Krefeld: Das Architekturjuwel Business Park steht im Fokus der Denkmalbehörde

Krefeld : Das Architekturjuwel Business Park steht im Fokus der Denkmalbehörde

Direkt neben dem bereits geschützten Verseidag-Komplex Mies van der Rohes entwickeln Wolf Reinhard Leendertz und Architekt Georg van Houwald das Gebäudeensemble des früheren Textilveredlers Flores.

Das Gebäudeensemble des früheren Textilveredlers Flores ist im Fokus der Denkmalpflege. Das Terrain auf dem "Mies van der Rohe Business Park" neben den bereits geschützten früheren Bauten der Verseidag (Vereinigte Seidenwebereien AG) rangiere in der Rubrik "geplanter Denkmalschutz", berichtete Architekt Georg van Houwald, der sich im Auftrag und gemeinsam mit Wolf Reinhard Leendertz, dem Eigentümer der 110.000 Quadratmeter großen Fläche zwischen Girmesgath und Weyerhofstraße, um die Sanierung der Bausubstanz kümmert. "Ich habe nichts gegen eine Unterschutzstellung ausgewählter Immobilien", sagte Leendertz, der viel Energie, Sachverstand und Geld in die Aufwertung der beiden Gebäudeensembles steckt.

Was ist an den Hallen und Büros des früheren Textilveredlers Flores so besonders? Leendertz und van Houwald wissen die Antwort: Auf der einen Seite steht ein Industriekomplex des später weltberühmt gewordenen Begründers des Bauhausstils Mies van der Rohe. Die damaligen Verseidag-Verantwortlichen Hermann Lange und Josef Esters beauftragten ihn mit der Planung. Ein Masterplan hatte vorgesehen, dass der Endausbau mehr als doppelt so groß werden sollen, wie das heutige Ensemble.

Ans Ende der vielen Hallen mit Sheddächern sollte ursprünglich noch einmal ein viergeschossiges Haus entstehen. Ferner war vorgesehen, die komplette Reihe noch einmal auf die andere Straßenseite zu spiegeln. Wenige Meter entfernt von diesem Meilenstein der klar strukturierten Architektur gab es bereits Hallen und Büros in traditioneller Backsteinoptik. Die weitere Entwicklung auf dem Flores-Areal zeigt, wie sich die bislang unbekannten Architekten, so van Houwald, dessen Vater in dem Betrieb gearbeitet hat, an Mies van der Rohe orientierten und ihre Neubauten typische Elemente seines Bauhaus-Stils aufgriffen. "Leider sind wohl im Krieg alle Pläne vernichtet worden", berichtete van Houwald.

Die Flores-Gebäude hatten vor der Entstehung des Verseidag-Komplexes eine ganz andere Ästhetik. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Die baulichen Anfänge auf dem Flores-Terrain stammen vom Anfang der 1930er Jahre. Die Gebäude weisen im Obergeschoss eine Reihe von kleinen Fenstern aus. 1932 baute Mies van der Rohe die Verseidag- Immobilien. Und in den Jahren darauf tauchten in den Neubauten des Flores-Areals ebenfalls große Fenster und von Tageslicht durchflutete Büroräume auf. "Auf einem begrenzten Gelände ist auf wunderbare Art nachzuvollziehen, wie der frühere Direktor des Bauhauses in Dessau schon zu Beginn seiner Karriere durch die Kraft seiner Ideen Einfluss auf Berufskollegen ausübte", schwärmen Leendertz und van Houwald.

Für ihn sei das Projekt ein Glücksfall, erklärte der Architekt van Houwald, der seine Diplomarbeit über die Verseidag-Liegenschaft geschrieben hat. Leendertz hat in ihm einen Experten für Mies van der Rohe gefunden, der durch seine familiäre Geschichte auch eine Verbundenheit zum Flores-Komplex aufweist. "Wir werden die historische Substanz dort erhalten, die alten Fenster erneuern und im Innern zum Teil das Mauerwerk freilegen, um die Eigenarten der Räume zu unterstreichen", berichtete der Bauexperte.

(RP)
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