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CVJM Krefeld feiert 175-jähriges Bestehen

Jubiläum : CVJM feiert 175-jähriges Bestehen

175 Jahre sind eine lange Zeit. 1843 gründete sich in Krefeld der Christliche Gesellschaftsverein für junge Handwerker und Fabrikarbeiter. Der Vorläufer des CVJM, der einmal über Barmittel in Höhe von 23,4 Billiarden Reichsmark verfügte. Aktuell benötigt der Jubilar Geld, um sein denkmalgeschütztes Domizil am Westwall zu renovieren.

Nach 175 Jahren Vereinsgeschichte befand sich der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM) Krefeld im Schlummermodus. Ein Arbeitskreis aus zehn Personen möchte das ändern. Der erste wichtige Schritt erfolgt am Wochenende auf dem Westwall. Dort feiert der Jubilar seine Geschichte und wird parallel für die Zukunft aktiv. Im Zentrum stehen die Wiederbelebung zahlreicher Angebote im sozialen Sektor und die Renovierung des geschichtsträchtigen und denkmalgeschützten Domizils. 1933 spendierten evangelische Pastore dem CVJM die Immobilie am Westwall, die zuvor von der Firma Worms als Buchbinderei und Vergolderei genutzt worden war. „Im Hinterhaus sind bis heute die letzten echten Industriesäle der Stadt Krefeld erhalten“, berichtet der stellvertretende Vorsitzende Erwin Lichtenberg. Im Haus sind noch die Originalparkettböden zu sehen, die junge Männer unter Anleitung eines Schreiners vor Jahrzehnten hergestellt und verlegt haben. Das Ensemble mit Vorder- und Hinterhaus sowie Anbau ist in die Jahre gekommen. Lange wurden die einfachsten Arbeiten zum Erhalt auf die lange Bank geschoben. Dach und Keller benötigen besondere Aufmerksamkeit.

„Unsere Kasse ist leer“, sagt Lichtenberg. Für die  Feierlichkeiten haben er und seine Mitstreiter sich etwas Besonderes einfallen lassen. „Uns sind zum Verkauf hochwertige Modeartikel, Lederwaren und Schmuck vermittelt worden“, berichtet der 74-Jährige. Alles Neuware. Der Verkaufserlös soll zum Grundstock für die Sanierung der Immobilie werden.

Ehe der CVJM das Haus am Westwall bezog, residierte der Verein, der 1928 über 423 Mitglieder verfügte, an der Konigstraße. Regelmäßig trafen sich die Männer sonntags, um Gottes Wort zu hören und der Geselligkeit zu frönen. Aus einem Bericht von 1886 geht hervor, wie vielfältig das Vereinsleben war. Aufgelistet wurden Tätigkeiten wie Bibelstunde, Gebetstreffen, Vereinsparkasse (die sogar Darlehen gewährte), Bibliothek, Krankenkasse, Turnen, Sprachunterricht (französisch und englisch), Rechen-, Zeichen- und Gesangsstunden. Musik spielte eine wichtige Rolle. Im Posaunenchor gingen die Mitglieder ihrem Hobby nach.  Mädchen und Frauen fanden erst in den 1970er Jahren Zugang zu dem evangelisch geprägten Verein.

 Ende des 19. Jahrhunderts spielt der CVJM in Krefeld eine gesellschaftlich wichtige Rolle. Zu seinen Festen kamen zahlreiche Besucher. Der große Stadthallensaal war im Jahr 1897 an vier Abenden in Folge  ausverkauft. Zu dieser Zeit entsprang der Gedanke, ein eigenes Vereinshaus zu bauen. Die für die damalige  Zeit große Summe von 43.000 Reichsmark war bereits  angespart, als der Erste Weltkrieg alle Vereinspläne und noch viel mehr zunichte machte. Viele Mitglieder rückten aufs Schlachtfeld, 24 überlebten die Kämpfe nicht.

1923 sorgte die Inflation für den Wertverlust des Geldes. Der CVJM hatte seinerzeit einen Kassenbestand in Höhe von 23,4 Billiarden Reichsmark. Allerdings kostete eine Briefmarke in den Jahren schon eine Milliarde Reichsmark. „Ein besonders tüchtiger Vereinswart brachte den CVJM wieder zur Blüte“, berichtet Lichtenberg. 1933 kamen die Nationalsozialisten an die Macht. Auch im  Zweiten Weltkrieg ging das Vereinsleben weiter. An den letzten Kriegstagen wurde das Domizil am Westwall von Bomben getroffen und stark beschädigt. Der Wiederaufbau begann nach Kriegsende. 80 junge Leute, Lehrlinge und Flüchtlinge fanden dort ein Dach über dem Kopf und bekamen eine warme Mahlzeit.

Im Hier und Jetzt kooperierte der CVJM mit dem Fichte-Gymnasium und bot den Schülern einen Aufenthalt mit Billard, Dart und Kicker sowie Getränken und Sandwiches. Zur Betreuung stellte der CVJM drei Personen auf eigene Kosten an. 2004 war das finanzielle Polster weg. Der Treff musste schließen.

Weitergemacht wurde trotzdem. Die Einsamenweihnachtsfeiern mit 60 bis 70 Teilnehmern zählten zu den wenigen Höhepunkten. Die Aktivitäten gerieten in den Schlummermodus. Am Wochenende erfolgt der Weckruf.