Das Glühwein-Cabarett startet vor ausverkauftem Stadtwaldhaus in die 17. Auflage.

Glühwein-Cabarett : Ohrwürmer unterm Weihnachtsbaum

Beim Glühwein-Cabarett im ausverkauften Stadtwaldhaus ging es um Merz, um Gelbwesten und um einen hitverdächtigen Song mit dem Refrain „Tu die wo die war“. Das Premierenpublikum ging begeistert mit.

Zwischen Kabarett und Comedy bekamen die gut 250 Besucher des Glühwein-Cabaretts 2018 am Sonntagabend im Stadtwaldhaus alles geboten, was das Herz begehrt. Vier Künstler waren angetreten, die Lachmuskeln der Zuschauer zu strapazieren, und sie alle ernteten nach ihren Auftritten großen und verdienten Applaus. Wohl so mancher Besucher wird noch den restlichen Abend die Worte „Tu die wo die war“ in gesungener Form als Ohrwurm mit sich getragen haben. Verantwortlich dafür zeichnete Christian Hirdes. Der Bochumer, der sich selbst als eine Mischung aus Comedian und Liedermacher bezeichnet, beschrieb, wie er eine eingängige Zeile für einen Refrain suchte.

„Nicht jeder hat ja nun das Glück, eine Frau namens ‚Ramalamadingdong’ zu treffen“, verwies er auf den bekannten Song von Rocky Sharp & The Replays. Doch dann habe er an der Supermarktkasse erlebt, wie eine Mutter ihr Kind in der ‚Quengelzone’ zurechtgewiesen habe: „Sie blickte die Tochter, die einen Schokoriegel genommen und bittend geschaut hatte, streng an und sagte ‚tu die wo die war’“, erzählte er zum Jubel der Zuschauer. Der Refrain für sein Lied war geboren, die Besucher des Stadtwaldhauses sangen begeistert mit.

Eingeheizt wurde dem Publikum von Rüdiger Höfken, der bereits zum 17. Mal als Veranstalter und Künstler beim Glühwein-Cabarett dabei war. „Damals war ich noch jung. Heute kommt es vor, dass ein Freund im Schwimmbad meine Tattoos an den Waden lobt. ‚Sind das chinesische Schriftzeichen’, fragte er mich neulich. ‚Nein’, habe ich geantwortet. ‚Das sind Krampfadern’“, begann Höfken, der dann aber auch auf aktuelle Politik einging. So bedauerte er beispielsweise, dass nicht Friedrich Merz, sondern Annegret Kramp-Karrenbauer das Rennen um den CDU-Vorsitz für sich entschied. „Was Merz in den paar Wochen rausgehauen hat, davon kann ein Kabarettist ein Jahr lang leben“, sagte er.

Auch auf die Gelbwestenproteste in Frankreich ging er ein. „Eigentlich könnten wir so etwas in Deutschland auch gut brauchen. Überlegen wir mal: Es gibt in Deutschland etwa 15 Millionen Diesel-Autos. Jedes hat eine gelbe Weste im Wagen. Wenn die Fahrer sich damit auf den Weg nach Wolfsburg, Ingolstadt, München oder Stuttgart machen würden, könnten sie sich einfach das Auto nehmen, für das sie bezahlt haben“, schlug er vor und löste großes Gelächter aus. Das galt auch für seine Bezeichnung der Automobilindustrie als „profitabelsten Zweig der organisierten Kriminalität in Deutschland“.

Das Duo Diagonal wusste dann weniger durch sprachliche, als vielmehr körperliche Darstellung zu überzeugen. Sie boten Reminiszenzen an eine Zirkusdarstellung mit deutlichen Slapstick-Elementen. So gab es eine Darstellung von Selbstverteidigung für Frauen, bei der „Branca“ ihren Partner „Roger“ kräftig leiden ließ. Wie auch Hirdes kommen sie übrigens aus Bochum, auch wenn Holger Ehrich (Roger) ursprünglich aus Krefeld stammt. Eine Jonglier-Nummer oder einige gewollt durchschaubare Zauberkunststücke rundeten ihren Beitrag ab.

Den Abschluss des Abends bildete Roberto Capitoni. Der Deutsch-Italiener kokettierte mit dem Spannungsfeld zwischen seiner deutschen, italienischen und schwäbischen Seite. „Der Italiener in mir will in einem Hotel anrufen und ein Zimmer für ‚amore’ mieten. Mit allem drum und dran. 300 Euro? Kein Problem, ich nehm das ganze Wochenende. Der Schwabe ruft an und hört: ‚Zimmer im Erdgeschoss kosten 80 Euro, im ersten Stock 70, im zweiten 60 und im dritten 50’ und sagt dann: Ihr Hotel ist mir zu niedrig“, sagte er. Seine humorvolle Darbietung schloss einen launigen Abend, der Lust auf mehr machte.