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Stadthaus in Krefeld: Denkmalschutz wehrt sich

Stadthaus in Krefeld : Denkmalschutz wehrt sich

Die Obere Denkmalbehörde wehrt sich gegen den Eindruck, die Sanierung des Stadthauses mit überzogenen Forderungen maßlos zu verteuern. Der Eiermann-Bau wird als Objekt von nationaler Bedeutung eingeschätzt.

Die Denkmalschützer vom Amt für Denkmalpflege beim Landschaftsverband Rheinland (LVR-ADR) fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt und widersprechen dem Bild, sie würden mit aberwitzigen Forderungen die Sanierung des Stadthauses unbezahlbar machen. Sie widersprechen auch der Darstellung vom angeblich maroden Stadthaus: "Im Vergleich zu den meisten anderen Gebäuden dieser Zeit ist es außergewöhnlich gut erhalten und weist sowohl außen als auch innen noch weitgehend originalen Baubestand auf", heißt es in einer Erklärung auf Anfrage unserer Redaktion; "insofern ist das Stadthaus weit über Krefeld hinaus von erheblichem öffentlichen Interesse und verlangt ein verantwortliches und nachvollziehbares Vorgehen im Zuge der Sanierung."

Für den LVR ist der Eiermann-Bau ein "Objekt von nationaler Bedeutung". Die Abstimmung zwischen Stadt und Denkmalschutz sei wenig konfliktgeladen gelaufen; sie sei "in weiten Teilen zu einem einvernehmlichen, guten Ergebnis gekommen". Nur wenige Punkte "konnten abschießend noch nicht geklärt werden". Dazu zählt der Umgang mit den Fenstern. Die Stadt möchte die meisten Fenster gegen moderne austauschen - der LVR will sie mehrheitlich erhalten.

Die Stadt war, wie berichtet, nach der Probesanierung eines Fensters zu dem Ergebnis gekommen, dass die Fenster nicht zugdicht aufgearbeitet werden können. Da es so in den Büros permanent ziehen würde, entsprächen die Fenster nicht modernen Arbeitsstättenrichtlinien. Die LVR-Denkmalschützer sind davon nicht überzeugt.

Die Original-Stahlfenster weisen nach Aussage der LVR-Metallrestauratoren "eine sehr gute Materialqualität und Verarbeitung" auf, seien in erstaunlich gutem Zustand. "Es handelt sich um herausragende, hoch qualitätvolle und sanierungsfähige Fenster". Das Ergebnis der Probesanierung sei "sehr gut" gewesen. Der LVR wirft der Stadt vor, die Abdichtung der Rahmen unzureichend getestet zu haben - mit nur einem Versuch "unter schlechten Bedingungen". Die Fenster dürften nicht "ohne nachvollziehbare Prüfung geopfert" werden.

So sieht der LVR-ADR viele Fragen offen, die mit Stahlrestauratoren, Glas -und Stahlfensterbauern noch zu klären seien. Ein Satz zeigt, wie tief die Debatte in technische Details reicht: "Stellt die fehlende thermische Trennung der Stahlfensterrahmen nach Einbau einer Isolierglasscheibe anstelle einer der Verbundfensterscheiben und bei Einbau einer Innendämmung tatsächlich ein reelles Problem dar, oder handelt es sich um ein rechnerisch-theoretisches Problem der Standardberechnungen?" Um zu prüfen, ob sich Kondenswasser an den Fenstern über Heizungselemente verhindern lässt, hat der Denkmalschutz "Klimasimulationen" vorgeschlagen.

Das aber hat die Stadt nach Auskunft von Planungsdezernent Martin Linne abgelehnt, eben weil sie davon ausgeht, dass das Ergebnis feststeht - die Fenster sind demnach nicht dicht zu bekommen. Der Denkmalschutz will auch prüfen lassen, ob "eine zweite Fensterebene innerhalb der heutigen Fenster" eingebaut werden könnte. "So müssten die Bestandsfenster geringfügig instandgesetzt, nicht aber aufwendig saniert werden."

Erst wenn alle Möglichkeiten nachvollziehbar durchgeprüft und verworfen sind, wollen die LVR-Leute einem Austausch der Fenster zustimmen. Für diesen Fall sollten die Original-Fenster in Nicht-Büroräumen saniert werden.

Was die Erhaltung der Fassadenfliesen und der Originaltüren angeht, zeigt sich der Denkmalschutz überrascht, dass sie nun wegfallen soll. Hintergrund ist eine Marktumfrage der Stadt bei Firmen, die für die Sanierung in Frage kämen. Die Unternehmen hatten eindeutig rückgemeldet, dass die Sanierung der Fenster, der Türen und der Fliesen ein zu hohes finanzielles Risiko darstellt.

Der Denkmalschutz betont, die Erhaltung der Fliesen oder der Innentüren sei im Abstimmungsprozess nie in Frage gestellt worden. "Sie waren Teil des Gesamtkonzepts, das durch das Architekturbüro in Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde und dem LVR-ADR entwickelt und im Februar 2016 vorgestellt wurde."

(RP)