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Coronavirus: Schülergruppe sagt Besuch in Krefeld ab

Intensive Wirtschaftskontakte : Coronavirus - Schülergruppe sagt Besuch in Krefeld ab

Die Kooperation zwischen Gymnasien in der Seidenstadt und der Schule in Hangzhou in China besteht seit vielen Jahren. Krefeld erhält nahezu täglich an die aktuelle Entwicklung angepasste Informationen vom Robert-Koch-Institut.

Eine  20-köpfige chinesische Schülergruppe in Begleitung eines Lehrers hat ihren Besuch in Krefeld wegen des in China grassierenden Coronavirus abgesagt. Die chinesischen Jugendlichen wären im Rahmen des Schüleraustauschs mit einer Partnerschule in Hangzhou nach Krefeld gekommen. Die Kooperation zwischen Krefelder Gymnasien und der Schule in Hangzhou gibt es seit vielen Jahren. Die Chinesen besuchen traditionell im Januar/ Februar Krefeld. Umgekehrt lernen Krefelder Gymnasiasten zur Vorbereitung von Gegenbesuchen in einer Arbeitsgemeinschaft Chinesisch. Ob ein für den 25. März geplanter Besuch von Krefelder Schülern in Hanghzou stattfindet, ist nach Auskunft von Ralf Juntermanns, Direktor der diesmal den Besuch organisierenden Marienschule, offen. „Man muss die Entwicklung abwarten“, sagte er auf Anfrage.

Foto: grafik

Die Absage aus China ist bereits die zweite, der Corona-Ausbreitung geschuldete Entscheidung: Zuvor hatte die in Krefeld beheimatete Chinesische Schule einen Neujahrsempfang ausfallen lassen. Obwohl die Verbindungen zwischen China und Krefeld vielfältig sind, geht die Stadt nicht davon aus, dass es hier eine erhöhte Ansteckungsgefahr mit dem Virus gibt. Der erste Corona-Fall in Deutschland ist am Dienstag aus dem bayerischen Starnberg gemeldet worden.

 Hanghzou kämpft wie andere Millionenstädte gegen die Ausbreitung des Virus: Fluggäste aus Wuhan, wo die Seuche ausgebrochen ist, werden unter Quarantäne gestellt, die für Februar geplante asiatischen Hallen-Meisterschaften der Leichtathleten in Hangzhou wurden abgesagt. Hangzhou ist die Hauptstadt der Provinz Zhejiang, eine der 15 Unterprovinzstädte Chinas, und das Zentrum der Metropolregion Hangzhou. Die Stadt Hanghzou hat mehr als neun Millionen Einwohner.

Auch zahlreiche Krefelder Firmen pflegen intensive Kontakte in Richtung China. „Es gibt nach derzeitiger Erkenntnis 78 Gewerbetreibende oder Geschäftsführer mit chinesischer Staatsangehörigkeit in Krefeld. Diese Zahl lässt jedoch überhaupt keine Rückschlüsse auf direkte Kontakte der Firmen aus unterschiedlichen Branchen oder regelmäßige Handelsbeziehungen nach China zu“, erklärt Stadtsprecherin Angelika Peters. Momentan sind laut Einwohnermeldestatistik 309 Menschen mit chinesischer Staatsangehörigkeit in Krefeld gemeldet, davon 308 mit Hauptwohnsitz und eine Person mit Nebenwohnsitz. Eine besondere Gefährdungslage für Krefeld wegen der umfangreichen Beziehungen zwischen der Seidenstadt und China sieht die Verwaltung nicht. „Krefeld erhält wie alle anderen Städte in NRW nahezu täglich neue, an die aktuelle Entwicklung angepasste Informationen vom Robert-Koch-Institut und dem Landeszentrum Gesundheit mit Handlungsanweisungen beziehungsweise Vorgaben für den Fall eines eventuellen Krankheitsverdachtes / Krankheitsfalles im Stadtgebiet“, ergänzt Peters. Analog aller anderen meldepflichtigen Infektionskrankheiten wird den niedergelassenen Ärzten und den Kliniken die Behandlung obliegen, die Gesundheitsämter übernehmen die Ermittlung und das Monitoring eventueller Kontaktpersonen für den 14-tägigen Inkubationszeitraum zur Vorbeugung und gegebenenfalls frühzeitigen Identifizierung von Ansteckungsfällen.

Angesichts des ersten bestätigten Falls in Deutschland hat die Barmer eine Hotline zum Coronavirus eingerichtet. Medizinexperten geben hier rund um die Uhr Informationen darüber, wer besonders gefährdet sei, wie man sich schützen und einen Verdachtsfall erkennen könne. „Unsere Experten kennen den aktuellen Stand der medizinischen Forschung und können deshalb helfen, Unsicherheit oder gar Angst zu vermeiden“, erklärt Frank Berger, Regionalgeschäftsführer in Krefeld.

Laut Berger zeigen sich bei Infektionen mit gewöhnlichen Coronaviren zumeist Symptome einer Erkältung, wie etwa Husten oder Schnupfen. „Bestimmte Coronaviren, wie das zuerst in China aufgetretene, können aber auch schwere Infektionen und Lungenentzündungen verursachen“, so der Gesundheitsexperte. Die neue Lungenerkrankung gefährde vor allem Menschen, die schon an einer schweren Grunderkrankung litten. Panik sei jedoch nicht angebracht. Auch wenn es derzeit noch keinen Impfstoff gebe, ließen sich Betroffene je nach Schwere der Erkrankung dennoch sehr wirkungsvoll behandeln. Berger: „Mit unserem modernen Gesundheitswesen sind wir auch für diese Fälle sehr gut aufgestellt.“ Erkrankte zeigen vorrangig Infekte der Atemwege. Symptome der aktuellen (neuartigen) Erkrankung sind laut Auswärtigem Amt Fieber (laut WHO über 38 Grad), Husten, Atemnot. Wichtig: Menschen sind bereits ansteckend, wenn noch keine Krankheitssymptome vorliegen. Daher ist es aktuell so schwierig, die Krankheit einzudämmen.