Krefeld: Der Mann, der mit Paulchen Kuhn jazzte

Krefeld: Der Mann, der mit Paulchen Kuhn jazzte

Paul G. Ulrich gehört zur legendären Boogie Woogie Company. Seine Ausbildung am Kontrabass erhielt er in der Krefelder Musikschule.

Krefeld ist eine Stadt herausragender Jazz-Musiker, und einer von ihnen ist Paul G. Ulrich, Jahrgang 1959, Könner am Kontrabass. Seine Schulbildung erhielt er am Gymnasium am Moltkeplatz, aber mindestens genauso wichtig war ihm die Musikschule an der Uerdinger Straße. Seine ersten Gehversuche machte er am Piano, vier Saiten direkt greifen zu können, reizte ihn aber schon bald mehr als die 88er Tastatur, und am Unterricht bei Hilde Houcken hatte er viel Freude. Bald wirkte er auch im Jungen Kammerorchester Krefeld mit, das damals von Ralph Schürmanns geleitet wurde.

Als ihn dann auch noch sein jazz-affiner Bruder aufforderte, sich doch mal einen Kontrabass zu leihen und in seiner Combo einzuspringen, da war's um Paul G. Ulrich geschehen: Instrument und Berufswunsch standen fest. Da war er 16.

Gern denkt er noch an die Band "Orange Pekoe" zurück, mit der er sogar mal im Jazzkeller an der Lohstraße spielte. Nach dem Abitur nahm er bei Rainer Linke in Köln sein Studium auf. "Köln war damals die erste Hochschule in der Bundesrepublik, an der man eine Ausbildung zum Jazz-Musiker im Hauptfach absolvieren konnte", erinnert sich Ulrich, "und Jiggs Wigham, der fantastische Posaunist aus Ohio, leitete den Fachbereich. In Köln habe ich natürlich auch Kontakt zu anderen jungen Jazz-Musikern gefunden und erste Auftritte in der quirligen Szene rund um den WDR absolviert." Mit dem Saxofonisten und Flute-Beatboxing-Pionier Dirko Juchem und dem swing-orientierten Gitarristen Rolf Marx spielt er auch heute gelegentlich noch zusammen.

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"Das ,Subway' und das ,Senftöpfchen' waren damals unsere Treffpunkte, und das ,Schmuckkästchen' im Souterrain unter dem Stadtgarten." Auch das Glück war Ulrich hold auf dem Weg zum Erfolg. "Es muss 1988/89 gewesen sein, als Ali Claudi mich anrief. Claudi und der Tonmeister und Piano-Mann Leo von Knobelsdorff (1932 - 2013) hatten 1964 die Boogie Woogie Company gegründet, und den Bass spielte damals Heinz Grah. Eines Abends war er verhindert, und die Band suchte Ersatz. Ich sprang ein, und weil Grah ohnehin eigene Pläne hatte, blieb ich dabei. Ich habe noch eine ganze Reihe von Konzerten mit dem heute schon beinah legendären Leo gespielt, bevor er seinen Platz an Christoph Oeser übergab." Ganz ähnlich erging es Ulrich mit einem weiteren Großen am Jazz-Piano.

Das war 1996. Paul Kuhn, der auch als Sänger und Produzent in der Schlagerbranche und als Schauspieler große Erfolge erzielt hatte, wandte sich wieder mehr dem Jazz zu wie in seinen jungen Jahren, und für sein Trio wurde wieder ein Bassist gesucht, weil Martin Gjakonovski und Gary Todd nicht immer Zeit hatten. Später wirkte Ulrich auch in der größeren Besetzung "Paul Kuhn And The Best" mit und ist auf dem gleichnamigen Album gemeinsam mit Größen wie Ack Van Rooyen, Jiggs Wigham und Greetje Kauffeld unter der Leitung des Altmeisters zu hören. "Bei Kuhns Konzert im Stadttheater Krefeld im Dezember 2010 war ich leider nicht dabei, aber bei seinen letzten Auftritten habe ich wieder den Bass gezupft."

Der "Boogie Woogie Company" ist Ulrich nach wie vor vor treu, aber er spielt auch gern mal Latin Jazz mit dem Schlagzeuger Leonard Gincberg und begleitet im Trio des Pianisten Jan Luley die populäre Sängerin Brenda Boykin.

(RP)
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