Deutsche Bahn Fahrzeuginstandhaltung in Krefeld rüstet sich für ICE4-Auftrag

Wirtschaft: DB-Instandhaltung rüstet sich für ICE4-Auftrag

Die DB Fahrzeuginstandhaltung in Oppum ist mit rund 1000 Beschäftigten einer der großen Arbeitgeber in Krefeld. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Otto Fricke machte sich ein Bild über die Arbeit dort und die Zukunftschancen.

Der Standort Krefeld hat Tradition: Seit 1892 werden in Oppum an der Breitenbachstraße Eisenbahnen repariert. Hinter historischen Fassaden verbirgt sich heute hochmoderne Technik. Schon jetzt bereiten sich die rund 1000 Mitarbeiter auf die nächste Aufgabe vor — die Wartung und Generalüberholung des ICE 4. „Wir sind das Werk, das die Reputation hat, dies zu können“, sagte Thomas Ludwig, Leiter Technik Kompetenzcenter der Deutschen Bahn Fahrzeuginstandhaltung GmbH Werk Krefeld, bei einem Besuch des Bundestagsabgeordneten Otto Fricke (FDP) in der Reihe Schichtwechsel der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein mit Sitz am Nordwall.

Das Besondere an dem erwarteten Auftrag der Deutschen Bahn Fernverkehr besteht darin, dass der ICE 4 derzeit nur wenige Kilometer entfernt in Uerdingen bei Siemens für die Deutsche Bahn für mehrere Milliarden Euro gebaut wird. Es sind erst ganz wenige Exemplare im Dienst. Der Umstand, dass Ludwig und seine Kollegen schon jetzt Vorbereitungen treffen, zeigt wie groß der Vorlauf für solch ein Vorhaben ist.

Um den Wartungsauftrag für den ICE 4 tatsächlich nach Krefeld zu holen, müssen unter anderem Gleise auf dem gut 200.000 Quadratmeter großen Gelände erweitert werden. Dazu muss unter anderem eine Genehmigung des Eisenbahnbundesamtes eingeholt werden. Die aus sieben beziehungsweise zwölft Wagen bestehenden Hochgeschwindigkeitszüge fahren über das öffentliche Schienennetz aufs Krefelder Werkgelände, um dort auseinandergekoppelt und in der so genannten ICE-Halle einzeln überholt und anschließend wieder zusammengesetzt zu werden.

Thomas Ludwig ist der Technische Leiter des DB-Werks in Oppum. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

In Deutschland gibt es zwölf Fahrzeuginstandhaltungswerke der Deutschen Bahn. Die Zuständigkeiten sind nicht nach Regionen, sondern nach Produkten aufgeteilt. Krefeld ist neben Nürnberg der einzige Standort, der auf die Reparatur und Wartung von Elektrischen Triebzügen bestimmten Baureihen sowie der ICE-Flotte von ICE 1 bis vielleicht demnächst ICE 4 spezialisiert ist. Gerade erst hat das Unternehmen den Auftrag erhalten, sich für die Hauptuntersuchung an der ICE-3-Flotte der Baureihe 407 fit zu machen (wir berichteten). „Wir stehen im Wettbewerb“, sagte Ludwig. Die Zeiten, als die Bahn gleichsam automatisch ihre Tochter mit der Generalüberholung ihrer Züge beauftragte, sind vorbei. Auch die Hersteller Alstom und Siemens sind unter anderem in der Branche unterwegs. Ab einer bestimmten Höhe werden die Aufträge öffentlich ausgeschrieben.

Bundestagsabgeordneter Otto Fricke besuchte das DB-Werk in Oppum. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)
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Die Vorlaufzeit für eine neues Produkt betrage eineinhalb bis zwei Jahre, berichtete Ludwig. Man müsse sich auf die Kundenwünsche einstellen, Arbeitspläne erstellen, Infrastruktur anpassen und Personal qualifizieren. Falls alles wie gewünscht verlaufe, werde 2021 der erste ICE 4 in Oppum für die erste Hauptuntersuchung zugeführt, erklärte er.

Der Krefelder Jurist und Bundestagsabgeordnete Fricke zeigt eine imponierende Sachkenntnis. Die kommt nicht von ungefähr. Sein Großvater Otto (der Vorname taucht seit sieben Generationen bei den männlichen Nachfahren der Frickes auf) war als leitender Ingenieur bei der Waggonfabrik in Uerdingen, dem Vorgänger des Siemens-Zugwerkes tätig. Darüber hinaus ist der Freie Demokrat Fricke über seine politische Tätigkeit im Haushaltsausschuss des Bundes bestens mit der Materie vertraut. Der Bund ist nach der Privatisierung der Deutschen Bahn ihr alleinige Aktionär.

Was nimmt er von seinem Besuch im Krefelder DB Instandhaltungswerk mit in seinen politischen Alltag? Zumindest die Gewissheit, dass zu einem Mobilitätskonzept für die Zukunft, der Schienenverkehr unverzichtbar und in größerem Maße als blslang eine wichtige Rolle spielt. Für eine bessere Anbindung des rund 35 Fußballfelder großen Werksgeländes mit einer überbauten Fläche von knapp 66.000 Quadratmetern statt des Nadelöhrs Breitenbachstraße hat auch Fricke keine Spontanlösuing parat.

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