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Corona-Disziplin der Krefelder lässt nach

Oberbürgermeister besorgt : Corona-Disziplin der Krefelder lässt nach

Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten und verstorbenen Krefelder ist auf 17 gestiegen. Eine Bewohnerin des Hauses im Park in Uerdingen hat trotz intensivmedizinischer Behandlung in einem Krankenhaus nicht überlebt. Damit gibt es mittlerweile zehn Todesfälle in zwei Senioreneinrichtungen.

Seit dem Wochenende ist eine zweite Senioreneinrichtung in Krefeld von einem Corona-Todesfall betroffen. Eine rund 80 Jahre alte, vorerkrankte Bewohnerin des Hauses im Park in Uerdingen ist kurze Zeit nach der Einlieferung in ein Krankenhaus auf der Intensivstation gestorben. Zuvor hatten bereits neun mit dem Corona-Virus infizierte Bewohner des Hauses Raphael die -Erkrankung mit Covid 19 nicht überlebt. Insgesamt weist die Statistik der Stadt Krefeld mittlerweile 17 Todesfälle bei 474 positiv getesteten Personen auf. Das teilte Stadtdirektorin Beate Zielke am Montag im Rathaus mit.

Der Krisenstab habe sich gestern über die Entwicklung in drei Einrichtungen informiert, sagte Oberbürgermeister Frank Meyer. Einrichtung drei ist die Evangelische Kinder -und Familienhilfe. Die gemeinnützige Gesellschaft machte gestern selbst bekannt, dass eine Person im jugendlichen Alter in einer Außenwohngruppe der Einrichtung positiv getestet worden sei. Sie lebe nicht auf dem Stammgelände im Stadtteil Traar, sondern in Duisburg-Bruchhausen. „Wir haben in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt, dem Jugendamt und dem Krisenstab des Oberbürgermeisters sofort nach Bekanntwerden der Infektion die notwendigen Schutz- und Quarantänemaßnahmen ergriffen“, teilte ein Sprecher des Trägers mit. Über das weitere Vorgehen, die entsprechenden Tests und möglicherweise notwendige medizinische Behandlungen stehe er mit diesen Behörden und den zuständigen Ärzten in engem Austausch. Bis zum Erhalt der Testergebnisse würden alle notwendigen Präventivmaßnamen selbstverständlich aufrecht erhalten.

Die Entwicklung im Haus Raphael sei stabil, sagte Dirk Hagenräke vom Gesundheitsamt. Sechs Mitarbeiter und 14 Bewohner seien mit dem Corona-Virus infiziert. Im Haus im Park seien eine Mitarbeiterin und darüber hinaus noch fünf Bewohner positiv getestet. Hinzu komme besagter Jugendlicher aus der Wohngruppe.

Seit Beginn der Corona-Pandemie seien in Krefeld 4270 Abstriche gemacht worden. 53 Ergebnisse müssten die Labore – Stand gestern Mittag – noch nachliefern. 317 Personen gelten als genesen. 17 seien verstorben, Aktuell folgern daraus 140 mit Covid 19 erkrankte Krefelder. 1396 befänden sich in freiwilliger oder behördlich angeordneter Quarantäne, informierte Beate Zielke.

Die Sterberate in Krefeld ist im Vergleich zum vergangenen Freitag von 4,06 auf 3,59 Prozent gesunken. Ein Unterschied von 0,5 Prozentpunkten scheint wenig, ist aber bedeutsam. Auf bundesweite Zahlen hochgerechnet (gestern 157.770 Corona-Fälle) bedeutet eine Sterberate von 0,5 Prozent knapp 790 Todesfälle. Nur auf Krefeld bezogen wären es 2,4 Todesfälle weniger als bei einer um 0,5 Prozentpunkte höheren Sterberate.

Während in den Einrichtungen alles getan wird, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern, schwindet in der Bevölkerung offenbar die Einsicht und die Disziplin, die Regeln zur Eindämmung der Pandemie zu befolgen. Diesen übereinstimmenden Eindruck von Polizei und Kommunalem Ordnungsdienst hat Oberbürgermeister Frank Meyer öffentlich gemacht. Er befürchtet offenbar auch, dass es zu Auseinandersetzungen zwischen den Krefeldern kommen könnte. „Die Menschen sind angespannter als normal. Das liefert Potenzial für Streitigkeiten. Ich hoffe aber, dass es so friedlich bleibt wie bisher“, sagte Meyer.

Das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes unter anderem beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr sei zwar vorgeschrieben, aber von Seiten des Landes nicht mit einem Bußgeld bedroht. Ob die Stadt in eigener Verantwortung ein Bußgeld erheben dürfe, und ob es sinnvoll sei, dies, falls möglich, zu tun, werde aktuell noch geprüft und beraten, berichtetet Meyer.

Was den möglichen Schulstart für die Kinder der vierten Grundschulklassen anbetrifft, fehle es noch an Klarheit, sagte Dezernent Markus Schön. Er beklagte, dass das Land den Kommunen kaum Zeit zur sorgsamen Vorbereitung ihrer Schritte gebe. Die Regeln für die Notbetreuung der Kinder von berufstätigen oder vor einer Prüfung stehenden Alleinerziehenden seien zum Beispiel erst am späten Freitagabend bei der Stadtverwaltung eingetroffen. „Bislang ist die Zahl der Anträge verschwindend gering“, sagte Schön gestern. Aber das könne sich noch ändern. Anspruch habe übrigens nur, wer vor Corona-Zeiten bereits einen Kita-Platz hatte. „Wir müssen die kommenden Tage abwarten“, sagte er.