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Corona: Krefelder Stadtdirektor über Impf-Verschiebung „schockiert“

Impfzentrum in Krefeld startet erst am 8. Februar : Stadtdirektor „schockiert“ über Impf-Verschiebung

Der Starttermin des Corona-Impfzentrums muss um eine Woche auf den 8. Februar verschoben werden, weil eine zugesagte Lieferung des Impfstoffs nicht termingerecht erfolgt. Die Zweit-Impfungen in Altenheimen sind gesichert.

Der Starttermin des Impfzentrums auf dem Sprödentalplatz muss verschoben werden, weil zur geplanten landesweiten Inbetriebnahme der Impfzentren am 1. Februar der zugesagte Impfstoff nicht geliefert werden kann. Die Stadtverwaltung hat von dieser neuen Entwicklung aktuell durch das NRW-Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) in einer Telefonkonferenz erfahren. Neuer Starttermin für das Impfzentrum, das im Auftrag der Stadtverwaltung vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) betrieben wird, soll nun der 8. Februar sein. Das NRW-Ministerium hat erklärt, eine zugesagte Lieferung durch Biontech/Pfizer könne nicht termingerecht erfolgen. „Wir sind über das Impf-Chaos schockiert“, erklärt Stadtdirektor Markus Schön. Kliniken und Pflegeeinrichtungen sind von der Maßnahme ebenfalls betroffen, Einsätze der mobilen Impfteams müssen neu geplant werden.

Gesundheitsdezernentin Sabine Lauxen hat am Mittwoch alle mit den Impfungen betrauten Akteure der Stadt in einer Telefonkonferenz über die neue Entwicklung informiert: „Die Stadt Krefeld muss sich bei der Planung des Impfzentrums auf Zusagen von Bund und Land verlassen. Insofern bedauere ich sehr, dass unser Krefelder Impfzentrum auf dem Sprödentalplatz nun doch erst später an den Start gehen kann. Wir als Stadtverwaltung haben bei der Errichtung des Impfzentrums alles in unserer Macht Stehende getan, um mit den Impfungen schnell so viele Bürgerinnen und Bürger wie möglich zu schützen. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben dabei großen Einsatz geleistet. Trotz der jetzt bekannt gewordenen Terminverschiebung sollten wir alle uns die Hoffnung nicht nehmen lassen“, so Lauxen.

Konkret bedeutet die Verschiebung, dass die nächste Impfzielgruppe Alter ab 80 zwar ab dem 25. Januar Termine für die Impfung verabreden kann, diese Termine aber nach aktuellem Stand erst für den Zeitraum ab 8. Februar vergeben werden können. Eine weitere Auswirkung der fehlenden Impfstoffmengen ist, dass alle weiteren geplanten Erstimpfungen in den Alten- und Pflegeheimen vorerst nicht erfolgen können. Auch die Krankenhäuser erhalten keinen weiteren Impfstoff. Die Stadtverwaltung hat noch keine weiteren verlässlichen Aussagen zur Impfstoffmenge, die ab 8. Februar zur Verfügung stehen wird. Die notwendigen Zweitimpfungen in den Heimen allerdings, für die noch ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, werden weiterlaufen.

Dabei besteht dringender Handlungsbedarf: Erneut sind in Krefeld drei Menschen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gestorben. Zwei Personen starben im Alter von rund 70 Jahren beziehungsweise Mitte 90 in den Kliniken. Beide waren zuvor keine Heimbewohner. Im Alter von rund 90 Jahren wiederum verstarb eine Person in einem Seniorenheim. Zu Vorerkrankungen liegen in allen drei Fällen keine weiteren Informationen vor. Insgesamt 94 Menschen sind bisher im Zusammenhang mit der Pandemie in Krefeld gestorben.

Die Gesamtzahl aller bestätigten Corona-Infektionen liegt in Krefeld am Mittwoch, 20. Januar, (Stand: 0 Uhr) bei 6.278, das sind 55 Fälle mehr als am Vortag. Die Gesamtzahl der Genesenen liegt bei 5.422. Dies bedeutet eine Steigerung von rechnerisch 33 Genesenen mehr als am Vortag. Als aktuell infiziert gelten somit 762 Personen, am Vortag waren es 743 Personen. Mit der neuen Entwicklung steigt die vom Robert-Koch-Institut (RKI) für Krefeld angegebene Sieben-Tage-Inzidenz wieder an. Sie lag am Dienstag bei 128, am Mittwoch stieg die Zahl der Corona-Neuinfektionen in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner auf 136.

In Kliniken in der Seidenstdt liegen nach einer Corona-Infektion aktuell 44 Patienten aus Krefeld, neun von ihnen befinden sich auf der Intensivstation, drei davon werden beatmet. In freiwillige oder behördlich angeordnete Quarantäne haben sich bisher 21.032 Personen begeben. In Krefeld wurden seit Beginn der Pandemie 40.819 Erstabstriche vorgenommen, 607 davon sind offen.

Auch im Notbetrieb von Kindertageseinrichtungen und Schulen gibt es aktuell neue Meldungen. Dem Fachbereich Gesundheit der Stadt Krefeld wurden jeweils ein neuer Infektionsfall aus der Kita Kempschen Weg und der Kita Steckendorfer Straße übermittelt.

Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) hat bei seinen Kontrollen in Krefeld auch am Dienstag überprüft, ob die Bestimmungen der Coronaschutzverordnung eingehalten werden. 13 Bußgeldverfahren und ein Strafverfahren wurden dabei eingeleitet. In einem Fall fiel zwei KOD-Dienstkräften bei einem Streifengang in der südlichen Innenstadt am Dienstagnachmittag auf, dass in einem Kosmetiksalon eine Kundin behandelt wurde. Der Betreiber gab an, dass er in seinem Salon medizinisch notwendige Behandlungen anbiete, welche nach der Coronaschutzverordnung zulässig seien. Eine medizinische Notwendigkeit im konkreten Fall konnte allerdings dem KOD nicht glaubhaft dargelegt werden. Auch ein ärztliches Attest konnte die Kundin nicht vorlegen. Gegen den Betreiber wird ein Bußgeldverfahren eingeleitet, weil er eine Dienstleistung angeboten hat, bei der ein Mindestabstand von 1,5 Metern zum Kunden nicht eingehalten werden konnte. Die in der Coronaschutzverordnung dafür vorgesehene Summe beträgt 1.000 Euro.

Außerdem gab es am späten Abend einen Einsatz des Kommunalen Ordnungsdienstes auf dem Theaterplatz. Dort traf das KOD-Team eine Gruppe von vier Personen an, die gegen die Kontaktregeln verstießen. Während die KOD-Mitarbeiter die Personalien feststellten, um ein Bußgeldverfahren einleiten zu können, versuchte ein 39-Jähriger zu flüchten. Eine Dienstkraft des KOD konnte ihn stellen.

Die Maßgabe der Politik, im Öffentlichen Personennahverkehr die Zahl der Fahrgäste zu reduzieren, wird in Krefeld erst einmal gar keine Konsequenzen haben – aus einem einfachen Grund: Es sind ohnehin kaum noch Menschen mit den Bussen und Bahnen unterwegs. „Wir haben im Schnitt in Bussen und Bahnen 20 bis 25 Fahrgäste“ erläuterte ein Sprecher der SWK-Mobil auf Anfrage unserer Redaktion, „in der Straßenbahnlinie 044 hatten wir in der Spitze einmal 40 Gäste. Das genügt, um ausreichend Abstand zu halten.“ Ab 20 Uhr seien die Fahrzeuge nahezu komplett leer.