Krefeld: Deutschlands Motorrad-Guru arbeitet in Krefeld

Krefeld : Deutschlands Motorrad-Guru arbeitet in Krefeld

Jochen Schmitz-Linkweiler beschäftigt in seiner Firma LSL Motorradtechnik 25 Angestellte und verschickt seine eigenen Entwicklungen rund um den Globus. Zum 30-jährigen Bestehen stellte er in Köln die Kawasaki LSL Z1000 Custom vor.

Dass er einmal in der Biker-Szene einen Ruf als Deutschlands Motorrad-Guru bekommen sollte, war für Jochen Schmitz-Linkweiler vor 30 Jahren nicht abzusehen. Der Ingenieur für Fahrzeugtechnik eröffnete 1984 im benachbarten Meerbusch eine Werkstatt, um Serienmotorräder nach individuellem Geschmack umzubauen. "Ich hatte keine Ahnung und wenig Geld sowie vier Motorräder", berichtet der 58-Jährige. Demzufolge kündigte er drei Monate später seine Wohnung und zog in die Werkstatt, um die Miete zu sparen.

So sieht die Originalversion der Kawasaki Z1000 Custom des japanischen Motorradherstellers aus. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Schmitz-Linkweiler war schon damals viel zu sehr Realist, um seinen Traum aufzugeben. Also verschaffte er sich ein zweites Standbein. Er wurde Vertragshändler von Kawasaki, später von Harley Davidson in Krefeld - genauer: zunächst an der Kölner Straße 78, dann an der Hauptstraße 406.

Doch schon bevor er die beiden Betriebsbereiche Handel und Entwicklung sowie die Produktion eigener Motorradtechnik unter der Marke LSL (Lenksysteme Schmitz-Linkweiler) 1998 wieder trennte, horchte die Szene mehr als einmal auf. Für Harley-Davidson entwickelte er das Sondermodell The Chaplin und stellte das Zweirad auf der Essener Motorshow vor. Dazu musste sich der Tüftler das Einverständnis der sieben Kinder von Carlie Chaplin einholen. "Die waren begeistert", erinnert sich Schmitz-Linkweiler. Von The Chaplin entstand eine limitierte Auflage von lediglich elf Motorrädern.

Den wirtschaftlichen Durchbruch erzielte der 58-Jährige mit eigenen Lenkern, die den Serienfahrzeugen einen höheren Komfort und eine bessere Optik verleihen. Das er solche Entwicklungen in Zusammenarbeit mit dem Tüv zur Produktionsreife vorantrieb, sollte später gesetzlicher Standard in Deutschland werden. Heute verkauft LSL Motorradtechnik weltweit 100 Lenker am Tag. Zum Sortiment gehören auch verstellbare Fußrasten, Brems- und Kupplungshebel, diverse Spoiler, Sitzbänke, Crashpads und vieles mehr. Der Jahresumsatz beträgt aktuell rund vier Millionen Euro.

Schmitz-Linkweiler beschäftigt in Krefeld 25 Festangestellte - darunter Ingenieure, Meister und Techniker in der Werkstatt, in der die Prototypen entstehen. Der Ruf des stillen und bescheidenen Geschäftsmanns, Ingenieurs und Entwicklers ist in der Branche tadellos. Beispiel: Ein international bekanntes Unternehmen wie der Hersteller Kawasaki stellt dem in Meerbusch lebenden Krefelder Unternehmer die neusten Maschinen noch vor der weltweiten Premiere zur Verfügung, damit der 58-Jährige parallel aus dem kraftvollen und bulligen asiatischen Typ eine schlankere und elegantere europäische Variante bauen kann. "Kawasaki hat ein sehr großes Vertrauen", sagt Schmitz-Linkweiler.

Anfang des Monats war der Firmenchef auf der Internationalen Motorrad-, Roller- und E-Bike-Messe Intermot in Köln vertreten, um im Scheinwerferlicht die Kawasaki LSL Z1000 Custom zu präsentieren. Allein die Umbauten schlagen mit rund 6000 bis 7000 Euro zu Buche. Derzeit wird die Maschine für einen guten Zweck im Internet versteigert.

40 Prozent der LSL-Motorradtechnikteile gehen in den Export. Frankreich ist für die Krefelder Firma der größte Markt. Auch in den USA werden nennenswerte Umsätze gemacht. Stark im Kommen sei Asien mit Indonesien, Hongkong und Taiwan. "Die Teile werden im Auftrag von LSL von der Industrie produziert und in eigener Montage zusammengebaut, ehe sie an Händler rund um den Globus verschickt werden.

"Mein Prinzip ist die Verwirklichung des Wunsches nach Individualität. Davon lebe ich", sagt Schmitz-Linkweiler. Er gibt den Serienmaschinen einen eigenen, unverwechselbaren Pfiff. Und der Trend halte an. Viele junge Leute entdeckten wieder ihre Begeisterung fürs Motorradfahren und auch die Gruppe der 50- bis 70-jährigen Wiedereinsteiger dränge nach vorne.

(RP)
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