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Das Theater Krefeld zeigt das Schauspiel „Mein Kühlraum“ von Joel Pommerat

Theater Krefeld : Das Leben ist ein Supermarkt

Das Theater zeigt das Schauspiel „Mein Kühlraum“ des französischen Autors und Theatermachers Joel Pommerat. Samstag, 15. Februar, ist Premiere. Was Sie übers Stück und den außergewöhnlichen Theatermann wissen müssen.

„Es wird nicht leicht sein, diese Geschichte zu erzählen“ ist der erste Satz im Stück. Na, bravo. Da wird sich ein Regisseur bedanken. Erst Recht, wenn er vier Wochen vor der Premiere verpflichtet wird. Nicht so, wenn der Regisseur Gerhard Willert ist. Denn der ist nicht nur eng mit dem Autor befreundet, sondern deutschlandweit  einer der beiden einzigen Regisseure, die Joel Pommerats Schauspiel „Mein Kühlraum“ bereits in Szene gesetzt haben. Ein Glücksfall fürs Theater Krefeld Mönchengladbach, dass Willert Zeit hatte und für den erkrankten Hüseyin Cirpici einspringen konnte, der mit dem Konzept bereits begonnen hatte. Und das war ziemlich dunkel. Was wiederum auch ein Glücksfall war. Denn „Noir“ spielt bei Pommerat eine wichtige Rolle.

Nun also Willert. Auch er sagt: „Es wird nicht leicht sein, diese Geschichte zu erzählen“. Denn Pommerat, den Willert vor vielen Jahren fürs deutschsprachige Theater entdeckt hat, hält inhaltlich viele Bälle in der Luft. Alltag und Schicksale mischt er in einer ganz eigenen Theatersprache.

Was ist die Geschichte? Sie spielt in einem Supermarkt. Monsieur Blocq ist ein mieser Chef, der seine Position weidlich ausnutzt. Seinen acht  Angestellten eröffnet er eines Tages, dass er nicht mehr lange zu leben habe und ihnen den Laden vermache – unter der Bedingung, dass sie künftig einmal im Jahr einen Tag lang seiner gedenken, und zwar öffentlich. Estelle, das Seelchen im Team, hat die Idee, das Leben Blocqs als Theaterstück  aufzuführen.

Warum „Mein Kühlraum“?  Der Kühlraum im Supermarkt steht für die Arbeitswelt, das Possessivpronomen suggeriert, dass es um weit mehr als berufliche Strukturen geht. Es ist einen Bereich, in dem Macht ausgeübt, erlitten oder angestrebt wird. Dramaturg Martin Vöhringer spricht von einem Dampfkessel, in dem es tüchtig brodelt.

Wie entstehen Pommerats Stücke? Der Franzose (geboren 1963) entwickelt seine Stücke während der Arbeit mit seinem Team. Schreiben und Inszenieren sind für ihn ein nicht trennbarer Prozess. Willert erzählt von einem „kleinen Vertrag“, den der Franzose 1992 mit seinem Ensemble geschlossen hat: Man bleibt für die nächsten 40 Jahre zusammen, und Pommerat schreibt ihnen in jedem Jahr ein Stück. Seit 28 Jahren funktioniert es.

Wer ist Joel Pommerat? Der Franzose bezeichnet sich selbst als Autor von Aufführungen, Praktiker der Bühne oder Hersteller von Stücken. In Frankreich zählt er zu den wichtigsten zeitgenössischen Theaterautoren. Seinen nationalen Durchbruch hatte er 2003 beim Festival in Avignon, als zwei seiner Produktionen gezeigt wurden.

Was bedeutet das „Noir“? In der Fachsprache heißt es „Black“ und beschreibt, dass Szenen  aus einem kosmischen Schwarz heraus auftauchen, leuchten und wieder im Schwarz versinken. „Mein Kühlraum“ besteht aus rund 60 Szenen, manche sind nur ganz kurz. Zwischen den Szenen entsteht eine Art „Betrachtungslücke“, die der Zuschauer mit eigenen Empfindungen füllen soll. „Danach nimmt man die nächste Szene anders wahr“, erklärt Willert.

Wie kompliziert ist das Ganze? Gar nicht, betont Vöhringer. Mit klarer Sprache entfalte der Autor eine „ungeheure Welthaftigkeit“. Er trifft also den Alltag mit scheinbar unaufwändigen Mitteln, „aber nachhaltig“ und gerade deshalb sehr poetisch.

Wann geht es los? Premiere ist am Samstag, 15. Februar, 19.30 Uhr, im Theater Krefeld. Kartenreservierungen unter Telefon 02151 805125. Weitere Termine: 1., 8., 19. März, 3., 8., 25. April und 1. Mai.