Denkmal Casino in Uerdingen: Abrissarbeiten beginnen

Uerdingen : Denkmal Casino: Abrissarbeiten beginnen in der nächsten Woche

Die Dokumentation über das Casino ist fertig. Die zukünftige Nutzung des Grundstücks am Uerdinger Rheinufer ist laut Covestro noch unklar.

Die Arbeiten zum Abriss des denkmalgeschützten Casinos am Uerdinger Rheinufer beginnen Anfang der kommenden Woche. Das teilte der Eigentümer Covestro AG am Mittwoch mit. Rund ein Jahr, nachdem die Stadt Krefeld die Genehmigung zum so genannten Rückbau erteilt hatte, wird das architektonische und zeitgeschichtliche Juwel dem Erdboden gleichgemacht. Bis es so weit war, musste die Gesellschaft die Gerichte bemühen. Am Ende der Verfahren war klar, dass sich die Immobilie nicht mehr wirtschaftlich betreiben lässt.

Auflage für die Erteilung der Abrissgenehmigung war eine umfangreiche denkmalrechtliche Dokumentation des Gebäudes. Diese sei mittlerweile erfolgt, teilte Covestro am Mittwoch mit. Auch die letzten behördlichen Freigaben für die Entsorgung des Bauschutts lägen bereits vor, so dass mit dem Rückbau begonnen werden könne. Die Arbeiten würden voraussichtlich bis Anfang des Jahres 2020 andauern.

„Aufgrund drastisch sinkender Besucherzahlen und eines sehr hohen Modernisierungs- und Sanierungsbedarfs kann das Gebäude seit Jahren nicht genutzt werden. Auch künftig ist weder die alte Funktion als Kantine noch eine neue Nutzung denkbar – selbst wenn größere Investitionen getätigt würden. Daher ist der Rückbau die wirtschaftlich sinnvollste und auch einzige Lösung“, sagte Jan Lüben, Geschäftsführer der Covestro First Real Estate GmbH. Noch sei nicht klar, wie die Fläche in Zukunft genutzt werden solle. „Das Grundstück im Hafengebiet hat für uns große Bedeutung. Für alle Planungen gilt, dass wir Gebäude- und Grundstückspotenziale verantwortungsvoll nutzen werden“, betonte Lüben.

Das Bayer-Casino wurde von dem aus Krefeld stammenden Architekten Helmut Hentrich geplant und 1961 eröffnet. In dem Gutachten der Denkmalpflege vom Landschaftsverband Rheinland heißt es, an der Erhaltung des Casinos bestehe „aus architekturgeschichtlichen und geschichtswissenschaftlichen Gründen ein öffentliches Interesse“. Neben der architektonischen Qualität veranschauliche das Casino ein Stück Sozialgeschichte: Die Modernität der Architektur kontrastiert eigentümlich mit der strikten Hierarchisierung zwischen Direktion, Angestellten und Arbeitern, die im Inneren des Gebäudes zum Ausdruck kommt: „Die innere Struktur des Casinos veranschaulicht die soziale Trennung der Werksangehörigen und ist daher sozialgeschichtlich bedeutend“, heißt es in dem Gutachten.

Offensichtlich nicht bedeutend genug: Würde das Gebäude ein überregional oder gar national bedeutendes Denkmal darstellen, hätten Land oder Bund auf einem Erwerb bestehen können. Stattdessen rollen nun die Abrissbagger an.

Mit einem Umsatz von 14,6 Milliarden Euro im Jahr 2018 gehört Covestro nach eigenen Angaben zu den weltweit größten Polymer-Unternehmen. Es produziert an 30 Standorten weltweit und beschäftigt rund 16.800 Mitarbeiter (umgerechnet auf Vollzeitstellen).

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