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Der Lauerforter Silberschatz im Krefelder Museum Burg Linn und das Geheimnis um die Orden des Flavius Festus

Krefelder Museen : Geheimnis um die Orden des Flavius Festus

Der Silberschatz vom Lauerforter Schloss ist einmalig. Es ist der weltweit einzige vollständige Satz an Soldatenorden, der je ausgegraben wurde. Er stammt vermutlich aus dem ersten Jahrhundert. Das Museum Burg Linn präsentiert Replika von 1860. Ihre Geschichte ist abenteuerlich.

T. Flavius Festus war ein Held. Auch wenn heute nur mehr vermutet werden kann, dass das T in seinem Namen höchstwahrscheinlich für Titus steht und dass er ebenso wahrscheinlich als Soldat in der Bataverschlacht gekämpft hat – eines steht fest: Für seinen Mut ist er belohnt worden. Und zwar mit Phalerae. Das sind militärische Auszeichnungen der römischen Kaiserzeit, die für Tapferkeit vor dem Feind verliehen wurden.  Einen kompletten Satz Phalerae zeigt das Museum Burg Linn jetzt in seiner Dauerausstellung.

Es sind nicht die Originale zu sehen, sondern „galvanoplastische Nachbildungen“, die unmittelbar nach ihrer Entdeckung bei Grabe-Arbeiten 1859 am Lauersforter Schloss – in Holderberg, zwischen  Moers und Krefeld – angefertigt wurden. „In Fachkreisen sind diese Phalerae weltberühmt“, sagt Stadtarchäologe Hans Peter Schletter. Die Originale sind bis auf ein Exemplar auf der Berliner Museumsinsel zu sehen. Das fehlende Stück ging damals ans Provinzialmuseum Bonn.

Ein Orden zeigt den Kopf des Schutzgottes Iupiter Ammon. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Dass Krefeld nur die Replika besitzt, ist die Schuld von Kaiser Wilhelm I. – und kein Nachteil, findet Schletter. Denn im Museum ist auch ein höchst aufschlussreicher Briefwechsel zwischen dem Lauersforter Schlossherrn vom Rath und der preußischen Monarchenfamilie.

Ein Medusenkopf mit den typischen Schlangen soll Gefahr abwehren Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Zeitsprung ins Jahr 1860: Die Orden sind aus dem Lauerforter Boden geborgen worden, und schnell ist ihre Bedeutung erkannt. Noch im selben Jahr erscheinen zwei Fach-Publikationen. Anton Rein, Rektor der Höheren Stadtschule Crefeld, laut Schletter „ein ausgewiesener Fachmann“, schreibt wissenschaftlich – allerdings in lateinischer Sprache. Otto Jahn liefert das bis heute gültige Standardwerk in deutscher Sprache. Die Wissenschaftler in der Welt werden aufmerksam. Das British Museum in London bietet den vom Raths 7000 Pfund für die Phalarae. Doch die Herrschaften winken ab und verschenken die silbernen Orden lieber an den Kronprinzen, den späteren Kaiser Wilhelm I., denn sie erhoffen sich im Gegenzug eine einträgliche Stelle für eigenen Sohn in Berlin. In untertänigstem Tonfall, der die stilistischen Gepflogenheit des 19. Jahrhunderts noch toppt, „erstirbt“ Herr vom Rath „in tiefster aufrichtigster Ehrfurcht“ vor dem „allergnädigsten Prinzregenten“. Nur ein Orden geht nicht an den Hof, den erhielt der Krefelder Anton Rein, dessen Nachkommen es nach Bonn gaben. Von diesem Orden ist in Krefeld heute nur ein Foto zu sehen.

Der Grabstein des Caelius zeigt die Phalarae sowie die Arm- und Halsringe, die für Tapferkeit verliehen wurden. Dieser Abguss ist im Museum Burg Linn zu sehen. Foto: Petra Diederichs/Pera Diederichs

Zeitsprung ins Jahr 69: In Krefeld proben die westgermanischen Bataver den Aufstand. Ein Jahr lang dauern die blutigen Schlachten, in denen sich der Römer Flavius Festus offenbar mutig hervorgetan hat. „Solche Phalerae wurden immer in ungerader Zahl verliehen“, sagt Schletter. Und zwar an Soldaten, die nicht von ritterlichem oder senatorischem Stand waren. Der Geehrte erhielt ein Geldgeschenk, für das er sich die Orden nach eigenem Geschmack gestalten lassen sollte. Dann wurden sie an einem Ledergeschirr auf der Brust getragen. Neun trug Festus. „Medami“ ist auf den Orden eingraviert, vermutlich ist das der Name des Herstellers. Die Phalerae zeigen Abbilder der Medusa, des Iupiter Ammon und einen Löwenkopf, die alle Unheil abwehren sollen. Außerdem gibt es bacchantische Darstellungen. „Was die Darstellungen bedeuten, können wir heute nicht mehr erschließen“, meint Schletter. „Wichtig war, dass sie etwas hermachten und dem Feind Stärke spiegelten. In den Krieg zu ziehen, bedeutet Angst. Deshalb wollte man furchterregend aussehen. Damals gab es keine Uniformen. Die Soldaten versuchten sich abzuheben, mächtig zu wirken. Uniformen kamen erst mit dem Ersten Weltkrieg, als die Soldaten gegen gleichartige Gegner kämpften. Da mussten sie unterschiedlich aussehen. Vorher war das nicht nötig.“

Ob der Silberschatz in Lauterfort einst als Beute oder als Versteck  eingegraben wurde, ist nicht bekannt. Auch das bleibt ein Geheimnis.