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Das Theater Krefeld bringt "Tschick" auf die Bühne - alle Vorstellungen sind ausverkauft

Theater Krefeld : Bestseller „Tschick“ auf der Studiobühne

Schon vor der Krefeld-Premiere am 4. März in der Fabrik Heeder sind alle Vorstellungen ausverkauft. Mit ihrer Inszenierung will Maja Delinic mehr als einen Roadtrip abenteuerlustiger Jugendlicher zeigen.

Die Situation ist schon ein bisschen schräg: Zwei Jungs klauen ein Auto, um der Öde der Sommerferien zu Hause zu entkommen und cruisen ohne Navy und Karte durch die deutsche Provinz. Wer Wolfgang Herrndorfs  2010 erschienenen Roman „Tschick“ nicht gelesen hat, der hat zumindest davon gehört oder Fatih Akins gleichnamigen Film gesehen. Maja Delinic war anfangs skeptisch, als das Theater Krefeld/Mönchengladbach ihr die Regie anbot. Dann hat sie das Buch gelesen und: „Ich hatte Tränen in den Augen. Es hat mich richtig mitgenommen, was die beiden auf ihrer Reise erlebt haben. Das ist mehr als der Roadtrip von Jugendlichen, die sich eine Gaudi machen. Die Geschichte ist auch todtraurig“, sagt sie. Denn es geht um die Einsamkeit vernachlässigter Kinder, die ganz auf sich selbst gestellt sind, weil die Eltern nicht da sind. Am Mittwoch, 4. April, ist Krefeld-Premiere in der Fabrik Heeder.

Die Premiere ist ausverkauft, auch für alle weiteren bis Mitte Juni geplanten Vorstellungen gibt es keine Karten mehr. „Wir versuchen, zusätzliche Plätze zu schaffen und weitere Vorstellungen zu disponieren“, sagt Sabine Mund, im Theater zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. In Mönchengladbach, wo das Stück bereits abgespielt ist, war ebenfalls bei allen Aufführungen jeder Platz besetzt. „Wir können nur raten, an der Theaterkasse nachzufragen; eine Abendasse wird es sicher nicht geben.“

Die Geschichte trifft nicht nur Maja Delinic ins Herz. „Tschick“ ist mit mehreren Literaturpreisen bedacht worden, in 25 Ländern erschienen und allein in Deutschland mehr als  zwei Millionen Mal verkauft worden. Es gibt eine Theaterfassung, die auch den Rahmen für die Inszenierung von Delinic bildet.  Doch sie hat auch Veränderungen vorgenommen: Die Schauspieler sind „um die 30“, die will sie nicht auf Teenager trimmen. Deshalb zeigt sie Maiks Innenwelt. Er springt in seine Erinnerungen. „Das macht es möglich, dass man alles behaupten kann“, sagt Delinic. Maik ist die zentrale Figur in ihrer Geschichte. Er ist der Junge mit der alkoholabhängigen Mutter, dessen Vater ihn in der Villa mit Pool allein lässt, um mit seiner Sekretärin zu verreisen. Tschick, der Russlanddeutsche aus der Sozialbau-Siedlung, ist Maiks alter ego: „Weil er zu einem Teil der ist, der Maik gerne wäre, und zu einem Teil der, den Maik braucht, um  er selbst zu werden“, so die Regisseurin. Tschick, sagt sie, sei eine Kunstfigur, die „vor nichts Angst hat“.

Philipp Sommer spielt den Maik, Henning Kallweit den Tschick, und Carolin Schupa ist in mehreren Rollen zu sehen – unter anderem als Isa, das Mädchen von der Müllkippe, das Maik und Tschick auf ihrer Reise treffen. „Die drei agieren wunderbar zusammen“, schwärmt Delinic. Und das sei kein Wunder. Denn die Regisseurin, die Theater liebt, wenn es physischen Einsatz zeigt, hat dem Team Körpertraining verpasst: täglich eine bis anderthalb Stunden. „Das schweißt zusammen.“

Bühne und Kostüme verantwortet Ria Papadopoulou. Große Spiegelelemente, die sowohl funktionale wie sinnbildliche Aufgaben haben, werden die Bühne bestimmen. Der Jazzmusiker Clemens Gutjahr hat die Musik zum Stück geschrieben, und Peter Issig gibt der Produktion mit Videos eine zusätzliche Dimension.

„Es gibt viele Leitmotive im Stück, die kann der Zuschauer erkennen, er muss es aber nicht“, sagt Maja Delinic. Eines ist das Wasser, ein anderes das Doppelgänger-Motiv. „Theater muss keine Antworten geben, aber Fantasie anregen.“