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Der Unternehmer Wolfgang Schulz aus Krefeld soll 643 Millionen Euro erstatten

Schiedsverfahren in den USA : Schulz soll 643 Millionen Euro erstatten

Der Verkauf der Firmen-Holding des Krefelders Wolfgang Schulz an eine Gesellschaft des US-Milliardärs Warren Buffett hatte 2017 internationale Aufmerksamkeit erregt. Schulz und andere sollen allerdings den Wert der Schulz Holding GmbH geschönt haben. In den USA soll er jetzt 643 Millionen Euro erstatten, und in Deutschland ermittelt die Schwerpunktabteilung für Wirtschaftsstrafsachen in Düsseldorf.

Nach einem Bericht der New York Times soll der Krefelder Unternehmer Wolfgang Schulz 2017 für den Verkauf seiner Firmengruppe 800 Millionen Euro erhalten haben. Käufer war eine Investmentgesellschaft des US-Milliardärs Warren Buffett. Die Transaktion hatte damals international Beachtung gefunden.

Inzwischen ist ein neues Kapitel aufgeschlagen. Das Geschäft von damals hat ein Nachspiel – ein juristisches Nachspiel diesseits und jenseits des Atlantiks. Es beschäftigt die Strafverfolgungsbehörden in den USA und in Deutschland. Der Vorwurf: Der wahre Wert der Krefelder Firmengruppe war unzulässig geschönt worden.

Die Precision Castparts Corporation, eine Einheit von Warren Buffetts Berkshire Hathaway Incorporated, hat laut New York Times in einem Schiedsverfahren einen Betrag in Höhe von 643 Millionen Euro zugesprochen bekommen, weil der Kauf des Krefelder Traditionsunternehmen zur Herstellung von Rohrteilen und Lieferant für die Öl- und Gasindustrie sowie den Flugzeugbau mit Hauptsitz an der Kuhleshütte in Oppum und Dependancen in Rio de Janeiro, Calgary und Houston einen betrügerischen Charakter gehabt habe.

Der Spruch gegen die Schulz Holding GmbH, deren US-amerikanische und deutsche Unternehmen im Februar 2017 von Precision Castparts für 800 Millionen Euro (870 Millionen US-Dollar) gekauft worden sei, wurde am 9. April von einem Gremium des International Center for Dispute Resolution der American Arbitration Association erlassen. Die Association ist eine offizielle Einrichtung zur Streitbeilegung.

Laut New York Times habe das Gremium seine Entscheidung auf 132 Seiten begründet und wie folgt kommentiert. „Dies ist kein enger Fall.“ Die Beweise deuteten stark auf Betrug hin, und es gebe wenig in den Unterlagen, was eine andere Deutung zulasse.

Precision Castparts als vermeintlich Geschädigter habe bei einem Bundesrichter in Manhattan beantragt, die Entscheidung zu bestätigen. Die in den USA ansässigen Anwälte von Schulz hätten auf Anfragen nach einer Stellungnahme nicht reagiert. Precision Castparts mit Sitz in Portland in Oregon hat laut Nachrichtenagentur Reuters im März 2018 ein Schiedsverfahren eingeleitet und Schulz beschuldigt, vor dem Kauf 2017 mit gefälschten Rechnungen und rückwirkende Bestellungen Umsatz und Gewinn manipuliert zu haben. Schulz habe entgegnet, dass Precision Castparts seine Ansprüche nicht nachweisen könne und nicht geschädigt worden sei, weil die erworbenen Unternehmen einen Wert von mehr als 800 Millionen Euro besessen hätten.

Während die Auseinandersetzung in den USA derzeit noch auf der Ebene von Schiedsverfahren läuft, kümmert sich in Deutschland die Staatsanwaltschaft um den Fall. Im August 2018 ging eine 97-seitige Strafanzeige in Krefeld ein. Die Strafverfolgungsbehörde in der Seidenstadt merkte schnell, dass die Angelegenheit für sie eine Nummer zu groß ist und leitete den Vorgang im Oktober an die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen nach Düsseldorf weiter.

