Grüßen in Corona-Zeiten : Das neue Tschüss

Es gibt eine neue Grußformel für den Abschied: „Bleiben Sie gesund!“ Gelobt sei unsere schöne, reiche deutsche Sprache, die eine Befehlsform mit Wärme und Augenzwinkern zu verbinden vermag. Ein Loblied.

Dieser Tage  kann man es oft und oft hören: „Bleiben Sie gesund!“ oder beim vertrauten Du: „Bleib gesund!“ Wunder unserer schönen Sprache: Was in einer anderen Formulierung (Mach Platz!, Gib die Kaffeekanne! Hol den Wagen!)   nach Befehlston auf dem Exerzierplatz klingt, ist in diesem Kontext fast zärtlich, jedenfalls: zuvorkommend  und augenzwinkernd spaßig. Denn für Sprecher wie Hörer gilt die stille Übereinkunft: Ich weiß, dass du weißt, dass das kein Befehl ist, sondern ein freundlicher Wunsch von Mensch zu Mensch.

Streng genommen ist diese Äußerung nicht unbedingt sinnvoll. Ob man gesund bleibt, kann man sich nicht immer aussuchen. All die Corona-Infizierten in Ischgl haben nicht gewusst, dass sie in einer Bruthölle des Virus feiern; wie sich herausstellte, wussten die Behörden eine Woche lang von der Corona-Ankunft in ihrem Ort, ohne etwas zu unternehmen. An die Adresse der Verantwortlichen geht eine andere Redensart: Haben Sie noch alle Tassen im Schrank? Das Tolle an unser Sprache ist, dass kein Mensch Tassen meint, der so von Tassen spricht, sondern Vernunft. Im Falle Ischgl lautet die Antwort: In diesem Schrank ist verdammt viel Platz für Tassen.

So ist „Bleiben Sie gesund!“ eine Gelegenheit, sich näherzukommen, ohne sich nahe zu sein (was in Corona-Zeiten  gut ist). Man drückt Wertschätzung aus, Fürsorge. Ganz unaufdringlich. In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund! vo