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Das Junge Theater Krefeld stellte sich mit einem anspruchsvollen Programm vor

Theater Krefeld : Große Talentschau auf der Theaterbühne

Ein Dutzend junger Theaterleute sammelt in Krefeld Bühnenerfahrung. Mit einem anspruchsvollen Abend stellten sich die Sänger, Tänzer, Musiker und Schauspieler jetzt dem Publikum vor.

„Dass ich hier arbeiten darf, während fast alle meine Kollegen zurzeit nichts haben – dafür bin ich so dankbar“, erklärte der junge Israeli Avishay Shalom, der vor drei Monaten als Pianist und Dirigent neu zum „Jungen Theater Krefeld und Mönchengladbach“ gekommen ist, dem Publikum, dem er und seine Kollegen sich an diesem Abend vorstellen. Das spartenübergreifende, durch das NRW Kultursekretariat, das Ministerium für Kultur und Wissenschaft sowie durch zahlreiche Mäzene geförderte Projekt mit derzeit vier Sängern, zwei Tänzerinnen, einem Schauspieler, vier Orchestermusikern und einem Pianisten, die an den Vereinigten Bühnen Erfahrungen im professionellen Theaterbetrieb sammeln, bekommt in Coronazeiten noch eine weit tiefergehende Bedeutung.

Avishay Shalom stammt aus Haifa, hat in Tel Aviv und Cincinnati (USA) studiert. Er stürzte sich im Opernstudio sofort in seine vielfältigen Aufgaben (er war auch beim Konzert der unermüdliche, flexible und anpassungsbereite Begleiter am Flügel). Vor allem hat er hat eine Orchesterfassung für lediglich 21 Instrumente verfasst, damit die Donizetti-Oper „Don Pasquale“ am 28. November coronagerecht in Mönchengladbach Premiere feiern kann.

Der zweite Neuzugang, den Operndirektor Andreas Wendholz vorstellt, ist Robin Grunwald aus Dortmund, dessen farbenreicher, ganz ausgeglichener Tenor nicht vermuten lässt, dass er bis vor einem Jahr noch Baritonpartien sang. Mit Schuberts „Ständchen“ – optisch wirkungsvoll unterstützt von den Tänzerinnen Julianne Cederstam und Alice Franchini (Choreografie: Francesco Rovea) – und dem amüsanten Operettenlied „Wenn wir Türken küssen“ aus Paul Abrahams „Ball im Savoy“  – hier begleitet von Viola Gaebel (Klarinette), Inka Jans (Cello), Justinas Kaunas, Violine und Tekla Varga (Querflöte) – machte er Lust aufs Wiederhören.

Einziger Schauspieler beim „Jungen Theater“ ist Raafat Daboul, der mit einem anrührenden, unter die Haut gehenden Ausschnitt aus dem Monolog „Dreck“ von Robert Schneider faszinierte.  Tekla Varga und Inka Jans verbanden sich vorbildlich mit dem Klavierpart im 1. Satz des Trios g-Moll von Carl Maria von Weber, während Maya Blaustein (Sopran), Viola Gaebel und Pianist Shalom einen hinreißenden „Hirt auf dem Felsen“ (Franz Schubert) präsentierten.

Mezzosopranistin Boshana Milkov war ein klangprächtiger, überzeugender Sextus (Mozart –„La clemenza di Tito“), und Geiger Justinas Kaunas zeigte berückende Innigkeit beim Intermezzo aus „Cavalleria rusticana“.  Dass das unverwüstliche „Granada“ auch in Baritonlage hervorragend klingen kann, demonstrierte mit großer Intensität der katalanische Sänger Guillem Batllori. Zum Schluss des mit viel Applaus bedachten Konzerts vereinigten sich alle  – plus Anne Heßling aus dem Opernchor – zum schwungvollen Quintett aus „Carmen“.