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Chempark-Zugang in Krefeld: Jeder wird gescannt

Corona-Krise in Krefeld-Uerdingen : An den Chempark-Toren wird jeder gescannt

Der Manager des Chemparks in Uerdingen hat am Mittwoch die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Jeder, der das Werksgelände am Rhein betreten will, wird nun einem Fieber-Scan unterzogen.

Der Chempark in Uerdingen am Rheinufer ist wie eine kleine Stadt. Auf rund 260 Hektar Fläche produzieren dort etwa 40 Betriebe mit gut 7500 Mitarbeitern. Seit Mittwoch gelten dort verschärfte Sicherheitsvorkehrungen für Beschäftigte, Lieferanten, Kunden und Besucher. Der Krisenstab des Chempark-Betreibers Currenta GmbH &Co OHG hat weitere Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter und zur Aufrechterhaltung der Produktion beschlossen. Seit Mittwoch gibt es lückenlose Fieber-Scans an allen Zugängen zum Werksgelände an allen Besucherempfängen und Ausweisbüros sowie an den Autohöfen. Sonderausweise sind erst einmal nicht erforderlich: Der Zugang bleibt vorerst für alle Chempark- und Fremdfirmenmitarbeiter ohne Einschränkung möglich. Eine Begrenzung des Zugangs nur für Mitarbeiter in Schlüsselfunktionen bleibt erst einmal aus.

Sollte das Messergebnis des Fieber-Scans auffällig sein, sei kein Zutritt zum Chempark möglich. Der Werksausweis werde vorläufig deaktiviert, teilte eine Unternehmenssprecherin mit. Das Zutritts-Prozedere sei immer gleich: Mit Hilfe von thermografischen Kameras werde die Körpertemperatur im Gesicht gemessen. Die Messung erfolge berührungslos aus einer Distanz von rund zwei Metern und niehme nur wenige Sekunden in Anspruch. Beim Werkszutritt über die Fußgänger-Zugänge werde kurz hinter den Drehkreuzen der Fieber-Scan durch Mitarbeiter des Werkschutzes durchgeführt. Durch Glas funktioniere das Messverfahren nicht, deshalb müssten Fahrzeuginsassen an den Pkw-Zufahrten die Autofenster herunterlassen. „In der Regel war’s das dann schon“, erklärte die Currenta-Sprecherin.

Sollte dieses erste Screening eine erhöhte Körpertemperatur zeigen, messe ein Werkschutz-Mitarbeiter noch einmal mit einem zweiten Messgerät nach. Auch diese Kontrollmessung ermittele die Körpertemperatur durch berührungslose Erfassung der Wärmestrahlung. Der Messgerätabstand werde jedoch auf ein paar Zentimeter verkürzt. Eine Erregerübertragung sei  dadurch ebenso wie beim Screening mit den Thermokameras ausgeschlossen, so Currenat.

Im Uerdinger Chempark arbeiten rund 7500 Beschäftigte in gut 40 Unternehmen. Sie arbeiten unter erschwerten Bedingungen. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Sollte sich bei der Kontrollmessung der Verdacht auf Fieber erhärten, müsse der Mitarbeiter zurückgewiesen werden. Der Chempark-Ausweis werde dann gesperrt. Die Sorgfaltspflicht lasse den Werkschutz-Mitarbeitern keinerlei Spielraum. Abgewiesene sollten sich umgehend in Selbst-Quarantäne begeben und auf dem Heimweg alle Kontakte zu anderen Personen meiden, empfiehlt das Unternehmen.

Ferner sollte schnellstmöglich per Telefon Kontakt mit der Hausarztpraxis aufgenommen und der Vorgesetzte informiert werden. Das gesamte Vorgehen sei mit den Pandemiebeauftragten aller Unternehmen im Chempark und dem Koordinierungskreis Health, Safety, Environment abgestimmt und für alle Mitarbeiter verbindlich.

Bereits am vergangenen Freitag hatte der auch in Uerdingen vertretene Spezialchemiekonzern Covestro mitgeteilt, dass „nach aktuellem Stand nun auch fünf Mitarbeiter von Covestro positiv auf das Coronavirus getestet worden“ seien. Vier der Betroffenen seien aus dem Urlaub zurückgekommen  und anschließend grippeähnliche Symptome bei sich festgestellt. Die durchgeführten Tests hätten den Verdacht bestätigt. Sie seien nach ihren Urlauben jedoch nicht an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt und hätten sich sofort in häusliche Quarantäne begeben. Ein weiterer Mitarbeiter, der positiv getestet wurde, befinde sich ebenfalls in Quarantäne. Auch er habe zwei Wochen lang keinen Kontakt zu anderen Covestro-Mitarbeitern gehabt.

Unterdessen hat Covestro an seinen deutschen Standorten die Schutzmaßnahmen für die Mitarbeiter noch einmal ausgeweitet. Es gelte nun für den größten Teil der Belegschaft die‍ Maßgabe, von zuhause aus zu arbeiten. Ab sofort werde nur noch eine notwendige Kernbesetzung in der zentralen Verwaltung vor Ort tätig sein. Gleiches gelte für die Produktion an allen Standorten, die mit Kernbesetzungen sicher und kontinuierlich fortgeführt werde. Die finanziellen Auswirkungen des Coronavirus auf das aktuelle Geschäftsjahr 2020 von Covestro seien gegenwärtig noch nicht abzusehen. Für das erste Quartal dieses Jahres werden bedingt durch den Ausbruch des Coronavirus direkte negative finanzielle Auswirkungen auf das bereinigte Ergebnis in Höhe von etwa 60 Millionen Euro erwartet.