Krefeld: Denkmalschutz - Fahrräder unerwünscht

Krefeld : Denkmalschutz - Fahrräder unerwünscht

Bahnpendler, die mit dem Fahrrad zum Hauptbahnhof kommen, haben Mühe, ihr Rad irgendwo anzuschließen, denn moderne Fahrradständer fehlen. Die Radstation wird kaum genutzt, soll aber dennoch erweitert werden.

Mit geballter Frauenpower wollen sich die beiden Vorsteherinnen der Bezirke Mitte und Süd dafür einsetzen, dass der Hauptbahnhof bessere Fahrrad-Abstellplätze bekommt. Startschuss für das Vorhaben war jetzt ein gemeinsamer Ortstermin, zu dem sich Gerda Schnell und Gisela Brendle-Vierke getroffen haben.

Zwei Problemfelder sehen die beiden SPD-Frauen rund um den Krefelder Bahnhof, wie Brendle-Vierke erklärt: "Zum einen gibt es dort so gut wie keine Fahrradständer, insbesondere nicht an der der Innenstadt zugewandten Seite. Zum anderen werden aufgrund dieses Mangels sämtliche Absperrgitter und Laternenmasten in der Umgebung als Ankettmöglichkeiten für Räder genutzt, auch mit der unschönen Begleiterscheinung, dass darunter etliche offensichtlich nicht mehr fahrtaugliche Schrotträder sind." Die Fläche gehört der Bahn, die Verkehrssicherungspflicht hat aber die Stadt Krefeld.

140 Fahrräder werden bei dem Ortstermin auf dem Bahnhofsvorplatz gezählt - eins davon sogar mitten im Kreuzungsbereich einsam auf einer von Autos umtosten Verkehrsinsel. Die meisten Fahrräder aber stehen ordentlich in Reih' und Glied links des Haupteingangs. Dass auf großen, blauen Schildern darauf hingewiesen wird, Räder abstellen sei hier nicht erlaubt, interessiert die Fahrrad-Pendler offenbar nicht. Und auch, dass nur 100 Meter entfernt Drahtesel gegen kleines Entgelt in der Radstation untergestellt werden können, ist entweder nicht bekannt oder trifft nicht den Bedarf der Radler: Dort werden, so lautet die Auskunft, täglich nur 20 bis 25 Fahrräder abgegeben. Platz hätte die von der Diakonie Krefeld/Viersen betriebene Station eigentlich für mehrere hundert Fahrräder.

"Der Platz vor dem Bahnhof wäre ideal, um dort eine ausreichende Anzahl von modernen Fahrradbügeln zu installieren", sagt Gerda Schnell. "Das wäre auch gut für das Image der Stadt", ergänzt Brendle-Vierke. "Ich meine, dass man den Bürgern die Möglichkeit geben muss, ihre Räder vernünftig abzustellen. Das gehört einfach in eine neue, moderne Welt." Doch das ist weder vonseiten der Stadt noch der Bahn gewünscht. "In Absprache mit der Bahn werden keine Fahrradständer auf dem Vorplatz gewünscht", teilt eine Stadtsprecherin auf Anfrage unserer Redaktion mit. Und weiter: "Unter anderem bestehen Bedenken seitens der Stadt Krefeld aus denkmalpflegerischen Gründen." Fahrräder könnten in der Radstation abgegeben werden. Die Stadt will außerdem eine steigende Nachfrage nach diesen Plätzen erkannt haben und plant daher für 2020 eine neue Radstation am Südausgang des Bahnhofs, um dieser gerecht zu werden.

Gerda Schnell sind insbesondere die schrottreifen Räder, die teils nur noch in Fragmenten an den Gittern entlang der Straße hängen, ein Dorn im Auge. Sie hat bereits ein Gespräch mit dem Fachbereich Ordnung dazu geführt. "Tatsächlich ist es so, dass die Räder nicht regelmäßig entfernt werden, sondern nur dann, wenn Bürger anrufen und diese melden", berichtet sie. Ausnahme sei eine Aktion zum "Tag des Sehens" im vergangenen Oktober gewesen, der Anlass für eine Begehung und Entfernung der Schrotträder entlang der Blindenleitspur war. An der Südseite ist dies aber wohl vergessen worden: Dort stehen die einzigen Fahrradbügel, die es am Hauptbahnhof gibt: 22 Stück, einige davon kaputt, bestückt mit einer Vielzahl von Fahrrad-Wracks.

"Ich finde, die Stadt müsste rund um den Bahnhof in einem gewissen Rhythmus aufräumen, vielleicht vier Mal im Jahr, oder so", fordert Gerda Schnell. Beide Bezirksvorsteherinnen wollen nun in ihren jeweiligen Gremien das Thema Fahrradständer mit Anträgen und Anfragen an die Verwaltung vorantreiben.

(RP)
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