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Das Theater Blaues Haus in Krefeld dreht sein Puppenspiel "Moby Dick" im Stadtbad

Kultur in Krefeld : Moby Dick schwimmt im Stadtbad

Das Theater Blaues Haus erzählt die Geschichte vom weißen Wal als Puppenspiel. Jetzt wurde aus der Inszenierung ein Spielfilm, der ab Freitag online zu sehen ist. Gedreht wurde im ehemaligen Freibad an der Neusser Straße.

Nachts in einem stillgelegten Schwimmbad. Die Luft ist lau. Der Vollmond beleuchtet die Kulisse. Der Streit rivalisierender Katzen ist zu hören, und ab und zu heult die Sirene eines Krankenwagens. „Es war eine faszinierende Atmosphäre“, sagt Philip Lethen. Er spricht von einem magischen Ort. Und alle Beteiligten stimmen dem Ideengeber der Initiative Theaterplatz (ITP) zu. Gemeinsam mit dem Verein Freischwimmer, der das leerstehende Stadtbad an der Neusser Straße als „Raum für Initiativen“ mit zahlreichen Aktionen etablieren will, und dem Theater Blaues Haus hat Lethen vor Ostern hier ein Projekt umgesetzt, das am Freitag, 24. April, 19 Uhr, im Livestream zu sehen sein soll: „Moby Dick“ als Film in außergewöhnlicher Kulisse.

Der Wal, dessen Geschichte das Theater Blaues Hauses seit gut zwei Jahren im Repertoire hat, ist nicht nur auf der eigenen Bühne in Hüls aufgetreten, sondern hatte  im vergangenen Jahr im Zelt auf dem Theaterplatz bereits große Auftritte. Wobei der Wal persönlich ja gar nicht... Aber das soll nicht verraten werden, um denen, die das Spiel noch nicht gesehen haben, die Spannung nicht zu verderben. Open air und vor der Kamera hat Volker Schrills seine Puppen allerdingsnoch nie auftreten lassen. Das ist eine Premiere.

Bei Vollmond wurde der Film „Moby Dick“ mit dem Puppentheater Blaues Haus im Freibadbereich des Stadtbads Neusser Straße gedreht. Videoprojektionen beziehen die Architektur als Spielfläche ein. Foto: Marcel Beging

„Für die Initiative Theaterplatz waren Großveranstaltungen bis September in Planung. Jetzt mussten wir kurzfristig sehen, was in Corona-Zeiten kreativ möglich ist, und woran viele Krefelder kostenlos teilhaben können“, sagt Lethen.  Verträge mit Künstlern abzuschließen, die dann nicht eingehalten werden könnten, sei keine Option. Die Initiative „Freischwimmer“  war da die Lösung. Sie passte perfekt mit dem Themenort „Wasser“ zum Wal. „Wir sind Deutschlands erstes Funkwellenbad“, sagt Vorsitzender Marcel Beging. „Unser Anspruch ist es, kreativen Ideen Raum zu geben.“ Er sei gleich vom Konzept begeistert gewesen.

Volker Schrills (l.) mit der Puppe des Propheten Elias und Initiator Philip Lethen auf dem Freibadgelände. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

„Moby Dick“ ist geradezu geschaffen für die Schutzauflagen dieser Wochen: Es gibt nur einen Spieler, vier Kameras (eine Totale, zwei Halbtotale und eine für Close-up-Aufnahmen), zwei große Scheinwerfer. Also ein ganz kleines Team, das auf Abstand agieren kann. Und es gibt kein Publikum. Was die Akteure wiederum bedauern. Denn die Inszenierung von René Linke, die das Krefelder sputnic-Team mit atmosphärischen Videosequenzen ergänzt, macht sich prächtig in der Kulisse. Gedreht wurde im Außenbereich, dort wo früher das Freibad mitten in der Stadt Schwimmer anlockte. Die von Wetter und Verfall gezeichnete Anlage hat einen morbiden Charme. Die Architektur des Schwimmbadgebäudes ist zusätzliche Spielfläche für den Film. Vor der einst strahlendweißen Gebäuderückwand wurde eine fünf mal vier Meter große angeschrägte Bühne errichtet. Der unebene Untergrund wurde dafür eigens egalisiert. Wie ein schwarzes Loch wirkt die Bühne vor der hellen Wand. Geheimnisvoll.

Der Walgesang – von einem Kontrabass erzeugt – und die Stimme Schrills, die mit Halleffekten verstärkt wird, gewinne in diesem Ambiente noch an mystischer Kraft, findet Lethen. „Es ist ein beeindruckendes Stück an einer beeindruckenden Location.“ PuppenspieIer Schrills stimmt zu: „Hier kommt jetzt durch die Inszenierung noch eine Ebene hinzu.“

Das Sprungbrett weist noch auf die Zeit hin, als sich hier Schwimmer tummelten. Das Bad ist eines der ältesten noch erhaltenen Innenstadt-Freibäder Deutschlands. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Übrigens empfehlen die Akteure „Moby Dick“ nicht  für jüngere Kinder. Die Geschichte vom erbitterten Kampf zwischen Kapitän Ahab und dem Wal nach dem Roman von Herman Melville, sei zu düster. „Aber das passt gut in diese Zeit“, findet    Lethen. Nicht minder wichtig sei es, gerade jetzt „Lebenszeichen der Kultur“ zu setzen: „Man kann sich mit dem Stillstand nicht zufrieden geben. Man muss sehen, was jetzt möglich ist“.