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Coronavirus Krefeld: Lage in Italien - Rosa und Teodoro Alfano berichten

Krefelder berichten von ihrer Familie in Italien : „Es ist schlimmer als Krieg“

Rosa und Teodoro Alfano sind in großer Sorge um ihre Verwandtschaft in Italien. Was die Betreiber des Restaurants „Piazza Sorrento“ aus ihrem gleichnamigen Heimatort hören, erinnert sie an kriegsähnliche Zustände. „Wir haben richtig Angst.“

Familie Alfano sitzt am runden Tisch ihres Restaurants. Die Stimmung ist gedrückt. Die sonst so gut gelaunten Inhaber des „Piazza Sorrento“ an der Petersstraße sind gerade nicht zu Scherzen aufgelegt. „Wir machen uns große Sorgen um unsere Familie in Italien, aber auch um unsere Familie hier. Der Verlauf der Virus-Erkrankung ist erschreckend“, sagt Teodoro Alfano. Seine Mutter Rosa ergänzt. „Noch vor einer Woche saßen unsere Verwandten in Sorrento genauso zusammen wie wir jetzt und haben gedacht, die übertreiben doch mit ihren Maßnahmen. Jetzt sind sie in Quarantäne und das Militär partroulliert durch die Straßen.“

Schwer bewaffnet seien die Polizisten, und sogar Panzer würden durch den gut 16.000 Einwohner starken Ort zwischen Neapel und der Amalfiküste rollen. „Das mit der Quarantäne versteht man ja noch, aber warum werden Panzer und Waffen eingesetzt?“, fragt Teodoro Alfano und erzählt, dass besonders die Großmutter, die noch den Zweiten Weltkrieg erlebte, unter der extrem angespannten Situation leide. „Sie sagt, es sei schlimmer als damals im Krieg. Da habe es zwar auch ab 18 Uhr eine Ausgangssperre gegeben, aber nicht den ganzen Tag lang.“

Nur in Ausnahmefällen dürfen die Verwandten in Italien das Haus verlassen, müssen dazu ein Behördenformular ausfüllen, in dem sie den Grund für den Ausgang und die Dauer angeben. Werden die Zeiten nicht eingehalten, drohen Geldbußen bis zu 2000 Euro. Schutzkleidung und Desinfektionsmittel sind Pflicht bei jedem Gang. „Und wer zum Einkaufen geht, muss sich auf lange Wartezeiten gefasst machen. Schließlich werden nur eine Handvoll Personen auf einmal in den Supermarkt gelassen. Das kann dauern“, erzählt Rosa Alfano.

Besonders belastet seien die Verwandten, die in Krankenhäusern arbeiten würden. Einer davon, ein Arzt, sei seit inzwischen zwei Wochen nicht mehr zu Hause gewesen. Er schlafe, dusche und esse im Krankenhaus, um seine Familie vor dem Virus zu schützen. Eine Cousine, die als Krankenschwester arbeitet, berichtete von schlimmen Szenen an den Krankenbetten und schweren Krankheitsverläufen. „Das macht Angst. Solche Bilder begleiten einen den ganzen Tag“, sagt der 23-Jährige.

Auch ökonomisch sei die Situation eine Katastrophe, selbst wenn in diesen Zeiten in Italien keine Miete, kein Strom und auch keine Steuern gezahlt werden müssten. „Wir merken ja auch schon in Krefeld, dass weniger Besucher kommen. In Italien aber haben wir vier Restaurants, die nun alle geschlossen sind“, sagt Teodoro Alfano. Er würde gern vor Ort helfen, kann die bereits geplante Reise aber nicht antreten, da alle Flüge storniert wurden. Doch selbst wenn es Flüge gäbe, wäre es schwer, Sorrento zu erreichen. „Es gibt Straßensperren an allen Ortseingängen. Jeder, der hinein oder hinaus will, wird vom Militär  streng kontrolliert und muss ein dringendes Anliegen haben. Ein normaler Besuch zählt nicht“, erklärt er.

Über Skype hält die Familie Kontakt, macht Konferenzschaltungen, damit jeder sich davon überzeugen kann, dass es allen Mitgliedern gut geht. Neben Lebensmittelgeschäften haben in Italien derzeit nur noch Apotheken und Tabakläden auf. Letztere seien besonders überlebenswichtig, erzählen die Alfanos und schmunzeln.

Schon bald wird sich auch ihr Leben in Krefeld ändern. „Auch wenn die Behörden es nicht anordnen, werden wir schließen und wahrscheinlich auf Lieferservice umstellen. Wir müssen uns und vor allem unsere vier Senioren schützen. Die Krankheit ist nicht zu unterschätzen“, sagt die Inhaberin.

Bereits vor Verkündung der Schulschließungen hat sie die vier Kinder der Familie zu Hause gelassen, versucht auch den Kontakt zu den Gästen zu minimieren. „Ich zucke inzwischen zusammen, sobald ein Gast hustet. Seit wir erlebt haben, wie drastisch sich die Situation in Italien verschlechtert hat, sind wir deutlich angespannter.“

Noch nicht einmal Gottesdienste fänden in Sorrento mehr statt, sagt die 43-Jährige. Doch wenn es helfe, diese entsetzliche  Pandemie zu bekämpfen, seien ihr alle Mittel recht. „Beten kann man schließlich auch zu Hause.“