Krefeld: Das Spectaculum von Linn

Krefeld : Das Spectaculum von Linn

Geschichte zum Anfassen. Beim Flachsmarkt wurde gesponnen, das Eisen geschmiedet und Kerzen getaucht.

Den größten Andrang beim Flachsmarkt an der Burg Linn erlebte an diesem langen Wochenende einmal mehr das Ritterturnier auf der großen Wiese. Hunderte Menschen strömten zu den Wettkämpfen und gaben dem Kräftemessen der gerüsteten Recken ein Ambiente, wie es auch im tiefsten Mittelalter nicht besser hätte sein können.

Bei schönstem Frühlingswetter kamen über 45.000 Besucher in das Burgstädtchen. Die Stimmung war gut, das Angebot einmal mehr atemberaubend. Nicht nur Kinder kamen voll auf ihre Kosten. Foto: Thomas Lammertz

Die Geschichte: Einer der Kämpfer spricht schlecht über die holde Maid des Widersachers, der nun auf dem Turnierfeld mit Gottes Hilfe die Unschuld der Frau beweisen muss. Zu Pferde stritten die Ritter in verschiedenen Wettkämpfen im Lanzenreiten oder Axtwurf um Punkte und Erfolge. Doch auch ein direktes Duell im Tjost, dem Lanzenkampf gegeneinander, war ebenso Teil der Show wie ein Kampf der Leibwachen der beiden Widersacher.

Auch kulinarisch hat der Flachsmarkt viel zu bieten. Doch nicht jedem gefällt es, wenn sich das Schwein in Gänze am Spieß dreht. Fragen der Kinder, die ansonsten vor allem gepresstes Fleisch in Teighülle kennen, blieben bei diesem Anblick natürlich nicht aus. Foto: Lammertz Thomas

Aber nicht nur diese faszinierende Showeinlage begeisterte die unzähligen Besucher, die bei bestem Wetter - Sonnenschein und Temperaturen knapp über 20 Grad - an drei Tagen zum Flachsmarkt strömten. Dabei wirkt die Strahlkraft des historischen Marktes nicht nur auf die nähere Umgebung. Zwei Freundinnen, die namentlich ungenannt bleiben wollen, reisten eigens aus Frankfurt an. Das Besondere: Sie waren in traditionelle Kostüme gekleidet. Eine trug gar Bogen und einen Köcher mit Pfeilen sowie ein Trinkhorn. "Ich liebe solche Märkte und besuche sie häufig. Gern auch in solcher Kleidung", berichtete sie.

Die Kämpfe der Ritter sind traditionell ein Highlight beim Flachsmarkt. Unter ihrer schweren Rüstung schwitzten die Recken am Wochenende doch sehr. Dafür freuten sich die Besucher über das angenehme Wetter, das auch ein Picknick auf der Wiese zuließ. Foto: Lammertz Thomas

Eine andere Familie, auch sie möchten ungenannt bleiben, war mit drei Generationen da. "Ich bin in Meerbusch aufgewachsen und wohne jetzt in Bonn. Trotzdem kommen wir gern hier her, und auch für das Kind ist es natürlich toll", sagt der Vater, der mit Frau, zweijährigem Sohn und dessen Großvater über den Markt schlenderte.

NRW-Minister Karl-Josef Laumann eröffnete am Samstag den Flachsmarkt. Der CDU-Politiker lobte das Ambiente des historischen Marktes. Foto: Lammertz Thomas

Dabei gab es aber nicht nur Mittelalterliches zu bestaunen. Auch in die Neuzeit reichten die Vorführungen. So präsentierte die historische Feuerwehr Linn Löschequipment aus dem 19. Jahrhundert. Der Spritzenwagen war zu Mitte des Jahrhundertes hochmodern. Kurzerhand wurden Zuschauer rekrutiert und mussten pumpen, die Kinder bildeten eine Eimerkette. Und dann wurde ein Feuer mit vereinten Kräften gelöscht. Die Rekrutierung von Umstehenden war früher normal. Wer sich weigerte, konnte ins Gefängnis kommen.

Alte Handwerkskunst lebendig werden lassen, ist das Ziel vieler Aktiver. Hier wird ein Spinnrad vorgeführt. Foto: Lammertz Thomas

Ein Besucherpaar, das aus Norddeutschland stammt, interessierte sich für Sensen. Aussteller Adolf Schnöring, auch er aus dem Emsland, ist Sensendengler. Er zeigte dem Ehepaar, wie mit der Sense gemäht wird. Die beiden waren begeistert und wollen bald selbst mit einer Sense ihren Garten bearbeiten. Schnöring: "Und immer dran denken: Aus der Hüfte schwingen."

(RP)
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