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Großbrand in Krefeld: Das Einsatzprotokoll der Feuerwehr

Großbrand in Krefeld : Das Einsatzprotokoll der Feuerwehr

Einen Tag nach dem Großfeuer bei Holz Roeren hat die Polizei zu ermitteln begonnen. Aufgrund des Großschadens kann sie nur per Ausschlussmethode arbeiten. Die Feuerwehr machte für unsere redaktion das Einsatzprotokoll öffentlich.

Die Ermittlungen des Brandsachverständigen der Polizei auf dem abgebrannten Betriebsgelände von Holz Roeren gestalteten sich äußerst schwierig. Wegen des massiven Schadens durch Temperaturen von über 1000 Grad Celsius war der eigentliche Brandherd kaum auszumachen. "Wir können nur mit der Ausschlussmethode arbeiten. Wir streichen von allen denkbaren Ursachen nach und nach die, die auszuschließen sind", sagte ein Polizeisprecher unserer Redaktion. Frühestens am Mittwoch soll es Ergebnisse geben. Neben Holz Roeren wurde in der Nacht knapp ein Dutzend Handwerksbetriebe in den Garagen der ehemaligen englischen Kaserne beschädigt.

Feuerwehrmann Kai Günther bestätigte gestern unserer Redaktion, dass ein Hydrant vor Holz Roeren nicht funktionierte. Während Zeugen von 45 Minuten Zeitverlust durch den defekten Hydranten sprachen, glaubt die Feuerwehr an 15 Minuten Zeitverlust. Auch ein funktionierender Hydrant hätte aber kaum geholfen, sagt Josef Dohmen. "Das Feuer war zu gewaltig."

Feuerwehr war sechs Minuten nach Alarm da

Der Feuerwehrchef hat für unsere Redaktion das Einsatzprotokoll öffentlich gemacht. Alarmiert worden sei die Feuerwehr um 20.03 Uhr. Um 20.09 Uhr, zwei Minuten vor der gesetzlich vorgeschriebenen Maximalzeit, seien die ersten Rettungskräfte eingetroffen. Die ersten Freiwilligen Feuerwehren wurden um 20.11 Uhr alarmiert, danach im Minutentakt umgehende Wehren anderer Städte.

Aus Sicht von Feuerwehrchef Josef Dohmen war das Wasserversorgungssystem im Gewerbegebiet Mevissenstraße für die benötigten Wassermassen nicht ausreichend. Ein Wasserwerfer benötige 10.000 Liter Wasser pro Minute. Die roten über der Erde liegenden roten Hydranten würden aber maximal 1500 Liter pro Minute liefern. Unter der Erde liegende Hydranten sogar nur 1000 Liter. Die Feuerwehr hat deshalb aus benachbarten Gewässern Wasser abgepumpt.

Die Geschäftsführung von Holz Roeren befand sich am Dienstag in der permanenten Krisensitzung: An einen technischen Defekt mochte Seniorchef Franz-Martin Roeren kaum glauben. Erst vor 14 Tagen sei die komplette elektrische Anlage vom TÜV ohne Beanstandung überprüft worden, erklärte der Seniorchef. Die Brandschutzauflagen seien jährlich in bei einer Begehung begutachtet worden. "Wir haben das alles sehr genau genommen", versichert Roeren. Vieles habe Bestandsschutz genossen, bei Neubauten wären sicherlich andere Bestimmungen einzuhalten gewesen, berichtet er weiter.

In einer leerstehenden Videothek hatte er sich tagsüber mit der Führungsetage zurückgezogen. Große Teile des Unternehmens seien von dem Feuer nicht betroffen. Die Abteilung Holzdienstleistungen zum Beispiel sei komplett einsatzfähig. Auch der Werkstoff-Großhandel könne fortgeführt werden. "Die Hälfte unserer Lieferfahrzeuge ist noch erhalten", sagt Roeren. "Wir sind jederzeit lieferfähig."

Komplett vernichtet ist das so genannte Schnittholzlager. "Wir suchen in der Nähe jetzt händeringend eine 3000 bis 4000 Quadratmeter große mit Staplern befahrbare Ersatzhalle."

(RP/top)