Das Großprojekt Brahms-Requiem in der Friedenskirche Krefeld ist bestens angekommen

Konzerte in Krefeld : Großprojekt Brahms-Requiem geglückt

Mehr als 100 Stimmen erklangen beim Deutschen Requiem in der bestens besuchten Friedenskirche. Die Musik spendete Trost im Novembergrau. Das Publikum spendete reichlich Beifall.

Das Deutsche Requiem von Johannes Brahms ist kein abendfüllendes Werk. So ergibt sich für jeden Dirigenten, der dieses epochale Opus, das eigentlich Weltkulturerbe werden müsste, aufführen möchte, die Suche nach einer passenden musikalischen Ergänzung. Klaus Peter Pfeifer, erfahrener Chorleiter und nun schon zum fünften Mal mit seinem Willicher Musikprojekt zu Gast in Krefeld, tat für das Konzert in der Friedenskirche das eigentlich Naheliegende: Er orientierte sich an der von Brahms selbst geleiteten Uraufführung am Karfreitag 1868.

Da an diesem Festtag ein Christusbezug nicht fehlen durfte, wählte der Komponist seinerzeit als zusätzliche Programmpunkte Auszüge aus Händels „Messias“, einige Werke von Johann Sebastian Bach und sogar das „Abendlied“ von Robert Schumann, mit dem – hier in einer einfühlsam interpretierten Fassung für Violoncello und Harfe – entsprechend auch das Konzert in der bestens besuchten Friedenskirche begann.

„Erbarme dich Gott“ –  die um Hilfe flehende Arie aus Bachs „Matthäuspassion“ –  sang im Anschluss daran die Altistin Esther Borghorst mit untadeliger Stimmführung, aber leider ein wenig distanziert. Dabei hatte ihr Philipp Wenger, der 1. Konzertmeister der Niederrheinischen Sinfoniker, der später auch das Andante aus Bachs Violinkonzert a-Moll mit klarer Tongebung intensiv darbot, so wunderschöne Violinpassagen vorgelegt.

Mit dem Messias-Chor „Seht an das Gotteslamm“ stellte sich das rund 100 Sängerinnen und Sänger zählende Willicher Musikprojekt vor, um dann mit Händels bekanntem „Halleluja“ eindrucksvoll zu glänzen. „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet“ bekannte mit großer Eindringlichkeit die Sopranistin Katharina Leyhe.

Das Deutsche Requiem, dessen Texte Brahms aus dem Alten und dem Neuen Testament selbst auswählte, gehört zum Schwierigsten der klassischen Chorliteratur und stellt entsprechend hohe Anforderungen an alle Ausführenden, vor allem an den Chor. Die hoch engagierten Vokalisten, deren Strahlkraft und Deklamation ebenso untadelig waren wie ihre lupenreine Intonation (hier seien die mühelos höchste Höhen immer noch voller Wohlklang erklimmenden Soprane besonders gelobt) kamen in den äußerst schwierigen und kräftezehrenden Fugen allerdings an ihre Grenzen. Das lag nicht an fehlendem Einsatz, sondern an der Tatsache, dass die Männerstimmen leider unterbesetzt waren.

Sehr geschlossen und fast bedrückend in seiner Aussage gelang der düstere zweite Satz „Denn alles Fleisch, es ist wie Gras“ – er mündet in die tröstliche Verheißung „So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis auf die Zukunft des Herrn“.

Seit dem Jahre 2011 besteht bereits die Zusammenarbeit zwischen dem Musikprojekt und der „Camerata Louis Spohr“, die sich auch diesmal wieder  bewährte. Das an allen Pulten mit hervorragenden und voller Achtsamkeit agierenden Musikern besetzte Düsseldorfer Orchester machte es dem umsichtig, aber unaufgeregt leitenden Klaus Peter Pfeifer leicht, alle Akteure nahtlos miteinander zu verzahnen.

Dmitri Vargin, seit 16 Jahren Ensemblemitglied der Deutschen Oper am Rhein, Düsseldorf, sang seine Soli mit ausgeglichenem baritonalem Schmelz, aussagekräftig, jedoch in der Höhe ein wenig bemüht.

Absoluter Gipfelpunkt des zum Schluss mit reichem Applaus bedachten Konzertabends war der fünfte Satz des Requiems „Ihr habt nun Traurigkeit“, in dem Katharina Leyhe ihren facetten -und farbenreichen, stets warm getönten Sopran und ihre fesselnde Gestaltungskraft so recht zur Geltung bringen konnte. Sie motivierte auch den spürbar faszinierten Chor zu adäquatem und dem Sopranglanz angepassten  Sekundieren.