Das Klimakonzept 2030 wurde in der VHS Krefeld vorgestellt.

Klima 2030 Krefeld : Klima 2030 sorgt für viel Kontroverse

Krefelds Antwort auf Klimawandel und Treibhausgasemissionen wird gerade im Klimakonzept 2030 erarbeitet. In der VHS stellten Vortragende von OB Frank Meyer bis zum Klimamanager von Neukirchen-Vluyn ihre Arbeit vor.

Fast voll besetzt ist das Foyer der Volkshochschule zur Veranstaltung Krefelder Klima 2030, als Moderator André Möller den Abend eröffnet und das Wort zunächst an Oberbürgermeister Meyer übergibt. Die Besucher erhoffen sich Konzepte und Aussagen, wie die Stadt Krefeld gedenkt, das Klima in den kommenden Jahren zu schützen, indem auf kommunaler Ebene Maßnahmen gegen Treibhausgasemissionen ergriffen werden. Es geht aber auch darum, wie sie sich auf Folgen des Klimawandels, zum Beispiel Starkregen oder heiße Tage, aber auch Dürren vorzubereiten gedenkt. Dabei zeigt sich bei den Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum aber auch, wie gespalten die Gesellschaft auch in Krefeld in dieser Frage ist.

Wer eine einfache Antwort auf diese Fragen erwartet, der wird, beinahe naturgemäß, enttäuscht. Das Thema ist komplex, und auch Meyer ruft in seiner Eröffnungsrede zu ge- und entschlossenem Handeln auf. „Viele Menschen sagen, sie könnten ohnehin nichts ändern, so lange Länder wie China oder USA so viel emittieren. Das ist aber falsch. Es ist wie bei einer Wahl. Die einzelne Stimme bewirkt wenig. Aber im Summeneffekt vieler Stimmen kann sich alles verändern“, vergleicht der Oberbürgermeister. Ähnlich sei es beim Klimawandel. Auch gehe es um Glaubwürdigkeit. „Deutschland kann nicht das Klima retten. Aber es kann Vorreiter sein. Hier geht es auch ein gutes Stück um Glaubwürdigkeit“, befindet er.

Zu Wort kommen auch verschiedene Gäste. So zum Beispiel Irina Blaszczyk, Klimaexpertin des Fachbereichs Umwelt- und Verbraucherschutz in Krefeld. Sie spricht über den Status quo, aber auch die Ziele und Probleme. „In NRW hat sich die Durchschnittstemperatur seit Beginn der Wetteraufzeichnung um 1,5 Grad erhöht“, sagt sie. Als Referenzpunkt gilt die Wetterstation am Düsseldorfer Flughafen. Ziel Krefelds sei es, hier gegenzusteuern. Dabei soll ab 2020 auch ein Klimamanager helfen. „Wir wollen diesen als vom Land geförderte Stelle bekommen. Die Prozesse dafür laufen bereits“, sagt sie.

Philine Barrawasser fragt für die Verbraucherzentrale: Müssen es an Weihnachten Erdbeeren sein? Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Vorbilder dafür gibt es bereits. So beispielsweise in der Nachbarkommune Neukirchen Vluyn. Die hat, obschon schwer vom Strukturwandel getroffen, bereits seit drei Jahren einen Klimamanager. Stefan Baur, so sein Name, trägt ebenfalls vor. Er stellt dar, welche Maßnahmen die Stadt seit seiner Inthronisierung ergriffen hat. „Es gibt ein Netzwerk der Klimamanager. Und immer mehr Städte schaffen diese Stelle. Bald wird es vermutlich Usus sein“, befindet er. Bei seinem Vortrag nehmen auch die Fragen aus dem Publikum zu. Sie offenbaren ein breites Spektrum an Einstellungen. Die Wortmeldungen gehen von viel Zuspruch und der Forderung nach viel mehr Klimaschutz bis hin zu totaler Ablehnung.

Ein Besucher sagt ganz klar: „Es geht nicht mehr darum, was möglich ist, mit Rücksicht auf die Wirtschaft und so weiter, sondern was nötig ist.“ Ein anderer Teilnehmer schießt dagegen und beschwört Horrorszenarios herauf. „Wenn ich kochen will, brauche ich Strom. Wir können doch nicht alle wieder in Höhlen ziehen“, sagt er. Viele andere Wortmeldungen liegen irgendwo dazwischen. Das Thema ist emotional, das ist spürbar. Entsprechend gerät der Zeitplan mehr und mehr aus dem Ruder. Am Ende wird sogar ein Redebeitrag gestrichen, da die Fragen Überhand nehmen. Dem gebietet Meyer Einhalt, indem er eine Folgeveranstaltung verspricht. „Wir werden einen weiteren Termin machen, an dem ich mit Frau Blaszczyk und andere Fragen beantworten werde“, verspricht er.

Viele Faktoren wirken auf das Klima ein und die meisten Effekte verstärken den Klimawandel. Die Grafik veranschaulicht einige sogenannte „Kipppunkte“ an denen Folgen entstehen, die nicht oder kaum reversibel sind. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Das ist auch nötig, denn mehrere Gruppen präsentieren danach im Muchesaal noch ihre Arbeit. Fridays for Future ist hier ebenso präsent wie das Wohnprojekt „Nutzergenossenschaft Samtweberviertel“ oder die Energieberatung NRW. Die Besucher stellen viele Fragen und informieren sich über Möglichkeiten, Energie zu sparen, Photovoltaik zu installieren oder über ihr Duschverhalten Energie und Wasser zu sparen. Die Diskussionen sind hier weniger kontrovers, als noch zuvor. Die Kritiker allerdings sind zumeist bereits gegangen. So kann diese Veranstaltung unter dem Strich nur ein Auftakt gewesen sein. Denn eins ist klar: Konkrete Ergebnisse fehlen noch. Das Klimakonzept ist gerade erst im Entstehen, und oft steckt die Stadt noch in der Analyse. Manchen, wie den Fridays for Future-Aktivisten, geht das nicht schnell genug. Darüber aber gehen die Meinungen, wie gesagt, deutlich auseinander.