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Das Textilmuseum Krefeld erforscht im Langzeitprojekt „Ans Licht“ präkolumbische Funde

Textilmuseum Krefeld : Geheimnisvolle Stoffe aus Peru

Das Textilmuseum besitzt eine große Zahl präkolumbischer Textilien. Die werden zurzeit erforscht im Langzeitprojekt „Ans Licht“.

Behutsam nimmt Katalin Nagy leise knisterndes Seidenpapier von mehreren farbigen Stoffen herunter: In der Bibliothek des Deutschen Textilmuseums sind einmal mehr Schätze aus dem eigenen Bestand zu bestaunen: Textilien aus Peru – die meisten von ihnen aus der Zeit vor Kolumbus.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit den „Präkolumbischen Textilien“ ist die dritte Stufe des Förderprojekts „Ans Licht“. Die Sparkassenkulturstiftung finanziert es über fünf Jahre hinweg mit jeweils 50.000 Euro. Die kostbaren Stücke werden zum Abschluss des Projektes in einer Ausstellung zu sehen sein – sie ist für Winter 2021 geplant. Bis dahin wir die gebürtige Ungarin Katalin Nagy sich mit den etwa 800 Stücken befassen, die dem Museum gehören. Sie stammen alle aus dem Gebiet des heutigen Peru und aus dem nördlichen Bolivien. Das trockene Klima an der Küste des Pazifik ist Grund dafür, dass diese Stücke erhalten sind.

Ein Männergewand aus Peru in der sammlung des Textilmuseums: Zu sehen ist die Rückseite. Das Gewebe, seine Struktur, die Farben und Muster werden jetzt erforscht. Foto: DTM

Nagy, Textilingenieurin, Ethnologin und Altamerikanistin, ist begeistert von ihren Forschungsobjekten: „Es ist schön, an dieser farbenfrohen Sammlung arbeiten zu dürfen. Diese Textilien müssen besonders geschützt werden, denn sie sind unersetzlich.“ Neben die jahrhundertealten Stücke mit Vögeln oder Andenhirschen hat sie auch solche aus unserer Zeit gelegt, denn sie sind in der Traditionslinie von Mustern und Motiven. „Es ist eine faszinierende Sammlung mit großer Vielfalt“, sagt die Wissenschaftlerin, „hier wurden von Anfang an, seit 1880, peruanische Textilien gesammelt.“ Schätzungsweise gehörten zum Grundstock der Gewebesammlung mit insgesamt etwa 4000 Stücken 150 bis 200 peruanische Textilien. Bekannt ist auch, dass Renate Jaques, nach dem Krieg Leiterin des Textilmuseums, sich für ein halbes Jahr für eine Reise durch Südamerika freistellen ließ und dort für das Museum einkaufte. Museumsleiterin Annette Schieck: „Es ist die Arbeit von Frau Nagy, die Beweggründe für den Ankauf dieser Textilien zu untersuchen.“

Zunächst muss sie sich aber einen Überblick verschaffen. „Das älteste Stück stammt aus der Zeit 400 vor Christus“, sagt Nagy. Die Eroberung durch die Spanier setzte 1532 ein – es geht also um Funde aus fast 2000 Jahren. Viele Stämme lebten im heutigen Peru, einer der bekanntesten waren die Inkas. Deren Reich erstreckte sich in seiner größten Ausdehnung von Kolumbien bis Chile und wurde von den Spaniern zerstört. „Die meisten Stücke sind aus der Zeit vor den Inkas“, sagt Nagy. Sie führt zahlreiche Listen, in denen sie die gesichteten Stücke nach bestimmen Kriterien zusammenordnet. Zum Beispiel nach dem Motiv eines Paares im rituellen Tanz. Oder nach den Tieren wie Vögeln oder Andenhirschen. Oder nach dem Material: Wolle oder Baumwolle. Erstere stammen dann aus den Anden – gesponnen aus dem Haar von Alpakas oder Lamas. Letztere wurde an der Küste angebaut und verarbeitet – eine Baumwollart, die nur hier wächst. Oder nach der Fadenzahl der Gewebe. Oder nach der Qualität des Garns. Es sollen auch die Färbemittel und Farben der Textilien bestimmt werden.  Nagy hat etwa ein Drittel der präkolumbischen Textilien am Museum gesichtet. Am Ende wird sie alle Objekte erfasst haben und ihre kulturelle Einordnung vorgenommen haben. Ein erstes Ergebnis kann Schieck schon benennen: „Es wurde nach Vielfalt von Textiltechniken gesammelt.“