Der Heartchor Krefeld will der beste Chor im Westen werden beim Wettbewerb des WDR

Chöre in Krefeld : Heartchor gibt sein Debüt in Fernsehshow

In seiner Heimatstadt Krefeld ist der Chor noch unbekannt. Er hat erst einmal öffentlich gesungen – und das in Köln. Am Freitag tritt der Heartchor im Fernsehen vor einem Millionenpublikum und Prominenten auf – beim Wettbewerb „Der beste Chor im Westen“. Damit zählen die Newcomer zu den 20 besten Ensembles des Formats in diesem Jahr.

Es könnte der Stoff für ein Krefelder Weihnachtsmärchen sein: Am Morgen sind es junge Leute, die einfach gerne singen. Am Abend ist es ein Chor, den ein Millionenpublikum kennt. Der Heartchor Krefeld ist in seiner Heimatstadt bisher noch nicht aufgetreten. Große Konzerterfahrung hat er nicht. Sein Debüt gibt er im Fernsehen beim Wettbewerb „Der beste Chor im Westen“. Das ist keine ausgeklügelte Karriereplanung, keine Marketingstrategie – sondern die Folge einer spontanen Idee, sagt Arno Hommes, Gründungsmitglied des Heartchors.

Die Geschichte beginnt an der Krefelder Waldorfschule. „Die meisten kennen sich seit Jahren. Dann hatten wir die Idee, gemeinsam einen Chor zu gründen“, sagt Hommes. Jan Derrix, einige Jahrgangsstufen über ihm an der Waldorfschule gewesen, hatte ein Projekt mit dem Schulchor-  und -orchester geleitet und die Sänger begeistert. „Wir haben ihn gefragt, ob er die Leitung übernimmt.“ Er hat’s gemacht.

Der Name Heartchor spiegelt, dass hier alle mit einem Herzen voll Musik bei der Sache sind. 18 Menschen zwischen 17 und 27 Jahren gehören inzwischen zum Chor, inklusive Leiter und einem Beatboxer. Der ist unverzichtbar. Denn der Chor ist modern und tummelt sich in erster Linie in der Popmusik. Aber auch Vocal Painting ist ein wichtiges Thema. Dieses Malen mit Stimmen ist eine neue Form rhythmusbetonter Improvisationen, bei den Klänge und Phrasierungen Stimmungsbilder erzeugen, manchmal auch ganze Lieder ergeben. Das funktioniert nur bei einem gut eingespielten Ensemble. „Ja, man muss sich sehr auf die anderen einlassen, mitfühlen, und sich auch was trauen. Dazu muss man als Gruppe funktionieren.“

Einem größeren Konzertpublikum haben die Krefelder das bisher erst einmal vorgeführt: beim Abschlusskonzert zum Examen ihres Chorleiters in Köln. In Krefeld wird der Heartchor erstmals am 6. Februar auftreten – in der Waldorfschule. Ein Heimspiel. Dort wo es Spaß macht.

Denn der Spaß ist auch der große Motivator für das Fernseh-Kapitel. „Wir haben uns ohne große Erwartungen beworben. Wir wollten einfach gemeinsam was erleben.“ Arno Hommes gibt zu, dass der Herzschlag an Tempo zulegte, als die Gruppe kurz vor dem Auftritt hinter der Bühne stand. „Wir hörten den Chor, der vor uns dran war und mussten leise sein. Da war die Nervosität kaum zum Aushalten“, erzählt Hommes. Es war der erste Vorentscheid, der aufgezeichnet wurde und heute Abend gesendet wird.

20 Chöre treten an, je zehn in einem Vorentscheid, der zweite wird am 29. November ausgestrahlt, Halbfinale und Finale sind live.  Ob die Krefelder weiterkommen, darf Hommes nicht verraten, das ist vertraglich geregelt. Aber dass sie Spaß gehabt haben, kann er sagen. Und Lampenfieber. „Nicht wegen der Jury“, betont er. Die ist immerhin prominent besetzt mit Schlagersängerin Beatrice Egli, Sänger und Moderator Giovanni Zarrella, „Texas Lightning“-Frontfrau Jane Comerford und Rolf Schmitz-Malburg vom WDR-Rundfunkchor. „Die sieht man während des Auftritts ja nicht. Das Publikum übrigens auch nicht. Die Scheinwerfer sind einfach zu hell und blenden.“ Respekt habe er vor den Kameras gehabt. Aber er habe sie auch schnell vergessen, als es los ging.

Auch für die Profis ist der Sängerstreit, den der WDR zum veirten Mal auslobt, eine spannende Sache. Jury-Neuling Beatrice Egli findet: „Jeder Chor hat seine Besonderheiten, und die gilt es herauszufinden und hervorzuheben mit dem passenden Song und der Performance. Jede menschliche Stimme ist einzigartig – und mehrere Stimmen zusammen bilden noch einmal einen ganz besonderen Sound.“

Der Heartchor aus Krefeld hat sich erst im vergangenen Jahr gegründet. Jetzt vertritt er seine Heimatstadt beim Fernseh-Chor-Wettbewerb. Foto: Melania Grande/WDR/Melanie Grande

Hommes bestätigt: „Die Jury ist schon sehr nett. Es ist spannend, professionelle Meinungen zu hören.“ Über das Preisgeld von 10.000 Euro, das dem Siegerchor winkt – neben einem Auftritt mit dem WDR-Rundfunkchor – habe man sich keine Gedanken gemacht. „Bisher wird aus unserer Chorkasse nur mal eine Requisite angeschafft.“