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Krefeld: Den Stadtwerken Krefeld droht ein Kraftwerks-Desaster in Hamm

Krefeld : Den Stadtwerken Krefeld droht ein Kraftwerks-Desaster in Hamm

Müssen die Stadtwerke ihr Invest ins Steinkohlekraftwerk Hamm von geschätzt gut 30 Millionen Euro komplett abschreiben? RWE soll nur einen Euro für SWK-Anteile bieten.

Endet die Beteiligung der Stadtwerke Krefeld (SWK) am Steinkohlekraftwerk in Hamm (Gekko) im finanziellen Desaster? Nach Berichten des Nachrichtenmagazins Spiegel droht der Totalverlust. Demnach soll der Betreiber RWE den mitbeteiligten Stadtwerken einen Kaufpreis von einem Euro für den Ausstieg aus dem Invest angeboten haben. Schätzungen zufolge sollen die SWK gut 30 Millionen Euro für ihre 1,63 prozentige Beteiligung (25-Megawatt-Scheibe) gezahlt haben. Gekko werde zur stärksten Belastung für die SWK, hatte Vorstand Carsten Liedtke bei der Vorstellung des Jahresergebnisses für 2014 gesagt. Derzeit verliere der Krefelder Konzern jährlich sieben Millionen Euro.

Zum Hintergrund: Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte beim ersten Spatenstich für das Steinkohlekraftwerk von einer zukunftsweisenden Investition gesprochen. "Darauf haben wir uns verlassen", sagte Liedtke. Doch dann habe die Bundesregierung nach der Atomkatastrophe in Fukushima eine energiepolitische Kehrtwende vollzogen und damit "billigend in Kauf genommen, dass die Betreiber fossiler Kraftwerke notleidend werden und womöglich in die Insolvenz gehen", erklärte Liedtke.

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Zum Steinkohlekraftwerk in Hamm: RWE hatte Stadtwerke mit einem üppigen Renditeversprechen von 6,5 Prozent zum Invest in den Neubau gelockt. 23 Stadtwerke konnten der Aussicht auf geschäftlichen Erfolg nicht widerstehen und beteiligen sich mit insgesamt 23 Prozent an dem Vorhaben. Doch der Bau stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Die Inbetriebnahme verzögerte sich, und auch die kalkulierte Baukosten von zwei Milliarden Euro waren nicht zu halten. Mit mehr als zweijähriger Verspätung ging einer der beiden Blöcke ans Netz. Der zweite ist bis heute nicht in Betrieb. Undichte Schweißnähte am Kessel, eingelaufene Salzsäure - es gab immer wieder neue Probleme beim Bau durch den französischen Konzern Alstom.

Statt der seit 2012 erwarteten Einnahmen hieß es auch für die SWK warten. Warten darauf, dass das Kraftwerk Strom produziert. Laut Medienberichten haben sich die Stadtwerke allerdings für einen Zeitraum von 20 Jahren zu einem festgelegten Preis verpflichtet, Energie vom Kraftwerk abzunehmen. Der Preis schien damals bei Vertragsabschluss angemessen. In der Zwischenzeit hat es jedoch an der Strombörse in Leipzig einen regelrechten Preisverfall gegeben. Das liegt an den zusätzlichen Stromeinspeisungen ins Netz, die aus Fotovoltaik und Windkraft stammen.

Bisherigen Äußerungen zufolge haben die Stadtwerke auf Schadensersatzzahlungen von Alstom gehofft, die als vermeintlich Schuldige der Verzögerungen bei der Fertigstellung des Kraftwerks ausgemacht worden sind. Der Vorstoß der RWE, der SWK und den anderen Stadtwerken einen Euro für den Ausstieg aus dem Kraftwerksprojekt zu zahlen, dürfte deutlich machen, wie ernst die Lage auch für die 100-prozentige Tochter der Stadt Krefeld ist.

(RP)