Krefeld: City als Stadt der Gärten

Krefeld : City als Stadt der Gärten

Wie sähe der Theaterplatz aus, wenn er nach den Ideen Mies' gestaltet würde? Viel Grün wäre seine Devise. Und der Krefelder Architekturprofessor Althoff regt eine Aussichtsterrasse über dem Platz an.

Der Schweizer Architekturprofessor Vittorio Magnago Lampugnani geht hart ins Gericht mit dem heutigen Städtebau, den er als Produkt falscher politischer Instrumente und finanzieller Anreize kritisiert. Er ist überzeugt: "Suburban können wir uns nicht mehr leisten" und plädiert für eine "neue Stadt des Zusammenrückens". So geschehen vor wenigen Wochen auf dem zweiten Symposium des Deutschen Instituts für Stadtbaukunst der TU Dortmund, das dem Thema "Stadt und Energie" gewidmet war.

Natürliche Umgebung

Im Krefelder Mies-Quartier, das die Zukunft unserer gebauten Umwelt anreißen möchte, könnten solche theoretischen Ansätze nachhaltiger Architektur Gestalt annehmen. Für Mies van der Rohe plante der Landschaftsarchitekt Alfred Caldwell den Lafayette Park in Detroit als eine weiter entwickelte, transformierte Gartenstadt.

Heutzutage, im Angesicht aktueller Klima- und Energieprobleme, wäre Mies sicherlich zu denen zu zählen, die ambitioniert darüber nachdenken, wie Energie besser zu nutzen wäre. "Jedes Gebäude, so der Krefelder Professor Ernst J. Althoff, "kann nämlich Energie speichern, sammeln, verteilen und entladen. Bisher wird ausschließlich die Dämmung als Maßnahme gefördert." Neue Energiepotenziale wie Erd- und Sonnenwärme warten auf ihre Erschließung.

Mies und seine Mitstreiter verwirklichten auf einem heruntergekommenen Areal mitten in Detroit ein Neubau-Viertel, das der natürlichen Umgebung den Vorrang gibt. Rhythmisch gestaffelt zwischen höheren Bäumen, Büschen und Strauchwerk, liegen die ebenerdigen und zweigeschossigen Hofhäuser, in einem Hochhaus werden Appartements vermietet. Die Bewohner des Lafayette Parks erreichen wichtige öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Bibliotheken aber auch Supermärkte auf Gehwegen über Parkwiesen in höchstens 15 Minuten.

60 Jahre weiter im Krefelder Mies-Quartier 2011 würden Verdichtung und Durchgrünung sich nicht länger gegenseitig ausschließen. Wiesen zum Verweilen, ohne das Schild "Betreten verboten" , Fußwege zwischen Sträuchern, unter Bäumen. Begrünte Dächer. Garagen unter der Erde. Ein Teil des Horten-Hauses könnte zu Appartements umgebaut werden. Eine Ausstellungs-Dependance der Krefelder Kunstmuseen mit einem Mies van der Rohe gewidmetem Raum und die wichtigsten Krefelder Galerien würden sich zudem gut unter einem Dach machen.

Umlaufende Aussichtsterrasse

Auch ein Hot Spot für Krefelder Architekturgeschichte mit Besucherservice sollte erwogen werden. Café und Restaurant sollten nicht fehlen. Denkbar wäre schließlich eine umlaufende Aussichtsterrasse, die vom Mies-Quartier aus durch eine Außen-Rolltreppe erreicht wird.

Von oben könnten sich Interessierte ein Bild vom Mies-Quartier machen, das als wegweisendes Pilotprojekt für Aufmerksamkeit sorgen dürfte.

(RP)