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Corona in Krefeld: Todesfälle treffen die Risiko-Gruppe

Corona in Krefeld : Todesfälle treffen die Risiko-Gruppe

Die Folgen der Corona-Epidemie werden in Alten- und Pflegeheimen besonders drastisch sichtbar. So trat in Krefeld mehr als die Hälfte der bisherigen Todesfälle im Zusammenhang mit Corona bei Bewohnern einer einzigen Senioreneinrichtung auf. Der Oberbürgermeister warnt vor einem Anstieg der Infektionsrate.

Im Monat März sind in Krefeld 243 Menschen gestorben. Eine mehr als 90 Jahre alte, vorerkrankte Person war positiv getestet und mit dem Corona-Virus infiziert. Die genaue Todesursache ist dem Gesundheitsamt nicht bekannt. Im März des Vorjahres sind in Krefeld 267 und im März 2018 sogar 337 Menschen gestorben. Das teilte das Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (IT.NRW) gestern mit.

Über die Gefahr des Corona-Virus sagen die veröffentlichten Zahlen der Landesstatistiker nichts: Weitere Krefelder Todesfälle von Covid-19-Patienten gab es erst seit Beginn des Aprils. Das gilt im Grunde für Gesamtdeutschland. Beachtenswerter sind da die Aussagen und Analysen des Gesundheitsamtes in Krefeld über die Gefahr einer Infektion für die Risikogruppe.

Im Haus Raphael hat es einen zehnten Todesfalls eines an Covid 19 erkrankten Bewohners gegeben. Der gesundheitliche Zustand der mehr als 80 Jahre alten Person habe sich innerhalb weniger Stunden verschlechtert und zum Tod geführt, berichtete Stadtdirektorin Beate Zielke am Dienstag im Rathaus. In einem Wohnbereich der Einrichtung für Senioren mit Demenzerkrankungen seien derzeit noch elf Mitarbeiter und 13 Bewohner mit dem Corona-Virus infiziert. „Die Entwicklung dort macht allen sehr zu schaffen“, sagte Oberbürgermeister Frank Meyer. Es werde alles Menschenmögliche getan, alle bekannten Vorsichtsmaßnahmen ergriffen und alle Vorkehrungen immer wieder optimiert. Gleichwohl sei inzwischen der zehnte Todesfall zu beklagen. Das mache deutlich, wie gefährlich der Virus für ältere und vorerkrankte Menschen sein könne, betonte Meyer. Im Haus Raphael komme erschwerend hinzu, dass den Bewohnern die Einsichtsfähigkeit fehle, um aktiv an der Einhaltung der Vorsorgeregelungen mitzuwirken, erklärte Beate Zielke. Es werde deutlich, wenn Infektionen im Bereich der Pflege erfolgten, dass es wenig Möglichkeiten gebe, sie gebremst zu bekommen, erklärte der Oberbürgermeister.

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Mittlerweile müsse das Gesundheitsamt drei Einrichtungen, zwei aus der Seniorenbetreuung und eine aus der Kinder- und Familienhilfe, engmaschig betreuen. Im Haus im Park gebe es derzeit keine Veränderung der Lage. Es bleibe bei dem gestorben und positiv getesteten Bewohner.

Die Zahl der Toten in Krefeld insgesamt liegt jetzt bei 18. Die Sterberate ist von 3,59 auf 3,77 Prozent gestiegen. Stand gestern hat es in Krefeld 4312 Abstriche gegeben. Für 101 Tests liegen die Ergebnisse noch nicht vor. 478mal konnte das Corona-Virus nachgewiesen werden. Bei 317 Personen liegt der Test schon länger als 14 Tage zurück. Sie gelten damit rechnerisch als genesen. Damit sind aktuell noch 143 Krefelder an Covid 19 erkrankt. Das trifft in der Bewertung auch auf die positiv getesteten Menschen zu, die keine Krankheitssymptome zeigen. Sie fallen dennoch in die Kategorie „erkrankt“. 32 davon befinden sich zur stationären Behandlung in einem Krankenhaus. Vier liegen auf der Intensivstation und zwei werden künstlich beatmetet.

Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) beobachte zunehmen, dass die Abstandsreglkungen nicht eingehalten werden könnten, sagte Dezernent Ulrich Cyprian. Vor allem in der Innenstadt seien so viele Passanten unterwegs, dass sie aufgrund der räumlichen Enge sich in einem zu geringen Abstand begegneten. 159 Ansprachen habe es gegeben, und es seien nur zwei Platzverweise erfolgt. Auf das Verhängen eines Bußgeldes konnte komplett verzichtet werden, sagte Cyprian. „Wir haben bisher auf das Mittel der freundlichen Kommunikation und Ansprache gesetzt, und werden das auch weiter tun“, sagte er. Dies gilt auch für die Thematik Mund-Nase-Schutz. Schwerpunktmäßig seien die größeren Haltestellen des Öffentlichen Personennahverkehrs wie am Röttgen in Uerdingen und am Ostwall in der City ins Visier genommen worden. 173mal seien die betreffenden Personen angesprochen worden. Den meisten sei offenbar nicht klar gewesen, dass sie die Masken nicht erst in Bus und Bahn, sondern bereits an der Haltestelle aufsetzen müssen.

Nicht ganz ohne Probleme blieb die Tragepflicht des Mund-Nase-Schutzes in Ladenlokalen. 30 Geschäfte habe der KOD kontrolliert und 13mal Hinweise geben müssen. In den kommenden Tagen nehmen die Kontrolleure die Praxis in den Geschäften mit ursprünglich mehr als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche in den Blick.

Ob die Stadt zukünftig ein Bußgeld verhängen will, falls der Mund-Nase-Schutz nicht getragen wird, ist noch nicht entschieden. „Wir wissen nur, dass wir als Kommune ein Bußgeld verhängen dürfen. Das Land selbst hat in seiner Corona-Verordnung kein Bußgeld vorgesehen“, berichtete Meyer. Auch was die Schulpflicht der Viertklässler ab Mai angehe, spare sie mit Informationen. „Aber wir sind weitgehend vorbereitet.“