Krefeld: Der Mann, der 90.000 Tonnen Getreide im Blick hat

Krefeld: Der Mann, der 90.000 Tonnen Getreide im Blick hat

Von außen erscheint alles grau in grau. Hinter den Fassaden arbeiten Menschen aus Fleisch und Blut mit hoher Kompetenz und viel Verständnis für Tradition in der Landwirtschaft. Die Lagerhaus Pegels GmbH & Co KG macht gute Geschäfte und expandiert - durch den Zukauf der Lagerhausgesellschaft Schou hat sich die Kapazität auf 90.000 Tonnen Lagerfläche im Hafen verdoppelt.

Von außen erscheint alles grau in grau. Hinter den Fassaden arbeiten Menschen aus Fleisch und Blut mit hoher Kompetenz und viel Verständnis für Tradition in der Landwirtschaft. Die Lagerhaus Pegels GmbH & Co KG macht gute Geschäfte und expandiert - durch den Zukauf der Lagerhausgesellschaft Schou hat sich die Kapazität auf 90.000 Tonnen Lagerfläche im Hafen verdoppelt.

Das Getreidesilo mit 40 Kammern der Firma Pegels ist 65 Meter hoch. Das neu hinzugekaufte in rund 200 Meter Luftlinie entfernt ist sogar 85 Meter hoch. Aktuell werden beide Lagerstätten ertüchtigt, die Bewehrung saniert und die Betonfassade geglättet. In der Branche hat sich viel getan. Gleichwohl ließe sich das Geschäft wie noch vor 100 Jahren betreiben.

"Wir können deshalb mit der historischen Infrastruktur des Lagerhauses Schou gut leben", sagte Dirk Bestendonk, einer der Geschäftsführer der Pegels-Gruppe, zu der auch ein Agrarhandel, ein Landmarkt, ein Fuhrpark mit vier 40-Tonnen-Lastwagen und Immobilien gehören. Pegels ist ein Familienunternehmen in der vierten Generation.

Angeliefert wird überwiegend Weizen, Gerste, Raps und Sonnenblumenkerne mit Lastwagen, per Güterzug von der Hafenbahn und mit dem Binnenschiff. Pegels hat eine eigene Anlegestelle, von der mit einem Riesenstaubsauger das Korn in die Silozellen gesaugt wird. Lastwagen hingegen schütten ihre Ladung, nachdem sie samt Fahrzeug gewogen worden ist, durch ein Gitter auf unterirdische Förderbänder (Elevatoren), die die Ware wiederum unter das Dach des Silos transportieren, um sie vom höchsten Punkt in die Kammern einzufüllen.

Große Lüfter reinigen das Korn und blasen Fremdstoffe wie Unkrautsamen, Spelzen und andere Stoffe weg. Ehe es so weit ist, nimmt ein Mitarbeiter mit einem ferngesteuerten Arm eine Probe aus der Lkw-Ladung. Sein Vorgehen verfolgt er mit Hilfe einer Videokamera an einem Bildschirm. Die Körner werden dann relativ schnell auf verschiedene Qualitätsstandards hin analysiert. Einer davon ist der Feuchtigkeitsgehalt.

Die Ergebnisse werden dokumentiert, die Proben in versiegelten Boxen den Fahrern mitgegeben, um sie im Büro abzuliefern. Wenn alles in Ordnungs ist, werden Getreide und Ölsaaten abgeladen und von Pegels in Silos, auf Schüttböden und in Hallen eingelagert.

Die Warenmengen stellen einen erheblichen Wert dar. Bei 150 Euro Getreidepreis pro Tonne kommen bei zukünftiger Vollauslastung rund 13,5 Millionen Euro zusammen. "Vor Diebstahl haben wir keine Angst. Bis allein ein Tonne Körner weggeschafft ist, vergeht so viel Zeit", sagte Bestendonk. Wichtiger ist für den Experten der richtige Umgang mit den Lebensmitteln. Dabei ist eine Menge zu beachten.

