Krefeld: Der Walschädel aus Uerdingen

Krefeld: Der Walschädel aus Uerdingen

In den 30er Jahren wurde beim Bau der Uerdinger Rheinbrücke der versteinerte Schädel eines Wals gefunden. Durch einen vermeintlichen Zahn wurde er falsch eingeordnet, inzwischen ist er im Essener Ruhr-Museum zu sehen.

UERDINGEN Kaum zu glauben: In Uerdingen gab es mal Wale. Beim Bau der Stützpfeiler der Uerdinger Rheinbrücke Mitte der 30er Jahre stießen die Bauarbeiter auf den versteinerten Schädel eines Wals, der laut Forschungsergebnissen mehr als 27 Millionen Jahre alt ist und aus dem Oligozän stammt. Es begann eine lange Reise, die im Essener Ruhr-Museum endete. Als besonders wertvolles Stück hatte es den Krieg in einem Panzerschrank verbracht, durch einen Bombentreffer blieben vom Schädel nur Fragmente übrig.

Alfred Kremer kennt Uerdingen wie kaum ein anderer und das nicht nur, weil er sich seit Jahren im Heimatbund engagiert und dort das Oedingsche Platt pflegt, sondern er kennt sich auch besonders gut mit dem Wal von Uerdingen aus.

Er weiß: Die weiteren Recherchen zum Schädel wurden erst durch zwei Forschungsausleihen (1979 und 1989-1992) an Prof. Dr. Karlheinz Rothausen, Universität Mainz angestoßen. Er bestimmte erstmals das geologische Alter des Wals. Der Walforscher Johannes Albers beschäftigte sich 2010 in einer größeren schriftlichen Arbeit mit ihm. Der Wal ist eine Art "Missing link" zwischen den Urwalen. Johannes Albers schreibt in seiner Arbeit über den Uerdinger Wal, "dass er äußerlich einem etwas überdimensionierten Delfin glich, aber viel urtümlicher war. In einer der sonst leeren Zahnhöhlen steckte anscheinend ein Pflasterzahn, wie er sich zum Zerknacken von Muscheln oder Krebsen eignet. Solche Zähne sind bei Walen aber unbekannt.

Und so kam es, dass der merkwürdige Schädel nicht formell beschrieben wurde. Der Pflasterzahn passte einfach nicht ins Schema. Erst nach langer Zeit stellte sich heraus, dass der vermeintliche Zahn nur ein ordinärer Kieselstein war, der sich in einer Zahnhöhle festgesetzt hatte. Dafür fand man in dem Sediment, das dem Fossil anhaftete, noch einen echten Zahn mit schmaler Krone, die außer der Hauptspitze noch mehrere Nebenzacken auf dem schneidenartigen Rand trug. Das passte endlich ins Bild von einem fossilen Wal.

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Alfred Kremer erinnert sich, dass es "Überlegungen gab, zur 750 Jahrfeier von Uerdingen den Schädel des Wals in die Rheinstadt zu holen. Aber das klappte leider nicht." Alfred Kremer resümiert: "Ob der Wal jemals wieder an seinen Fundort zurückkehrt, ist fraglich. Aber es wäre schon schön, ihn hier in Uerdingen zeigen zu können."

Ein sehr wertvolles Stück

Dafür ist das Originalfragment zusammen mit zwei Gipsabdrücken des unzerstörten Schädels im Essener Ruhr-Museum zu sehen. "Der Schädel ist zwar nicht der Hingucker, aber immer noch eines unserer wertvollsten Stücke", sagt Ulrike Stottrop vom Ruhr-Museum.

(RP)
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