Der Kunstverein Krefeld stellt in Kooperation mit dem MMIII Kunstverein Mönchengladbach junge Künstler vor, die sich zwischen Malerei und Skulptur bewegen.

Kunst in Krefeld : Wo die Leinwand keine rechteckige Fläche ist

Der Kunstverein stellt in Kooperation mit Gladbach junge Künstler vor, die sich zwischen Malerei und Skulptur bewegen.

Der Spind in der oberen Etage des Buschhüterhauses des Kunstvereins ist Fake. Tatsächlich ist das Objekt, das wie ein in die Jahre gekommener Arbeiterschrank aus irgendeiner Fabrik aussieht und sogar die Patina von Werkstatt und Zeit auf der scheinbar metallgelben Oberfläche hat, nur eine Täuschung. Erstes Indiz liefern die Schlösser und Zargen, die zeigen, dass das Ding nirgends zu öffnen ist. Wer genau hinsieht, merkt, dass es nicht einmal aus Metall gefertigt ist, sondern aus Leinwand. Im Grunde ist es Malerei.

„Shaped Figure“ heißt die Ausstellung, die bis zum 16. Juni sieben junge Künstler vorstellt, die nicht auf die klassische rechteckige Leinwand setzen, sondern sich neue Formen für neue Formate suchen. Die sehen nicht selten aus wie Objekte. Und so bewegen sich die Arbeiten zwischen Malerei und Skulptur. Wilko Austermann hat die Ausstellung für den Kunstverein kuratiert, es ist seine vierte für Krefeld und wieder in Kooperation mit dem MMIII Kunstverein Mönchengladbach: Dort zeigen die Künstler zum gleichen Thema andere Arbeiten. „Der Ausstellungsort dort ist auch ganz anders, ein großer Raum in einer ehemaligen Industriehalle. Da wirkt alles ganz anders“, sagt Elke Meyer-Michael, Vorsitzende des Krefelder Kunstvereins.

Stefan Bircheneder aus Franken hat zu seinem Arbeiterspind „Denkmal“ einen Paravent gestellt, der wie die Front einer Reihe von Industrieschränken wirkt. „Es ist der kleine Teil einer Fabrik, die dem Arbeiter gehört, ein bisschen Privatsphäre“, sagt der Künstler. Niemand wisse, wie lange es Arbeiter noch gebe, während ganze Industriezweige sich veränderten. Diese Gedanken offenbart er dem Ausstellungsbesucher, der hinter die vermeintlichen Schränke blickt – und nur Leinwandkulisse erblickt.

Ungewöhnliche Perspektiven eröffnet die sehr frisch anmutende Schau. Astrid Styma, die an der Kunstakademie Düsseldorf studiert hat, führt den Blick auf andere Weise in die Irre. Sie hat den Körper einer kauernden Frau von sechs Perspektiven aus sehr naturalistisch gemalt, die Figur jeweils ausgeschnitten und zusammengesteckt. Von jeder Seite ergibt sich ein Bild, das nie geschlossen ist: Mal sieht man eine dritte Hand, einen vierten, fünften Fuß. „Ich frage mich, wie sehr es die eigene Wahrnehmung von sich beeinflusst, wenn man sich nur am Äußeren spiegelt, sich nicht mehr mit sich selbst auseinandersetzt.“

Der sinnlichen Malerei von Styma hat der Kurator die Ölgemälde von Thorben Eggers entgegengesetzt, der Frauenbildnisse  in der Werbung findet, am Computer bearbeitet, sie zu Körperfragmenten zerlegt und dann in Malerei übersetzt, die er verschachtelt. Die meist gesichtslosen Figuren verfügen über eine Ästhetik der Kühle.

Robert Brambora (geboren 1984) wählt den Kopf als Zentrum seiner Kunst. Geschlechtsneutrale Gesichtsprofile füllt er mit naturalistischen Landschaften und philosophischen Texten, die sich wie ein Kondensstreifen durch den Hirnhimmel ziehen. Eine schöne thematische Entsprechung sind Rob Mordechays Skulpturen, die von verschiedenen Seiten unterschiedliche Gesichter aufweisen. Sein Material kommt von der Malerei: Leinwandschnipsel, Keilrahmen als Beine oder abgeschliffene Farbpaletten, die das Gesicht bilden, setzt er ein. Und in den Augen- und Mundöffnungen  lässt er – wie bei der Höhlenmalerei – Szenen aus der Kunstgeschichte spielen. Gips-Gemälde von Carolin Eidner, einer Schülerin Rosemarie Trockels, und das aus gefärbtem Harz gefertigte Bild-Objekt von Vivian Grefe runden die Schau ab.

Eröffnung Freitag, 3. Mai, 19 Uhr, Kunstverein, Westwall 124; Zu sehen bis 16. Juni, mo 14-16.30 Uhr, di-fr, 10-12 Uhr. MMIII Kunstverein Mönchengladbach, Künkelstraße 125, 4. Mai bis 16. Juni, so. 11-14 Uhr.

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