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Coronavirus Krefeld: Gaststätten und Restaurants geschlossen, 54 Infizierte

54 infizierte Bürger in Krefeld : Krefeld schließt Gaststätten und Restaurants

Die CDU fordert, dass die Stadtverwaltung ihr Beratungsangebot für die Bürger über zentrale Telefonnummern ausbaut. Oberbürgermeister Meyer hält Diskussion um das städtische Diagnosezentrum für „massiv kleinkariert“.

Die Zwangsmaßnahmen wegen des Coronavirus spitzen sich für die Krefelder weiter zu. Die Zahl der infizierten Bürger der Stadt ist auf 54 gestiegen. Am Dienstag waren es 43, am Montag 36 Menschen. Insgesamt zehn Personen werden derzeit stationär behandelt, ein Betroffener befindet sich weiterhin in kritischem Zustand. „Ab sofort sind nicht nur Spielplätze, Kneipen und Cafés geschlossen, auch Restaurants und Gaststätten dürfen nicht mehr öffnen“, sagt Ulrich Cyprian, Dezernent für Recht und Ordnung in der Seidenstadt. Damit geht Oberbürgermeister Frank Meyer einen Schritt weiter als der entsprechende Erlass der Landesregierung Nordrhein-Westfalen. Dieser hatte in der Fassung vom 17. März Restaurants und Speisegaststätten noch Öffnungszeiten zwischen 6 und 15 Uhr eingeräumt. „Ich habe mit Vertretern des  Hotel- und Gaststättenverbands gesprochen, diese unterstützen die Krefelder Entscheidung, die Einrichtungen zu schließen“, so der Verwaltungschef und Leiter des Krefelder Corona-Krisenstabs. Auf Nachfrage bestätigt der Ordnungsdezernent, dass die Schließung auch für Imbissbetriebe oder Schnellrestaurants gilt, die Sitzplätze anbieten. „Ob auch Drive-in-Bereiche von einer Schließung betroffen sind, ist noch nicht abschließend geklärt. Hier bewegen wir uns in einer Grauzone“, so Cyprian.

Ebenfalls zum Erliegen kommen weite Bereiche des Geschäftslebens. „Nicht zu schließen ist der Einzelhandel für Lebensmittel, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser sowie Drogerien, Tankstellen, Geldinstitute, Bau- und Tierbedarfsmärkte und der Großhandel“, zitiert Cyprian aus dem Erlass. „Alle anderen Verkaufsstellen des Einzelhandels sind ab sofort zu schließen. Dienstleister und Handwerker können ihrer Tätigkeit weiterhin nachgehen.“ Eine generelle Ausgangssperre sei aktuell kein Thema. Doch der Krisenstab habe  sich natürlich mit der Möglichkeit befasst. Meyer: „Wir wollen auf alle Situationen vorbereitet sein.“

Helios-Klinik „Die Helios-Klinik ist weiterhin voll funktionsfähig“, betont Oberbürgermeister Frank Meyer. Sieben Mitarbeiter des Klinikums waren am Wochenanfang positiv auf SARS-CoV2 getestet worden sind. Noch in der Nacht kam das Pandemie-Team mit Vertretern der Stadt Krefeld zusammen. „Weitere Fälle hat es bisher dort nicht gegeben“, so Dirk Hagenräke vom Gesundheitsamt. Die Behörde sei auf der Suche nach „möglichen Fehlern im System“ der Klinik.

Diagnosezentrum Probleme gibt es weiterhin im städtischen Diagnosezentrum, das die Verwaltung an der Schwertstraße eingerichtet hat. „Es läuft dort noch nicht alles rund“, räumt Oberbürgermeister Frank Meyer ein. Er selbst habe versucht, das Zentrum über seine Hotline telefonisch zu erreichen. „In einem Fall kam ich durch, bei einem zweiten Versuch nicht“, so der Verwaltungschef. Aktuell nehmen neun Stadt-Mitarbeiter Anrufe entgegen, ein dritter Abstrichraum wurde am Mittwoch eingerichtet. Noch einmal betont Meyer, dass es sich bei dem Zentrum um ein „Freiwilliges Zusatzangebot“ der Stadt handelt. Kritik unter anderem von Seiten niedergelassener Ärzte sowie der Kassenärztlichen Vereinigung, aber auch von Bürgern an Zuständigkeiten und Abläufen weist Meyer entschieden zurück: „Ich halte diesen Streit für massiv kleinkariert.“

Ordnungsdienst Die 29 Mitarbeiter des kommunalen Ordnungsdienstes sind aufgefordert, für die Einhaltung der Maßgaben der Verwaltung zu sorgen. So dürfen auch öffentliche Spielplätze ab sofort nicht mehr betreten werden. „Wir hoffen auf die Vernunft der Bürgerinnen und Bürger“, erklärt Meyer. „Sollte es Verstöße geben, werden wir jedoch aktiv.“ Auch eine weitere Aufstockung des städtischen Kontroll-Personals durch Verwaltungsmitarbeiter aus anderen Abteilungen sei nicht auszuschließen.

Politik Nach der Umstellung in den Krisen-Modus läuft aus Sicht der CDU-Ratsfraktion nicht alles rund in der Stadtverwaltung. „Während das Corona-Diagnosezentrum angelaufen ist und auch die notwendige medizinische Infrastruktur aufgebaut wurde, ist die Krisen-Kommunikation noch verbesserungsbedürftig. Die Stadt ist in der Pflicht, hier mehr zu tun“, mahnt Ratsherr Walter Fasbender. Aus Sicht der CDU-Fraktion ist neben einer besseren Krisenkommunikation des Oberbürgermeisters nun die gesamte Stadtverwaltung gefragt, die Bürger zu unterrichten und zu beraten. „Die Bürger erwarten und fordern Informationen. Die Stadt muss jetzt nicht nur zu medizinischen Fragen aufklären, betreuen und begleiten, sondern auch jede Art von Unterstützung für Alleinstehende, Selbständige aller Art und verunsicherte Menschen anbieten. Dass die Stadt ihr Beratungsangebot über zentrale Telefonnummern ausbaut, ist da ein erster Schritt. Darüber hinaus schlagen wir eine direkte geheime Direktnummer für die Hausärzte vor, damit eine Erreichbarkeit des Diagnosezentrums für die Hausärzte gewährleistet ist.“ Die Oberbürgermeisterkandidatin der CDU, Kerstin Jensen, fordert die Stadtverwaltung ebenfalls auf, mit Blick auf die derzeitige Corona-Krise „vorhandene Unsicherheiten in der Bevölkerung durch eine aktive Informationsbereitstellung abzubauen“. Zugleich gelte es, „auf die Bereitschaft der Menschen zur Eigenverantwortung zu setzen, anstatt aktives Mittun in ein negatives Licht zu rücken“.

Mit Blick auf die aktuelle Entwicklung der Corona-Pandemie hat sich der geschäftsführende Parteivorstand der SPD Krefeld per Telefonkonferenz darauf verständigt, sämtliche öffentlichen und internen Veranstaltungen bis auf Weiteres abzusagen. Das gilt auch für die für den 28. März vorgesehene Wahl der Stadtratskandidaten zur Kommunalwahl sowie den Parteitag zur Neuwahl des Parteivorstandes Anfang Mai.

Sicherheitspersonal im Rathaus

Im Zuge der Corona-Krise schließt die Stadtverwaltung alle Dienststellen für den Publikumsverkehr. Im Rathaus am Von-der-Leyen-Platz kontrollieren Sicherheitsbedienstete den Eingangsbereich.