Krefeld: Der Club der Seidenleimer

Krefeld: Der Club der Seidenleimer

Im Haus der Seidenkultur trafen sich die Alten Herren der ehemaligen studentischen Verbindung der Krefelder Webeschüler "Sericaria" Erinnerungen an einen nicht mehr existierenden Verein wurden lebendig.

Sericin ist ein Protein, das die Seidenraupe bei der Produktion von Seide bildet. Der Name dieses Seidenleims stand Pate für die Sericaria. Diese studentische Verbindung gibt es seit Anfang der 1990er Jahre nicht mehr. Doch jetzt profitiert das Haus der Seidenkultur (HdS) von ihr. Trotz der Auflösung verfügte die Sericaria noch über ein Vereinsvermögen von 4356 Euro, die nun dem Haus der Seidenkultur gespendet wurden.

Die Tafel der Verbindung. Foto: Lammertz Thomas

Die 1913 als Verein der Webeschüler Krefeld gegründete Verbindung - die sich seit 1933 Sericaria nannte - ist eng mit der Geschichte der Höheren Fachschule für die Textilindustrie verknüpft. Doch mit der Verlegung des Fachbereichs Textil- und Bekleidungstechnik an der Fachhochschule Niederrhein nach Mönchengladbach in den 70er Jahren war das Ende der Studentenverbindung besiegelt. Dieter Blatt, Ehrenamtler am HdS und Mitglied der ehemaligen Studentenverbindung, erzählt: "Ganz, ganz selten haben wir uns noch getroffen. Beim letzten Treffen hat der letzte Kassenwart gesagt, jetzt muss das Geld mal raus. Da kam nur das Haus der Seidenkultur in Frage." Jetzt wurde der Betrag feierlich überreicht und die ehemaligen Mitglieder trafen sich noch einmal, um über die alten Zeiten zu plaudern. Als die Sericaria noch in voller Blüte war, gab es ein aktives Verbindungsleben mit allen Gebräuchen, die man von Studentenverbindungen kennt. Doch war man an keine Dachorganisation gebunden und legte viel Wert auf Offenheit und Freiheit. Schlagend - also mit Verpflichtung zur Mensur, dem traditionellen Fechten - war man nie; Kneipen (nach bestimmtem Ritual ablaufende Versammlungen) indes wurden abgehalten, und die Mitglieder trugen Couleur: das typische Band, Mütze und Zipfelbund, die in den Farben der Verbindung als ein gemeinschaftstiftendes Erkennungszeichen dienen. Für das Treffen im Haus der Seidenkultur, hatten die ehemaligen Mitgliedern sie noch mal angelegt. Wer seinerzeit Mitglied werden wollte, musste gewisse Voraussetzungen erfüllen. "Es hatte nicht nur mit Trinkfestigkeit zu tun - aber auch", scherzte Hans Jürgen Schmitz. "Es gab eine Beurteilung durch die älteren Mitglieder, ob man für diese Verbindung geeignet sei - menschlich." Natürlich war es zudem obligatorisch, im Bereich Textil zu studieren - die Verbindung hatte großen Anteil an der Planung der damals neuen Textilingenieurschule am Frankenring. Ziel war es, neben der Geselligkeit und Pflege der Freundschaft, den Kontakt zu den Dozenten und die wissenschaftliche Weiterbildung zu fördern.

"Der Altherrenverband hat seine Mitglieder rekrutiert aus der studentischen Verbindung der sogenannten Aktivitas. Wenn die studentische Verbindung aufhört, ist auch automatisch der Altherrenverband nicht zukunftsorientiert", erläuterten die ehemaligen "Alten Herren" - so heißen Verbindungsmitglieder, die ihr Studium beendet haben - der Sericaria.

Auch wenn man gerne noch in Erinnerungen schwelgt, sich hin und wieder in kleineren Gruppen trifft, haben alle mit ihrer Verbindung abgeschlossen. Die Spende besiegelte jetzt den Schlussstrich.

Haus der Seidenkultur, ehemalige Paramenteweberei Hubert Gotzes, Luisenstraße 15.

(RP)