Gegenstand des in Rede stehenden Ermittlungsverfahrens sei der Tatvorwurf des Betruges unter andere im Zusammenhang mit einem Kauf einer Unternehmensgruppe aus dem Krefelder Raum, erklärte Oberstaatsanwalt Ralf Möllmann, Sprecher der Staatsanwaltschaft in der Landeshauptstadt, auf Anfrage unserer Redaktion Das Verfahren sei aufgrund einer Strafanzeige sowohl eines ausländischen als auch eines inländischen Unternehmens gerichtet an die Staatsanwaltschaft Krefeld eingeleitet worden. Die 97-seitige Strafanzeige richtete sich gegen fünf Personen. Mittlerweile haben die Spezialisten in Wirtschaftsstrafsachen die Ermittlungen ausgeweitet. „Wir ermitteln inzwischen gegen acht Beschuldigte“, informirte der Sprecher. Von den Beschuldigten sitze niemand in Untersuchungshaft.

Das Verfahren sei im Oktober 2018 in die hiesige Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen übernommen worden. Angezeigt seien Betrug, Urkundenfälschung und Bilanzfälschung im Zusammenhang mit Unternehmenskäufen im Jahre 2017. „Die Anzeigeerstatter tragen vor, man sei über die Werthaltigkeit der Unternehmen getäuscht worden. Der Schaden läge bei mehreren hundert Millionen Euro“, berichtete Möllmann. Das Verfahren werde durch die Düsseldorfer Schwerpunktstaatsanwaltschaft geführt. Die polizeilichen Ermittlungen erfolgten allein durch Beamte des Polizeipräsidiums Krefeld.„Derzeit werden Beweismittel ausgewertet und Zeugen vernommen“, sagte der Sprecher. Es sei schlichtweg unmöglich, die Dauer eines derartigen Ermittlungsverfahrens einzuschätzen, antwortete er auf die Frage, wann ein Ende der Ermittlungen zu erwarten sei.

Weitere Details werde die Staatsanwaltschaft nicht mitteilen, kündigt Möllmann an. Die Weitergabe weiterer Einzelheiten zu dem Sachverhalt könnte das Ermittlungsverfahren erschweren oder gar gefährden. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf werde daher derzeit keine weiteren Presseauskünfte erteilen, betonte Möllmann.

Wolfgang Schulz als ehemaliger Inhaber der Wilhelm Schulz GmbH ist den meisten Krefeldern als Förderer der Krefeld Pinguine in der Deutschen Eishockey-Liga bekannt. Im Januar 2017 reichte die Aufmerksamkeit bis in die Börsen-Portale dieser Welt. Sein Traditionsunternehmen sollte von einer Firma des US-Milliardär Warren Buffet übernommen werden. Eine Tochter von Buffets Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway übernimmt demnach den Krefelder Hersteller von Rohrzubehörteilen für die petrochemische Industrie. Der Chef des zum Buffett-Imperium gehörenden Metallkomponenten-Spezialisten Precision Castparts Corporation (PCC), Mark Donegan, sagte seinerzeit dem „Handelsblatt“, sein Unternehmen habe eine Vereinbarung zum Kauf des Krefelder Mittelständlers ausgehandelt. Weitere Einzelheiten behielt er für sich. „Wir äußern uns zu einzelnen Transaktionen nicht im Detail“, sagte er damals.

Laut dem Online-Portal Der Aktionär gehörte zum Geschäft auch die Übernahme der US-Tochter Schulz Xtruded Products, die im Bundesstaat Mississippi Stahlrohre und Werkstoffe für die Luftfahrtbranche produziert. Die Übernahme der Krefelder Gesellschaft wurde in Branchenkreisen als „genialer Deal“ bezeichnet.

„Wir sind vom Ausgang des Schiedsverfahrens enttäuscht und halten die Entscheidung für falsch. Unsere Anwälte prüfen daher aktuell mögliche rechtliche Schritte.  Den Vorwurf des Betruges weisen wir klar zurück. Wir sind zuversichtlich,  dass sich nachweisen lässt, dass PCC durch den Kauf des Unternehmens kein Schaden entstanden ist. Seit dem Erwerb trifft PCC die unternehmerischen Entscheidungen und trägt als Eigentümerin die Verantwortung für die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens. Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht weiter zu Details des Verfahrens äußern werden“, teilte ein Sprecher von Wolfgang Schulz am Donnerstag mit. Zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Düsseldorf wolle er im Moment keine Aussagen machen.