Der Beerenhof in Traar hat viele Wildbienen

Obstbauer in Krefeld : Deutschlands größte Wildbienenkolonie

Wildbienen sind vom Aussterben bedroht. Auf dem Beerenhof in Traar gefällt es ihnen so gut, dass sie sich niedergelassen haben und rasend vermehren. Um die Art zu erhalten, sät der Obstbauer nun Bienenwiesen.

Peter Schroeder ist Obstbauer. Ihm gehört der Beerenhof in Traar. Neben Erdbeeren und Johannisbeeren werden hier Aprikosen, Pfirsiche, Äpfel und Birnen angebaut. Aber vor allem gibt es hier Bienen. „Wir haben die größte Wildbienenkolonie Deutschlands“, sagt Schroeder stolz. „Die sind total friedlich, beißen und stechen nicht. Die schwirren einfach nur umher.“

Seit gut drei Jahren haben sich Wildbienen auf seinem Hof angesiedelt. Das habe mit den Johannisbeeren zu tun, erklärt der Obstbauer. „Wir haben unser Feld von vier Hektar auf ein halbes Hektar verkleinert. Die überflüssigen Bambusstäbe, an die die Beeren gebunden waren, haben wir unter einem Vordach gestapelt“, sagt er. Das wurde idealer Lebensraum für Wildbienen.

Denn die Wildbienen krabbeln in die kleinen Röhrchen, um den Nachwuchs zu sichern. „Die Honigbiene sammelt Nektar, um zu überwintern. Die Wildbiene hingegen sammelt den Nektar für die nächste Generation“, erklärt Schroeder. Das Bambusröhrchen füllen die Tiere erst mit einer zentimeterdicken Pollenschicht, dann legen sie ein Ei hinein und verschließen das Röhrchen mit Erde. Der Pollenvorrat ernährt die schlüpfende Brut.

In Deutschland gibt es etwa 560 Arten von Wildbienen. Davon gelten 39 Arten als ausgestorben, 31 sind auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Laut Deutschem Bienenjournal zählen 40,9 Prozent der Wildbienen zu den bestandsgefährdeten Arten. Der Grund: Durch die industriell geprägte Landwirtschaft mangelt es an abwechslungsreichen Blütenpflanzen für die Larvenaufzucht, und auch Nistplätze schwinden. Dieser Trend beunruhigt auch Schroeder. „Die Händler und die EU diktieren uns Vorschriften, wie wir was anzubauen haben. Das ist ein totaler Widerspruch für die Landwirtschaft“, sagt er. Schroeder macht sich vor allem Sorgen um den „stillen Frühling“ – ohne Vogelgezwitscher und Bienenbrummen. „Es gibt jetzt schon kaum noch Schmetterlinge und Wildblumenwiesen. Vielleicht gibt es in zehn bis 20 Jahren auch keine Bienen und Singvögel mehr.“

Fast jede zehnte Wildbienenart ist in Europa vom Aussterben bedroht. „Die Bienen waren früher widerstandsfähiger und konnten die Varroamilbe noch alleine bekämpfen. Heute tötet die Milbe die Biene“, sagt Schroeder. Im Winter sterben deswegen ganze Bienenvölker aus.

Anders als Honigbienen leben Wildbienen nicht in Völkern. Sie sind alleine unterwegs und suchen sich selbstständig Unterschlupf. Wildbienen sind robuster als ihre gezähmten Geschwister; sie fliegen etwa bei niedrigen Temperaturen. Besonders Obstbauern profitieren davon.  Das ergab eine Studie der Uni Freiburg.

Schroeder möchte seine Wildbienenkolonie nicht mehr missen. Er widmet ihnen eineinhalb Hektar seiner 18 Hektar großen Fläche. Ein Feld lässt er für die Bienen unbewirtschaftet; auf ein anderes sät er eine Blumenmischung namens „Bienenschmaus“. Das bringt zwar keinen Ertrag, aber Gründünger und hilft bei der Bodenverbesserung. Da die Felder nur gepachtet sind, muss der Eigentümer das Vorhaben absegnen. Mit Bienenwiesen gibt es kein Problem.

Beerenhof Schroeder in Traar, wegen Bienen,Wildbienen. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

„Wir wollten die Bienen schon längst umsiedeln, aber das hat nicht geklappt“, sagt Schröder. Die Wildbienen fühlen sich in dem Bambus so wohl, dass sie einfach nicht weg wollen. Also hat Schroeder Holzkästen ähnlich wie Vogelhäuschen gebaut, in denen er Bambusröllchen stapelt. Bald will er einen davon auf seine Blumenwiese setzen, damit die Bienen auf der Plantage ausschwärmen und die Blüten bestäuben.

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