mehr.

Besonders häufig betroffen sind ältere Frauen, wie Ingeborg Weiss. Die Rentnerin hat zudem eine aufwühlende Zeit hinter sich: "Mein einziger Sohn lag neun Wochen im Koma. Dass ich in dieser Zeit wegen starker Beinschmerzen im Krankenhaus war und ihn nicht besuchen konnte, hat mich sehr belastet." Nach der Diagnose "Broken-Heart-Syndrom" bekam die Krefelderin ein Mittel zur Entspannung der Adern und zur Senkung des Cholesterinspiegels. "In den nächsten Wochen muss sich das Herz erholen. Aber die Chancen auf vollständige Heilung sind gut. Im Gegensatz zum Herzinfarkt haben sich die Muskelfasern in der Regel bereits nach sechs Monaten regeneriert", sagt Späh.

(RP)