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Der Fantasypreis Krefeld ist ein Objekt für Spekulationen: ein Pantagondodekaeder

Archäologie in Krefeld : Der Krefelder Fantasy-Preis - ein Objekt für Spekulationen

Der Pentagondodekaeder ist Vorbild für den mit 10.000 Euro dotierten Preis. Werkzeug oder Orakel? Welche Funktion so ein „Pen“ in der Antike hatte, das lässt selbst Experten rätseln.

Der Pentagondodekaeder ist der Lohn für ausgezeichnete Fantasy-Literatur: Das bronzene Objekt aus dem Gelleper Gräberfeld ist Vorbild für den Krefelder Fantasy-Preis, der, wie berichtet, im nächsten Jahr zu ersten Mal vergeben wird. Jetzt ist er offiziell ausgelobt. Autoren und Verlage können bis zum 30. September ihre Bewerbungen einreichen.

Aber was ist das überhaupt für ein Ding, das neben 10.000 Euro Preisgeld die beste Literatur des Fantasie-Genres krönen soll und dessen Bezeichnung einem nicht ohne Übung über die Lippen geht? Pentagondodekaeder. Genau weiß offenbar niemand, wozu das Objekt taugt, aber die Spekulationen unter den Archäologen treiben heftige Blüten. Ein Vermessungsgerät, sagen einige. Eine andere Theorie sagt, es sei ein Feldkochofen. Eher humorvoll ist der Einfall zu deuten, es könne sich um eine Art „Strickliesel“ für Fingerhandschuhe handeln.

Fest steht: Es ist ein zwölfseitiger Würfel mit runden Öffnungen in verschiedenen Größen. In den 1970er Jahren haben die Archäologen ihn aus dem Grab 3040 im römisch-fränkischen Gräberfeld Gelduba geborgen. Pentagondodekaeder bedeutet „Fünfeck-Zwölf-Flächner“. Es ist ein Körper, der von zwölf  regelmäßigen Fünfecken gebildet wird. Der frühere Leiter des Museums Burg Linn, Christoph Reichmann, hat das Objekt, das aussieht wie ein Vorbild fürs Atomium, vor fünf Jahren in einer Ausstellung über die Spiele der alten Römer gezeigt.

Das ist auch eine mögliche Spur. Denn Würfel waren beliebt – als weit verbreitetes Orakel. Solche „Würfel“ waren nicht immer kubusförmig,  meist aus Bein, selten aus Metall. Oft wurden Stücke aus kleinen Tiergelenken geworfen. Während Männer um Glück, Geld und ihre Freiheit spielten, weil Spielschulden sie durchaus in die Sklaverei bringen konnten, gab es unter den Frauen kundige Seherinnen, die aus Feuersteinen, Bergkristallen, Gebein und anderen kleinen Stücken die Zukunft lesen konnten. Reichmanns These: Der Pentagondodekaeder wurde mit Holzstäbchen gefüllt. Beim Würfeln fielen durch die unterschiedlich großen Öffnungen Stäbchen, die Antworten auf drängende Fragen liefern sollten. Am Vorabend einer Schlacht zum Beispiel war es durchaus üblich, dass Stäbchenorakel befragt wurden, ob der Termin gut war.

Den „Krefelder Preis für Fantastische Literatur“ erhält ein Werk deutscher Sprache, das sich in herausragender Weise mit Inhalten der Phantastik beschäftigt, also mit Sagen, Märchen, Fantasy, Science-Fiction und anderen übernatürlichen Themen. Verlage und Autoren können Romane und Graphic Novels einreichen, die eine eigene ISB-Nummer tragen und bis spätestens 30. November 2020 im Buchhandel erhältlich sein werden. Das Erscheinungsdatum darf nicht vor dem 1. August 2018 liegen. Nicht berücksichtigt werden Kurzgeschichten und Anthologien sowie Neuauflagen bereits erschienener Werke.

Parallel ist auch ein Wettbewerb für Schüler bis 18 Jahre ausgeschrieben. Auch hier ermittelt eine Fachjury, zu der unter anderem Mitinitiator und Bestsellerautor Bernhard Hennen gehört, die beste Geschichte. Die darf dann später in einer öffentlichen Lesung vorgestellt werden.

Ausschreibungsunterlagen und Bewerbungsformulare: www.krefeld.de