In den großen Hallen entsteht gleichsam eine riesige, 4,5 Meter hohe Holzkiste mit 3250 Quadratmetern Grundfläche. Zwischen Hallenwand und Holzwand bleibt ein schmaler Weg, um rundherum gehen zu können und für die so genannten Schadnager Köderkisten und andere Frühwarnsysteme zu positionieren. Das sind etwa 30 Zentimeter breite Flächen mit fein verteiltem Sand, auf dem jede Maus mit ihrem Schwanz oder den Füßen Spuren hinterlassen würde. "Wir dürfen nicht vorsorglich Gift auslegen. Wir müssen erst dann tätig werden, wenn wir den Nachweis geführt haben, dass Schadnager in der Halle sind", erklärte Bestendonk.

Der 34-Jährige ist auf einem Bauernhof aufgewachsen und hat sich nach einem Praktikum für eine Ausbildung bei Pegels entschieden. Heute ist er mit Thomas und Susanne Pegels als Geschäftsführer verantwortlich. Die Pegels-Gruppe macht mit ihren rund 45 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von etwa 26 Millionen Euro.

Wenn die "Holzkiste" in der Halle mit Getreide gefüllt ist, werden an der Oberfläche Holzstege verlegt, damit Mitarbeiter regelmäßig die 150 Messstellen aufsuchen können, um die Temperatur im Innern des Getreidebergs messen und protokollieren zu können. Außerdem finden sich dort kleine Aufwölbungen, die wie Mini-Vulkane aussehen. "Das sind Fallen für den Kornkäfer", berichtete Bestendonk. Falls der sich längere Zeit in dem Getreide tummeln kann, entstehen Folgeschäden durch Temperaturentwicklung und die Ware verdirbt. Dagegen lässt sich etwas tun. Doch das ist aufwendig und teuer. Das Korn wird von Mitarbeitern hoch qualifizierter Fachfirmen begast.

Hygiene sei das A und O in der Branche. Pegels sei für alle möglichen Fälle zertifiziert. Das sei nötig, Das Unternehmen versorge namhafte Hersteller mit Brot- und Futtergetreide. "Wir haben ausreichend Separierungsmöglichkeiten", betonte der Geschäftsführer, um neben den Großkunden auch Spezialisten und Kleinkunden zu versorgen.

Über den Standort Krefeld hinaus verfügt die Gruppe über diverse weitere Getreidelagerungsstandorte am Niederrhein. Pegels ist unter anderem Vertragspartner der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. An der Hentrichstraße im Rheinhafen erwirtschaften zwölf Mitarbeiter ausschließlich mit Dienstleistungen einen Jahresumsatz von 3,2 Millionen Euro. Der Zukauf des Lagerhauses Schou sei nötig gewesen, weil Pegels nicht mehr alle Kunden am Standort habe bedienen können, erklärte Bestendonk.

Das Areal an der Silostraße habe rund zweieinhalb Jahre lang leergestanden und liege in direkter Nähe zum Stammhaus. Derzeit werde die Infrastruktur ertüchtigt. Der TÜV überprüft Technik und Anlagen, Maschinen würden geschmiert und gewartet sowie gestohlene Kabel ersetzt.

An einem dritten Hafenstandort - beim Schwertransportspezialisten Felbermayr - findet wie bisher der Umschlag von Binnen- und Seeschiffen auch industrieller Güter mittels eines mobilen 70-Tonnen-Umschlagbaggers statt. Im vergangenen Jahr hat das Kraftpaket rund 300.000 Tonnen ver- beziehungsweise entladen. Mit dem 70-Tonner sind in der Spitze 500 Tonnen pro Stunde zu bewegen. Zum Portfolio zählt ferner das Brechen, Sieben und Mischen des Schüttgutes - ganz nach Kundenwunsch. Zum Kundenkreis zählen Landwirtschaft, Industrie und Handel.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der Mann, der 90.000 Tonnen Getreide im Blick hat

(sti)